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Home > Hilfe weltweitÜbersicht aller ProjekteSyrien / IrakGrenzenlose NotInterview: "Der soziale Frieden wird gestärkt"
In Gemeindeküchen im Libanon bereiten libanesiche und syrische Frauen gemeinsam warme Mahzeiten für bedürftige Flüchtlingsfamilien zu. Foto: Diakonie Katastrophenhilfe
Interview zu Projekten für Flüchtlinge im Libanon und im Irak

„Der soziale Frieden wird gestärkt“

Bei einem Besuch in Berlin berichtet Lisa Hesse, Mitarbeiterin der Diakonie Katastrophenhilfe, über ihre Arbeit und die Projekte im Libanon und im Irak.

Was sind Ihre Aufgaben bei der Diakonie Katastrophenhilfe?

Als Projektverantwortliche für den Irak und den Libanon betreue ich die Partner intensiv vor Ort. Alle sechs Wochen reise ich in beide Länder und berate beim Beantragen der Projekte, beim Durchführen und bei administrativen Prozessen. Daneben betreue ich auch aktiv Besuche von Parlamentariern und anderen Gebern. Und ich halte den Kontakt zum Hauptbüro in Berlin.

Welche Schwerpunkte sind im Libanon gesetzt?

Im Libanon arbeiten wir mit den beiden Partnerorganisationen Inter Church Network for Development and Relief, kurz ICNDR und International Orthodox Christian Charities, IOCC zusammen. Das Projekt mit ICNDR unterstützt geflüchtete Kinder und Jugendliche psychosozial mit verschiedenen Aktivitäten wie Malstunden oder Sommercamps.

Mit IOCC fördern wir ein Projekt, das Gemeindeküchen unterhält. Dort bereiten syrische und libanesische Frauen warme, nahrhafte Mahlzeiten zu, die dann an Begünstigte verteilt werden. Im Libanon gibt es viele Zeltstädte, die aus Sicherheits- oder Gesundheitsgründen keine Küchen haben. Da kommen dann die Gemeindeküchen ins Spiel. Dort werden die Bedürftigsten drei Mal pro Woche mit warmen Mahlzeiten versorgt. Die Essen sind je nach Familiengröße nicht unbedingt ausreichend für die komplette Woche. Aber sie entlasten die Familien finanziell. Die großen Zahlen syrischer Geflüchteter im Libanon sorgen für Spannungen innerhalb der Gesellschaft. In den Küchen kochen syrische und libanesische Frauen gemeinsam, um den sozialen Frieden zu stärken. Das sind Orte der Begegnung, des Austauschs. Hier können Vorurteile abgebaut werden. Das ist der Ansatz der Gemeindeküchen. Die Frauen bekommen für das Kochen eine kleine Entschädigung. Da es im Libanon keine Arbeitserlaubnis für syrische Flüchtlinge gibt, ist dies bisher die einzige Möglichkeit, die Menschen etwas zu entlohnen.

Außerdem werden die Geflüchteten in dem Projekt auch über ihre Grundrechte informiert und psychosozial unterstützt. Frauen stehen hier im Focus. Sie können Alltagsfragen stellen oder erhalten Tipps zur Kindererziehung. Mit dem Thema psychosoziale Hilfe muss sehr sensibel umgegangen werden, da viele Menschen Sorge haben, abgestempelt zu werden. Deshalb ist die Herangehensweise eine sehr vorsichtige. Bei Kindern ist der Zugang über spielerische Aktivitäten viel einfacher möglich.

Was für Projekte werden im Irak unterstützt?

