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„Ich konnte nicht einmal meinen Namen schreiben“

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Tosmin Akter lebt seit September 2017 in den Flüchtlingscamps von Cox´s Bazar in Bangladesch. Die Anfangszeit im Camp war besondert schwer und durch viele Ängste geprägt. „Ich war absolut hoffnungslos, was unsere Zukunft betraf“, erzählt Tosmin. „Ich bin in Malaysia nie zur Schule gegangen und konnte nicht einmal meinen Namen schreiben.“ Das Lernzentrum unserer Partnerorganisation hat einiges in ihrem Leben verändert.

Genauer gesagt lebt sie im Block A von Camp 27 im Bezirk Teknaf, denn Straßennamen gibt es keine. Sie ist jetzt 15 und lebt zusammen mit ihrer zehnjährigen Schwester in einem der vielen aus Bambuslatten und Plastikplanen errichteten notdürftigen Zelte. Die Mutter starb, als sie 9 Jahre alt war, der Vater ging schon lange vorher nach Malaysia, um dort Geld zu verdienen. Neben der jüngeren hat Tosmin noch vier weitere Schwestern. Die sind aber schon verheiratet und leben mit ihren Ehemännern ebenfalls in den Camps.

„Ich war absolut hoffnungslos, was unsere Zukunft betraf“

Die Zeit nach ihrer Ankunft in Bangladesch war schwer. Ohne Eltern und allein mit ihrer kleinen Schwester fühlte sie sich schutzlos und unsicher. Sie hatte Angst, das Zelt zu verlassen und nachts auf die Toilette zu gehen. Zum Überleben bekommen die Schwestern eine Lebensmittelkarte und erhalten monatlich Lebensmittel, Flüssiggas zum Kochen und Toilettenartikel von den verschiedenen Hilfsorganisationen im Lager. „Ich war absolut hoffnungslos, was unsere Zukunft betraf“, erzählt Tosmin. „Ich bin in Malaysia nie zur Schule gegangen und konnte nicht einmal meinen Namen schreiben.“

Aufklärung über Kinderheirat, Kinderarbeit, Hygiene und Gesundheit

Als das Angebot kam, das Lernzentrum für Jugendliche von ASD zu besuchen, zögerte sie zunächst – zu groß waren die Angst und die Unsicherheit. Doch die Mitarbeiterinnen von ASD kamen wieder und überzeugten sie schließlich, an Kursen und Unterricht teilzunehmen. Bis März 2020 verbrachte sie sechs Tage pro Woche jeweils vier Stunden im Zentrum für Jugendliche. Jetzt kann sie Namen und Adressen schreiben, das Alphabet und Zahlen lesen, einfache Rechenaufgaben lösen und sogar reimen und zeichnen. Außerdem wurde sie von ASD zu Themen wie Kinderheirat, Kinderarbeit, Hygiene und Ge-sundheit aufgeklärt. Das alles hat eine positive Veränderung in ihrem Leben bewirkt, das junge Mädchen ist sichtbar stolz auf ihr Können. „Ich möchte nicht heiraten, bevor ich 18 bin“, sagt sie selbstbewusst, „ich kenne die schädlichen Auswirkungen“. Tosmin liebt auch die Freizeitaktivitäten, an denen sie bei ASD teilnehmen kann, wie etwa Carrom spielen, puzzlen oder Geschichten erzählen mit anderen Mädchen. Im Camp 27 ist es das einzige Angebot für Mädchen ihres Alters.

Hoffen auf das Ende der Corona-Pandemie

Wie alle Jugendlichen im Projekt hofft auch Tosmin, dass die Pandemie bald vorbei ist. Denn seit März musste die Aktivitäten wegen COVID-19 eingestellt werden. Seit Monaten bleibt sie den ganzen Tag zu Hause, um sich nicht anzustecken, hält die soziale Distanzierung aufrecht. Zu gerne möchte sie wieder mit anderen Mädchen tratschen, doch das ist derzeit noch nicht möglich. „Es ist eintönig zuhause, wir haben keine Unterhaltungsmöglichkeiten“. Die Hausbesuche von ASD Mitarbeiterinnen sind zurzeit das Highlight im Alltag des Mädchens. Sie hofft, bald die Ausbildung zur Schneiderin zu beginnen, für die sie noch im März ausgewählt wurde. Sie ist sehr ehrgeizig, was die Ausbildung betrifft. „Wenn ich eine Nähmaschine bekäme, könnte ich zuhause etwas Geld verdienen.“

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