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Interview: „Es gibt viele fake news“

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Am 15. Mai hat die WHO einen erneuten Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo bestätigt. Seitdem wurden mehr als 900 Verdachtsfälle und über 200 Tote gezählt. Die Diakonie Katastrophenhilfe wird in den Provinzen Nord Kivu und Süd Kivu mit zwei Partnerorganisationen einen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung leisten, Kontrollstationen einrichten sowie psychosoziale Hilfe leisten.

 

Wir sprachen mit Josué Ibulungu, Leiter des Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe in Goma, Nord Kivu.

Josue Ibulungu, Leiter des Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe in Goma, Nord Kivu.

Herr Ibulungu, Sie sind in Goma. Wie ist die Lage in Bezug auf Ebola?
Die Lage im Osten der DR Kongo ist dramatisch. Es ist ein ernstes Problem, vor allem in der Provinz Ituri, wo bisher mehr als 95 Prozent der Fälle sind. Es gibt Befürchtungen, dass sich die Situation auf andere Provinzen und sogar auf andere Länder ausweiten könnte. So ist es bereits in den Provinzen Nord Kivu und Süd Kivu. In Goma gibt es bislang einen bestätigten Fall und vier Verdachtsfälle. Die Menschen hier haben Angst, denn sie wissen, dass es gegen die Krankheit keinen Impfstoff gibt und keine Behandlung. Und angesichts der Zahl der Todesopfer herrschen auch in anderen Provinzen Ängste. Die Ausgangssperre ist durch diesen Umstand gerechtfertigt.

Was tut die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner?
Das Wichtigste ist zunächst, die eigenen Mitarbeiter zu schützen, dafür haben wir entsprechende Maßnahmen ergriffen. Und das Zweite, was wir jetzt tun, ist uns an der Sensibilisierung der Bevölkerung zu beteiligen. Diese besteht aus Aufklärung, Risikokommunikation und der Einbindung der Gemeinden. Es gibt Gemeinden, bei denen die Botschaft zwar angekommen ist, die aber bis heute nicht davon überzeugt sind, dass es sich tatsächlich um Ebola handelt. Manche glauben, es sei eine andere Krankheit, vielleicht eine Verschwörung, und dass man den Menschen Angst einjagen will. Es gibt viele fake news, Desinformationskampagnen und falsch verbreitete Informationen in den sozialen Netzwerken, die dazu geführt haben, dass die Menschen ein feindseliges Verhalten an den Tag legen. Es gibt Menschen, die die Schutzmaßnahmen nicht einhalten wollen, die Krankenhäuser angreifen, um ihre toten Angehörigen zu holen. Sie sagen, sie müssten sie selbst begraben, denn es sei ja kein Ebola. Und so wurde ein Krankenhaus einfach so niedergebrannt. Dann gibt es Menschen, die aus der Quarantäne geflohen sind. All das macht die Situation kompliziert. Deshalb ist die Sensibilisierung so wichtig – um sicherzustellen, dass die Menschen verstehen, mitarbeiten und sich an der Bekämpfung von Ebola beteiligen. Wir werden in Kürze auch mit Infektionskontrollen und -prävention beginnen. Dazu gehören Schutzmaßnahmen wie Wasserstellen zum Händewaschen, Seife und Desinfektionsmittel für die Gemeinden, aber auch für medizinisches Personal. Leider gibt es bereits medizinisches Personal, das infiziert ist. Ein Arzt ist an Ebola gestorben. Man muss das Personal wirklich schützen und die Schutzmaßnahmen entsprechend kommunizieren. Unser drittes Maßnahmenpaket ist die psychosoziale Hilfe.

Worin besteht die psychosoziale Unterstützung?
Es geht darum, auf die Angst einzugehen. Die Menschen, die Angst vor dem Tod haben, die als Kontaktpersonen registriert sind und die mit einer erkrankten Person in Kontakt standen, sowie deren Familien, kommen in Quarantäne und stehen unter großem Stress. Sie haben Angst zu erkranken und zu sterben. Sie benötigen psychologische Betreuung, damit sie wissen, dass es sich um eine normale Krankheit handelt. Auch wenn es keine Heilung gibt, besteht bei einer frühzeitigen positiven Diagnose die Möglichkeit, mit symptomatischen Behandlungen versorgt zu werden und zu überleben. Wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird, kann man die Patienten überwachen und das Schlimmste verhindern.

Was sind die Bedürfnisse unserer Partner? Was brauchen sie, um Ebola zu bekämpfen und die Lage zu verbessern?
Die Anzahl der Bevölkerung, die unsere Partner erreichen können, hängt natürlich von unseren Mitteln ab. Wir haben auch Partner, die die medizinische Versorgung von Menschen übernehmen könnten, doch dafür reichen unsere Gelder nicht aus, wir können keine entsprechende Ausstattung bereitstellen.

Und wir hier in Deutschland – was können die Menschen hier tun?
Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten. Zunächst einmal geht es um Aufklärung, damit die Menschen die Krankheit und ihre Schwere verstehen. Und natürlich brauchen wir Spenden. Es ist auch wichtig zu wissen, dass es hier in der DR Kongo keine Krankenversicherung gibt – angesichts einer solchen Epidemie bemühen sich die WHO und Nichtregierungsorganisationen, kostenlose Behandlungen anzubieten. Die Menschen hier haben kein Geld für Behandlungen und selbst die Ebola-Patienten und Menschen in Quarantäne haben nicht genügend zu essen. In den Krankenhäusern gibt es nichts zu essen, das müssen Familienangehörige bringen. Wie soll so die Ansteckungskette unterbrochen werden? Wir bräuchten mehr Mittel, um zumindest die Ernährung für Erkrankte und Kontaktpersonen zu gewährleisten. Dies betrifft vor allem alleinerziehende Väter und Mütter, die ihre Familien sonst mit ihrem täglichen Einkommen unter-
stützen. Wenn eine Frau oder ein Mann in Isolation nicht mehr arbeiten kann, ist die ganze Familie lahmgelegt. Sie denken „ich muss für meine Familie sorgen, aber jetzt sitze ich hier fest“.  Es gibt Fälle, in denen Menschen aus der Quarantäne geflohen sind. Sie dauert 21 Tage, eine lange Zeit.

Interview: Birgit Kroll

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