Die Region Mandera im Norden Kenias gehört zu den trockensten Gebieten Ostafrikas. Seit Herbst 2025 herrscht in der Region anhaltende Dürre: Ausbleibende Niederschläge lassen Viehherden verenden und führen zu Nahrungsmittelengpässen und Hunger. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Rural Agency for Community Development and Assistance (RACIDA) unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe in der Region notleidende Vertriebene und Gastgemeinden Bargeldtransfers und Lebensmittelgutscheinen und bildet psychosoziale Ersthelfer aus. Wir sprachen mit Mohamed Dakane von RACIDA, der als Beauftragter für Lebensgrundlagen die Projektaktivitäten vor Ort begleitet.
Herr Dakane, was sind Ihre konkreten Aufgaben als Beauftragte*r für Lebensgrundlagen?
Ich leite alle Aktivitäten im Bereich Lebensgrundlagen und achte darauf, dass sie mit den jeweiligen Projektzielen übereinstimmen. Dazu gehören beispielsweise Bedarfsanalysen, die die Bedarfe und Prioritäten der Gemeinden erfassen, oder die Prüfung von Listen von Begünstigten, um Transparenz, Inklusion und Fairness zu gewährleisten. Außerdem bin ich in den Gemeinden unterwegs und binde Interessensgruppen durch Sensibilisierungs- und Informationsveranstaltungen in die Arbeit ein. Das ist wichtig, um Beteiligung und Eigenverantwortung in den Gemeinden zu stärken. Ich pflege enge Beziehungen zu lokalen Behörden, Akteuren des Privatsektors und Gemeindevorstehern, um unsere Maßnahmen effektiv zu koordinieren. Zudem verfolge ich die Projektfortschritte durch Monitoring und führe Evaluierungen durch, um Herausforderungen und Erkenntnisse zu dokumentieren und Fortschritte zu messen.
Was erleben Sie, wenn Sie die Gemeinden in den Projektgebieten besuchen?
Viele Gemeinden sind entwicklungsorientiert und wollen ihre Lebensgrundlagen zu verbessern. Sie stehen jedoch vor strukturellen Herausforderungen, die den Fortschritt bremsen. Vor allem die weit verbreitete Wasserknappheit beeinträchtigt das tägliche Leben und die Landwirtschaft. Der Wassermangel mindert die Einkünfte aus der Viehzucht und damit die Ernährungssicherheit. Viele Kinder unter fünf Jahren sind mangelernährt, und viele schwangere oder stillende Mütter sogar chronisch unterernährt.
Vor allem durch Dürre oder Konflikte vertriebene Menschen in der Region haben kaum Unterstützung. Der Zugang zu sauberem Wasser, Gesundheitsdiensten, Bildung und Märkten ist begrenzt. Hinzu kommen Umweltbelastungen, ausgetrocknete Quellen und totes Vieh durch fehlende Weideflächen. Auf der Suche nach Wasser müssen Frauen und Kinder oft weite Strecken zurücklegen. Trotz der Herausforderungen gibt es starke soziale Strukturen in den Gemeinschaften. In Notzeiten bitten die Familien Verwandte um Hilfe oder schicken einige Familienmitglieder eine Zeitlang zu ihnen.
Was sind die dringendsten Bedarfe der Menschen?
Die Menschen brauchen Nahrungsmittel – entweder durch CASH oder Lebensmittel, um die Ernährung zu verbessern und den Hunger zu lindern. Außerdem müssen dringend Brunnen und Wasserversorgungsysteme instandgesetzt werden, damit die Menschen auf sichere Wasserquellen zugreifen können. In Dürre-perioden wird zusätzliche Wasserversorgung durch Tanklastwagen benötigt, sowie Ersatzteile für die Reparatur der Brunnen. Die Lebensgrundlagen der Gemeinden müssen insgesamt gestärkt werden, damit sie widerstandsfähiger gegen künftige Krisen werden. Vor allem die Viehbestände müssen wieder aufgestockt werden. Ebenso sind berufliche Bildung und Kompetenzentwicklung sind sehr wichtig – denn die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen ist groß und die Verdienstmöglichkeiten rar.
RACIDA hat bereits zahlreiche Brunnen und Wasserspeicher saniert. Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen solchen Speicher/eine solche Wasserwanne) völlig leer und ausgetrocknet vorfinden?
Zunächst versuche ich die Ursache für das Austrocknen der Quelle zu ermitteln, sei es durch Dürre, geringe Zuflüsse, Verschlammung oder Lecks. Anschließend ziehe ich das lokale Wassernutzerkomitee und Gemeindemitglieder hinzu, um weitere Informationen über etwaige aktuelle Umweltänderungen zu sammeln, die zur Situation beigetragen haben könnten. Danach dokumentiere ich den Zustand durch eine ordnungsgemäße Berichterstattung, einschließlich Fotos, Feldbeobachtungen und Rückmeldungen aus der Gemeinde. Ich prüfe auch, ob sofortige Notfallmaßnahmen wie die Wasserversorgung per Tankwagen erforderlich sind, um den dringenden Bedarf Menschen und Vieh zu decken, vor allem während Dürreperioden. Schließlich stimme ich mich mit den RACIDA-Wasser-Ingenieuren von RACIDA und dem Landkreis ab, um den Zustand der Anlage zu beurteilen und sicherzustellen, dass rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um den Bedürfnissen der Gemeinde gerecht zu werden.
Was motiviert Sie bei Ihrer täglichen Arbeit?
Die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden und anderen Akteuren bei der Bewältigung gemeinschaftlicher Herausforderungen ist motivierend, vor allem wenn ich sehe, wie sich der Lebensstandard der Gemeinden durch unsere Arbeit verbessert und sie uns positives Feedback geben. Wir tragen etwas zum friedlichen Zusammenleben bei und die Gastfreundschaft in der Region ist groß. Außerdem herrscht ein toller Teamgeist und den Mitarbeitenden von RACIDA.
Was sind Ihre Hoffnungen für die Region und für die am Projekt beteiligten Menschen?
Ich hoffe auf friedliche, prosperierende und widerstandsfähige Gemeinschaften. Es gibt schon Fortschritte bei der Verbesserung ihrer Lebensgrundlagen, aber sie verfügen noch über weiteres Potenzial für Wachstum und Entwicklung. Außerdem hoffe ich auf eine noch stärkere und inklusivere Beteiligung aller Gemeindemitglieder, unabhängig von ihrem Status, insbesondere von Frauen, Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen.
Neben Ernährungssicherheit wünsche ich mir besonders den einen zuverlässigen Zugang zu sauberem Wasser für alle Familien, das stärkt auch die Gesundheit der Menschen. Und letztendlich hoffe ich, dass die Gemeinschaften widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Schocks wie Dürren und Überschwemmungen und bei Konflikten werden und sich in Zukunft positiv entwickeln.