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Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe fordern sofortigen Waffenstillstand

Krieg um Berg-Karabach droht zu eskalieren

Angesichts der militärischen Eskalation um das Gebiet Berg-Karabach sind die evangelischen Hilfswerke Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt zutiefst besorgt über die politische und humanitäre Lage in den betroffenen Regionen. „Die Verschärfung der Kämpfe verdeutlicht die Gefahr, die von diesem über drei Jahrzehnte schwelenden Konflikt für die gesamte Region ausgeht“, sagt die Präsidentin der beiden Hilfswerke, Cornelia Füllkrug-Weitzel. „Die Region braucht einen sofortigen Waffenstillstand und echte Friedensverhandlungen. Unsere Partner sind seit vielen Jahren in der zivilen Konfliktbearbeitung aktiv und müssen nun zum wiederholten Male erleben, wie der Krieg eskaliert.“

Das Risiko, dass der Konflikt sich ausweitet, wächst mit jedem Tag - insbesondere, wenn sich die Berichte bestätigen, dass Kämpfer aus anderen Kriegsregionen gezielt in den Kaukasus eingeschleust werden und die Gefechte weiter anheizen. „Die internationale Gemeinschaft hat es in den vergangenen 30 Jahren nicht geschafft, die Konfliktparteien dazu zu bringen, die Spannungen friedlich beizulegen. Im Gegenteil: Waffenlieferungen gehen trotz des OSZE-Aufrufs zu einem Embargo weiter und befeuern den Konflikt zusätzlich“, kritisiert Füllkrug-Weitzel. „Die gegenwärtige Schwäche des internationalen Systems der Konfliktprävention wird gerade erschreckend deutlich. Auf dem Rücken der Zivilbevölkerung tragen verschiedene Regional- und Großmächte ihren Kampf um geostrategische Interessen rücksichtslos aus“, sagt Füllkrug-Weitzel.

Die evangelischen Hilfswerke begrüßen erste Gespräche im Rahmen der Minsk-Gruppe der OSZE, die der Beginn einer friedlichen Lösung werden können. Diese Gespräche sollten mit allem diplomatischen Gewicht unterstützt werden. „Die Bundesregierung hatte 2016 im Rahmen ihres OSZE-Vorsitzes dem Konflikt um Berg-Karabach erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Hieran sollte sie nun anknüpfen und ihr politisches Gewicht ins Spiel bringen, um klar zu machen, dass angesichts des Krieges vor Europas Haustür endlich eine politische Lösung gefunden werden muss“, so Füllkrug-Weitzel.

Das drängendste Anliegen sei aber die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen, um nicht noch mehr Menschenleben zu gefährden. Die genaue Situation in der Region ist angesichts nur weniger unabhängiger Beobachter unklar. Christopher Selbach, Leiter des Regional-Referats bei Brot für die Welt, steht in ständigem Kontakt mit den lokalen Partnern. „Die Projektpartner haben große Angst. Sie schicken Bilder der Zerstörung von Privatwohnungen und Kultureinrichtungen, warnen aber auch vor Falschmeldungen rund um den Konflikt. Viele ihrer Freunde und Verwandten befinden sich direkt an der Frontlinie. Die Lage vor Ort ist sehr ernst“, so Selbach.

Brot für die Welt unterstützt seit vielen Jahren zivilgesellschaftliche und kirchliche Partnerorganisationen in Armenien und Aserbaidschan im Bereich der zivilen Konfliktbearbeitung und Konflikttransformation. Insbesondere junge Menschen lernen dabei, die über Jahrzehnte festgefahrenen Stereotype zu hinterfragen, gegnerische Positionen zu verstehen und konstruktiv mit Konflikten umzugehen. In einem von Brot für die Welt geförderten regionalen Netzwerk setzen 20 zivilgesellschaftliche Organisationen den Dialog auch über die Konfliktlinien hinweg fort. Dieser grenzübergreifende Austausch findet aufgrund der schwierigen politischen und gesellschaftlichen Lage vor allem über Internetforen, manchmal aber auch auf neutralem Boden außerhalb der Region statt. „Die Bundesregierung sollte versuchen, gerade solchen zivilgesellschaftlichen Bemühungen um Konflikttransformation, ohne die Frieden in Berg-Karabach auf Dauer gar nicht absehbar sind, in ihren diplomatischen Interventionen Sichtbarkeit und Unterstützung zu gewähren, um nachhaltig Frieden in der Region zu stiften“, sagt Füllkrug-Weitzel.

Auch die Diakonie Katastrophenhilfe war nach dem verheerenden Erdbeben 1988 viele Jahre in der Nothilfe und beim Wiederaufbau in Armenien aktiv. Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe sind Teil des europäischen Zusammenschlusses kirchlicher Organisationen für humanitäre Hilfe und Entwicklung ACT Alliance EU. Auch das Bündnis ruft in einem Statement  zu einer sofortigen Feuerpause und der schnellen Wiederaufnahme politischer Verhandlungen auf, um den Konflikt friedlich zu lösen.

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Thomas Beckmann

Pressesprecher Diakonie Katastrophenhilfe

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