Im Irak laufen unterschiedliche Projekte mit dem Partner REACH Iraq, einer lokalen Partnerorganisation. Zum einen gibt es ein Projekt für drei Gemeindezentren, die auch psychosoziale Unterstützung anbieten. Alle Zentren sind in der Umgebung von Sulaymaniyah angesiedelt und gut erreichbar. Hier werden unterschiedliche Aktivitäten für Kinder, Frauen und Männer angeboten. Zur Auswahl stehen Kinderbetreuung, Mal- und Kunstunterricht sowie Sport, Computer- oder Sprachunterricht in Englisch, Arabisch und Kurdisch. Frauen können zudem berufliche Angebote wie Näh-, Häkel- oder Kochkurse wählen. Die Gemeindezentren stehen Binnenvertriebenen, syrischen Geflüchteten und gastgebenden Gemeinden offen. Sie wollen die unterschiedlichen Gruppen zusammenführen und das gelingt auch. Die Zentren sind ein starker Mehrgewinn für die Region. Die Angebote werden gut angenommen. Ich glaube, dass die Kurse dazu beitragen, Vorurteile abzubauen. Es bilden sich zudem Freundschaften und ein Austausch findet auch über die Kurse hinaus statt.

Ein weiteres Projekt, das wir mit REACH durchführen, bietet Einkommen schaffende Maßnahmen im ländlichen Raum, mit denen die landwirtschaftliche Produktion gefördert wird. Da die Binnenvertriebenen jedoch nicht über Land verfügen, werden sie mit gastgebenden Gemeinden zusammengebracht. Diese teilen sich zum Beispiel Gewächshäuser mit den Binnenvertriebenen. Es werden Verträge zur beidseitigen Nutzung und zur Teilung des Gewinns aufgesetzt. Dadurch versucht REACH eine gewisse Sicherheit für die Binnenvertriebenen herzustellen. In vielen Fällen verzichten die Landbesitzer auch auf einen Teil des Gewinns. Im städtischen Bereich bieten wir berufliche Trainings von mehreren Monaten an, um Binnenvertriebene für verschiedene Tätigkeiten zu qualifizieren. Dabei kooperiert REACH mit Unternehmen, in denen die Menschen lernen und arbeiten können.

In einer zusätzlichen Komponente wird die soziale Infrastruktur gestützt, vor allem Krankenhäuser. Zudem sollen Kindergärten und Schulen mit eingebunden werden. Auch hier ist der Bedarf sehr groß - die soziale Infrastruktur liegt teilweise brach. Das hängt unter anderem mit der wirtschaftlichen Krise der kurdischen Regierung zusammen. So findet Schule nur an drei Tagen in der Woche statt, Krankenhäuser oder kleine medizinische Posten können nicht weiter ausgerüstet und betrieben werden, da es an Geld fehlt. Die Idee des Projekts ist, über die soziale Infrastruktur sozialen Frieden herzustellen, da diese Angebote sowohl von Binnenvertriebenen als syrischen Geflüchteten und gastgebenden Gemeinden genutzt werden. Darüber lässt sich der Zusammenhalt stärken.

Außerdem verteilen wir – in Einklang mit dem humanitären Hilfsplan –  gemeinsam mit REACH Hilfspakete für Flüchtlinge aus Mossul. Das sind Grundnahrungsmittel, die eine sechsköpfige Familie einen Monat lang versorgen sowie Küchenutensilien und Schlafutensilien.

Was ist der besondere Reiz an Ihrem Job?

Ich finde es toll, dass ich im direkten Kontakt mit den Mitarbeitern und Begünstigten vor Ort stehe. Das gibt noch einmal einen ganz anderen Eindruck, auch von der Lage außerhalb der Medien und der Darstellung, die wir hier in Europa mitbekommen. Ich denke, dass das sehr wichtig ist, auch um den Gesamtkontext zu verstehen. Genau das macht meine Arbeit so besonders. Ich kann mir die Projekte direkt anschauen, sehe wo und wie die Hilfe ankommt. Durch Gespräche bekomme ich persönliche Eindrücke, auch über das Berufliche hinaus. Die Leute haben ein Interesse daran ihre Geschichte zu erzählen. Da lerne ich sehr viel.

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