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Bilanz zur Not- und Wiederaufbauhilfe

Neuanfang nach der Tragödie

Fünf Jahre nach dem Tsunami vom 26. Dezember 2004 hat sich nach Einschätzung des „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ die Situation der ärmsten Familien in den meisten betroffenen Gebieten nachhaltig verbessert. Die Qualität der Schulen, der Gesundheitseinrichtungen und der Wasserversorgung ist heute deutlich höher als vor der Katastrophe. Viele Menschen, die früher ausgegrenzt wurden, sind heute besser integriert. Auch beim Katastrophenschutz gibt es erhebliche Fortschritte - dies zeigte sich zum Beispiel nach dem schweren Erdbeben im Oktober 2009 in Indonesien.

Teilnehmer

Die Organisationen des Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hatten nach dem Tsunami insgesamt 330,8 Millionen Euro Spenden für die Not- und Wiederaufbauhilfe gesammelt. Heute ziehen der Deutsche Caritasverband, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland eine positive Bilanz der Hilfe:

· Nach der Katastrophe gelang es in kurzer Zeit, rund 2 Millionen Menschen mit sauberem Wasser, ausreichend Nahrung, medizinischer Hilfe und Notunterkünften zu versorgen. Kein Kind starb an Seuchen oder Unterernährung.
· Bereits ein halbes Jahr nach dem Tsunami gingen fast alle Kinder in provisorische Schulen. Seither wurden Hunderte Schulen und Gesundheitseinrichtungen gebaut und die Wasserversorgung verbessert. Zehntausende Fachkräfte wurden ausgebildet.
Tausende Privathäuser wurden gebaut und Hunderte neue Fischerboote bereitgestellt.
· Nach fünf Jahren ist jetzt der Wiederaufbau praktisch abgeschlossen. Die Projekte werden nach und nach in die volle Verantwortung der Regierungen, lokalen Behörden und Partner übergeben.

„Trotz enormer Probleme und Schwierigkeiten ist die Tsunami-Hilfe eine Erfolgsgeschichte. Sie hat sich für unzählige Kinder und ihre Familien als eine echte Chance für einen Neuanfang nach der Katastrophe erwiesen“, sagte Regine Stachelhaus, Geschäftsführerin von UNICEF Deutschland

Die Organisationen des „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ werten die Not- und Wiederaufbauhilfe nach dem Tsunami als unvergleichbares Beispiel weltweiter Solidarität. In keinem anderen Krisengebiet standen jemals in solchem Umfang Mittel für die Nothilfe und für den Wiederaufbau zur Verfügung. Gleichzeitig hat sich aber die Hoffnung auf mehr Unterstützung auch für andere Krisen nicht erfüllt.
„Nach dem Tsunami wurde sichtbar, welch enorme Hilfsbereitschaft weltweit mobilisiert werden kann. Doch das Leid in vielen anderen Krisenländern wird weiter zu oft übersehen. Neben Hunger und Armut haben wir eine neue Herausforderung: Der Klimawandel ist der Tsunami von Morgen. Wir würden uns wünschen, dass die Welt für diese Opfer die gleiche Welle der Solidarität zeigt, sagte Dr. Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

Wichtige Lehren aus der Tsunami-Hilfe

Der Tsunami vom 26.12.2004 stellte die Helfer vor enorme logistische und organisatorische Probleme. Noch nie vorher waren so viele Länder gleichzeitig und in einem solchen Ausmaß von einer Naturkatastrophe betroffen. Die Vielzahl der Helfer aus aller Welt erhöhte die Koordinationsprobleme noch. In Indonesien waren zum Beispiel zeitweise über 400 größere und kleinere Organisationen aktiv. Nur wenige davon verfügten über Erfahrungen und Partner im Land und nicht alle arbeiteten nach international anerkannten Standards.

„Die konkreten Herausforderungen, aber auch die Erwartungen an die Hilfsorganisationen waren riesig. Die Hilfe sollte ein „Marathon im Sprinttempo“ sein. Wir haben an der gebotenen Langsamkeit und Gründlichkeit festgehalten - um der Menschen und der Nachhaltigkeit willen“, sagte Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe.

Für den Erfolg des Wiederaufbaus erwies sich als entscheidend, dass die Organisationen des Aktionsbündnis Katastrophenhilfe darauf achteten, die einheimische Bevölkerung direkt in den Wiederaufbau mit einzubeziehen. „Besonders schnell und effektiv konnte helfen, wer bereits vor der Katastrophe vor Ort aktiv war und Partnerorganisationen hatte. Erst die einheimischen Not- und Wiederaufbauhelfer haben die internationale Unterstützung wirksam und nachhaltig gemacht“, sagte Dr. Oliver Müller, Leiter von Caritas international.

Hilfe zur Selbstorganisation der Betroffenen sehen die Organisationen letztlich als genauso wichtig an wie die Installation von High-Tech-Frühwarnsystemen. „Dies ist langfristig die wichtigste Form der Katastrophenvorsorge. Denn viele Katastrophen werden erst durch Armut besonders katastrophal“, so Dr. Oliver Müller.

Ein weiterer Faktor für den Erfolg professioneller Not- und Wiederaufbauhilfe ist die Gerechtigkeit. Dies bedeutete nach dem Tsunami, gezielt in schwer zugängliche Gebiete zu gehen und dort langfristig zu arbeiten. In der indonesischen Provinz Aceh wurde auch die Bevölkerung im Hinterland der Küste unterstützt. Dies trug dazu bei, Spannungen zu verringern und den jahrzehntelangen Bürgerkrieg in der Region zu befrieden.

Rückblick: Der Tsunami 2004

Am zweiten Weihnachtstag 2004 löste ein Erdbeben der Stärke 9,3 vor der indonesischen Halbinsel Sumatra riesige Flutwellen aus. Mit einer Geschwindigkeit von über 600 Stundenkilometer trafen sie auf Tausende unvorbereiteten Küstenorte rund um den indischen Ozean. Schätzungsweise 228.000 Menschen starben und mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Am stärksten betroffen waren die indonesischen Insel Sumatra, Sri Lanka und Südindien. Auch in Somalia, Malaysia und Myanmar forderte der Tsunami zahlreiche Opfer.

Für Rückfragen: Peter Liebe, 0714 -30 20 158 oder 0711-2159 186

Ihr Pressekontakt

Bild von Tommy Ramm

Tommy Ramm

Pressesprecher Diakonie Katastrophenhilfe

+49 30 65211 1225tommy.ramm@diakonie-katastrophenhilfe.de