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Gaza: Die vorhergesagte Hungersnot

Das von den Vereinten Nationen (UN) unterstützte Integrated Food Security Phase Classification System hat eine Hungersnot in und um Gaza-Stadt erklärt. Dazu erklärt Martin Keßler, Direktor der Diakonie Katastrophenhilfe:

 

„Die Zivilbevölkerung in Gaza durchlebt Unvorstellbares. Seit Monaten warnen Hilfsorganisationen aus Gaza eindringlich vor der Hungersituation der Menschen. Dass gestern trotzdem eine Hungersnot in und um Gaza-Stadt erstmals bestätigt wurde, verdeutlicht, wie wirkungslos die diplomatischen Bemühungen der vergangenen Monate waren. Sie macht zudem deutlich, wie fatal es ist, dass die israelische Regierung die prinzipientreue humanitäre Hilfe blockiert. Humanitäre Hilfsorganisationen wie unsere lokalen Partnerorganisationen stehen bereit und können helfen. Dafür braucht es einen dauerhaften Waffenstillstand und sichere, ungehinderte Zugänge für Hilfsorganisationen.“

Die angekündigte Ausweitung der israelischen militärischen Maßnahmen in Gaza-Stadt könne die Lage der Zivilbevölkerung weiter verschlimmern. Martin Keßler: „Es macht uns fassungslos. Wie sollen Menschen, die schon jetzt hungern, inmitten noch heftigerer Kämpfe versorgt und geschützt werden? Von einer Hungersnot geschwächte Menschen können unmöglich fliehen, es gibt zudem keinen sicheren Ort in Gaza. Die Gewalt muss enden, nicht eskalieren.“ 

Hintergrund: Die Hungersnot in Gaza wurde durch das internationale Famine Review Committee (FRC) des Integrated Food Security Phase Classification System (IPC) bestätigt. Dieser Schritt setzt die Erfüllung von mindestens zwei der folgenden drei Kriterien voraus: Mindestens 20 Prozent der Haushalte erleben einen extremen Mangel an Nahrungsmitteln, mindestens 30 Prozent der Kinder unter 5 Jahren sind akut unterernährt, und täglich sterben mindestens 2 von 10.000 Menschen an Hunger. Das FRC warnt, dass sich die Hungersnot in den kommenden Wochen in die Governate Deir al-Balah und Khan Yunis ausweiten kann und schätzt die Ernährungsunsicherheit in Nord Gaza als ähnlich gravierend wie in Gaza-Stadt ein, kann aufgrund unzureichender Datengrundlage für diese Gebiete allerdings keine festen Aussagen treffen. Rund 514.000 Menschen – etwa ein Viertel der palästinensischen Bevölkerung im Gazastreifen - sind von katastrophalem Hunger betroffen, und bis Ende September dürfte diese Zahl auf 641.000 ansteigen. Im Verlauf der IPC-Geschichte wurde eine Hungersnot bisher erst viermal bestätigt: in Somalia 2011, im Südsudan 2017 und 2020 sowie in der sudanesischen Darfur-Region 2024. 

Pressekontakt:
Thomas Beckmann
Tel.: 030 65211 1443 
thomas.beckmann@diakonie-katastrophenhilfe.de
 

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Tommy Ramm

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