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Schnelle Hilfe durch Nothilfe-Fonds

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Bei Naturkatastrophen und anderen Krisen will die Diakonie Katastrophenhilfe Notleidenden so schnell wie möglich Hilfe leisten. Damit das gelingt, unterhält das Hilfswerk in Ländern und Regionen mit besonders hohem Katastrophenrisiko sogenannte Nothilfe-Fonds. Zuletzt wurden darüber Hilfsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie umgesetzt, etwa in Indien, Guatemala, Kolumbien oder der DR Kongo.

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation unterstützen wir die indigene Bevölkerung in Kolumbien mit Nahrungsmitteln.

Daniela Simm ist Kontinentalverantwortliche für Lateinamerika und die Karibik der Diakonie Katastrophenhilfe. Neben einem eigenen Nothilfe-Fonds für das katastrophengeplagte Haiti verantwortet sie auch einen Fonds für Lateinamerika, über den bei Bedarf Nothilfe in Kolumbien, der Karibik oder den Andenländern geleistet wird. Im Interview berichtet sie über die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Fonds.

Frau Simm, was ist der Vorteil dieser Fonds?

Der große Vorteil ist, dass wir vor Ort schnell und unproblematisch Gelder für Nothilfe zur Verfügung stellen können. Wir müssen nicht erst, wie bei normalen Projekten, Inhalte zwischen mehreren Entscheidungsträgern abstimmen und unserem Vorstand zur Unterschrift vorlegen. Das kostet viel zu viel Zeit.

Wie funktioniert das genau? Können die Partner einfach auf das Geld zugreifen?

Die Gelder liegen auf Bankkonten unseres Projektbüros in Haiti und dem Regionalbüro für Lateinamerika in Bogotá. Im Katastrophenfall reichen unsere Partnerorganisationen Anträge für Kleinprojekte ein, die in der Regel fünf- bis zehntausend Euro umfassen. Für diese Mikroprojekte aus den Fonds haben wir vereinfachte Antragsformate. Unsere Partner sind zudem darauf geschult, so dass sie innerhalb einer halben Stunde einen Antrag stellen können. Bis zu einer Summe von 5.000 Euro werden die Mikroprojekte direkt von unseren Büroleitern bewilligt und dann zu unseren Partnern transferiert.

Wo hat sich der Nothilfe-Fonds für Lateinamerika besonders bewährt?

Ein gutes Beispiel war das Erdbeben in Ekuador im April 2016. Das Beben geschah in einer Nacht von Samstag auf Sonntag, also nicht während unserer üblichen Arbeitszeiten. Obwohl wir das Ausmaß der Schäden noch nicht kannten, wussten wir, dass wir dank des Fonds erste Hilfsanträge von Partnern sofort bewilligen können. Insgesamt haben wir damals mit vier Mikroprojekten aus dem Fonds erste Nothilfe geleistet, das war unsere Anschubfinanzierung. Später konnten wir dann größere Hilfsprojekte anschließen, weil wir neben Spenden auch noch Geld vom Auswärtigen Amt bekamen. Aber das weiß man ja im Moment der Katastrophe nicht. Mit dem Fonds können wir reagieren, wenn auch zunächst in kleinem Umfang.

Wie hilft der Nothilfe-Fonds aktuell in der Corona-Pandemie?

In Guatemala haben wir Frauengruppen und regionale Multiplikatoren mit Hygiene-Paketen versorgt, die Schutzkleidung und Desinfektionsmittel beinhalten. Diese kommen etwa in kleinen Gesundheitsposten in abgelegenen Gebieten zum Einsatz. Auch wurden Radio-Spots in indigenen Sprachen produziert, die über die Gefahren des Virus und Hygienemaßnahmen aufklären. Damit haben wir mehr als 100.000 Menschen erreicht. Für dieses Kleinprojekt haben wir 10.000 Euro aus dem Fonds genommen.

In Kolumbien haben wir ebenfalls indigene Gruppen unterstützt, aber auch notleidende Flüchtlinge aus Venezuela, denn die sind durch die Ausgangsbeschränkungen und die Schließung sozialer Einrichtungen im Zuge der Pandemie besonders in Not geraten. In der Region Meta haben wir deshalb 100 Flüchtlingsfamilien geholfen mit Nahrungsmittel-Paketen für ihre Kinder geholfen.

Kann ein Nothilfe-Fonds für jede Art der Hilfe eingesetzt werden?

Um Mittel aus den Fonds zu beantragen, müssen die Kleinprojekte bestimmte Kriterien erfüllen. Für den Lateinamerika-Fonds hieß dies bisher, dass nur reine Nothilfe geleistet werden kann. Im Fall der Corona-Pandemie geht es aber vielerorts um Präventionsmaßnahmen, damit sich das Virus gar nicht erst ausbreitet. Wir haben deshalb den Kriterienkatalog des Fonds angepasst, damit auch Prävention geleistet werden kann. Eine Krise wie die Corona-Pandemie gab es ja noch nie, sodass wir da unsere Instrumente entsprechend anpassen müssen.

Woher kommen die Mittel? Wird der Fonds durch die Corona-Pandemie dieses Jahr schneller ausgeschöpft sein?

Die Fonds finanzieren wir aus freien Spenden. Viele kleinere Katastrophen, besonders in Lateinamerika, gelangen hier ja gar nicht in die Medien. Deshalb ist es gut, dass wir auch zweckungebundene Spenden bekommen und mit diesen beispielsweise die Fonds speisen können. Ich denke schon, dass der Fonds dieses Jahr eher aufgebraucht sein wird. Denn durch die Corona-Pandemie bleiben ja die Natur- und Krisenereignisse nicht aus, so dass der Bedarf insgesamt steigt.

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