Diakonie Katastrophenhilfe zum Weltflüchtlingstag

Sichere Rückkehr nach Syrien unmöglich

Die Diakonie Katastrophenhilfe warnt vor Diskussionen über eine Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien. „Allein 2017 wurden fast drei Millionen Menschen in Syrien durch die Gewalt neu vertrieben“, sagt Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni. „Noch immer verlassen täglich Tausende ihre Heimat und kein nationaler oder internationaler Kriegsakteur weiß, wie und wann dieser Krieg überhaupt beendet werden kann. Jetzt darüber zu diskutieren, ob Menschen freiwillig nach Syrien zurückkehren könnten, ist mehr als zynisch.“

Immer noch kämen Waffen ins Land, und das Blutvergießen gehe weiter. Das gelte ähnlich für Afghanistan, wo allein seit Jahresbeginn 120.000 Menschen wegen Kämpfen und Anschlägen ihre Heimat verlassen mussten. „Hier werden verfehlte oder fehlende sicherheitspolitische Konzepte der letzten Jahre und Jahrzehnte auf dem Rücken traumatisierter Menschen kompensiert, weil Wahlkampf ist. Das ist dramatisch.“ Sicherheit und würdevolle Lebensumstände seien Grundvoraussetzungen dafür, dass Flüchtlinge in ihre Heimatländer zurückkehren können. Beides sei weder in Syrien noch in Afghanistan gegeben, so Füllkrug-Weitzel.

Die Lebensumstände in Syrien sind nach wie vor katastrophal – nicht nur in den noch umkämpften Zonen, wohin kaum humanitäre Hilfe vordringen kann. Sieben von zehn Menschen im Land gelten als extrem arm. Krieg und - in seiner Folge - Inflation haben die Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung sowie die Bildungschancen im ganzen Land massiv eingeschränkt, die Wirtschaft liegt am Boden und Häuser sind vielerorts nur noch Ruinen. 5,3 Millionen Menschen leben in Zelten, anderen Notunterkünften oder auf sehr engem Raum bei Verwandten. „Der Blick muss auf die elendigen alltäglichen Lebensumstände und die Schutzlosigkeit der Menschen in Syrien gerichtet werden und nicht darauf, wer welche Zone besetzt oder ‚befreit‘“, so Füllkrug-Weitzel weiter.

„Einfache medizinische Behandlungen und Medikamente sind für viele Menschen inzwischen unerschwinglich. So wird jede Schwangerschaft und jede Blinddarmentzündung zum Risiko. Da ist es lächerlich, Sicherheit für Leib und Leben allein an offenen Kampfhandlungen und Terrorausübung zu bemessen.“ Laut Genfer Flüchtlingskonvention haben Flüchtlinge ein Recht auf Schutz und dürfen nicht in Länder zurück geschickt werden, in denen ihnen Gefahr für Leib und Leben droht. „Diesen verbrieften humanitären Schutz und damit unsere Grundwerte Humanität, Solidarität und Barmherzigkeit für ein Linsengericht im Wahlkampf zu verscherbeln, ist ein irreversibler Fehler und Rückschritt in den zivilisatorischen Errungenschaften, die den Blutströmen zweier Weltkriege folgten“, kritisiert Füllkrug-Weitzel.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat ihr Hilfsprogramm in Syrien in den vergangenen Monaten deutlich aufgestockt. „Große Sorge bereiten uns indes die etwa 2,3 Millionen Menschen in Gebieten, die gar nicht oder kaum zugänglich sind“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Das Dilemma, dort nicht helfen zu können, wo Menschen die Hilfe am meisten brauchen, erleben wir nicht nur in Syrien, sondern auch in vielen anderen Ländern der Welt, weil der humanitäre Schutzgedanke von aller Welt untergraben wird.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet derzeit in über 40 Ländern weltweit. In mehr als der Hälfte dieser Länder führt sie Hilfsprojekte für Flüchtlinge und Vertriebene durch.

Hinweise für Redaktionen:

Cornelia Füllkrug-Weitzel und Martin Keßler waren im März in Syrien und stehen für Interviews zur Verfügung. Anfragen richten Sie bitte an die Pressestelle. Persönliche Reiseeindrücke von Cornelia Füllkrug-Weitzel finden Sie hier:

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