Zu den Inhalten springen
Mit einem Maßband wird der Ernährungszustand von Kleinkindern gemessen. Gelb weißt auf Mangelernährung hin. Christoph Püschner
Hilfe gegen Hunger und Mangelernährung: Verteilung von Lebensmitteln an stillende Mütter und ihre Kinder. Foto: Anne Dreyer
Im Rahmen des Projekts der Diakonie Katastrophenhilfe werden Frauen und Kinder regelmäßig auf Unterernährung untersucht. Foto: Anne Dreyer
In der Haupstadt Niamey leben die Flüchtlingsfamilien in notdürftigen Behausungen. Foto: Anne Dreyer
Die 31-jährige Fati (links) wohnt mit ihrem Mann und sechs Kindern in der Zeltstadt Gamkallé in Niamey. Durch die Dürre verendete ihr Vieh und sie flohen vom Land in die Stadt. Foto: Anne Dreyer
Die ohnehin schwierige Ernährungslage trifft die Flüchtlingsfamilien besonders hart. Foto: Anne Dreyer
Mit den Lebensmittelverteilungen der Diakonie Katastrophenhilfe kann Fati ihren Kindern zweimal am Tag Maisbrei kochen. Foto: Anne Dreyer
Niger

Chronische Dürre schürt Hunger

Der Niger zählt seit Jahrzehnten zu den ärmsten Ländern der Welt. Immer wieder ist das an die Sahelzone grenzende Land von schweren Krisen betroffen. Chronische Dürren verursachen Mangelernährung, durch den fortschreitenden Klimawandel kommt es zu immer längeren Trockenzeiten und starken Überschwemmungen. Hinzu kommen Krieg und Gewalt im Nachbarland Mali – mit Auswirkungen auf den Niger.

Flucht zu den Ärmsten

2012 brach im Norden von Mali ein kriegerischer Konflikt aus, der mehr als 60.000 Menschen in den Niger fliehen ließ – zu den ohnehin Ärmsten der Welt. Obwohl im Juni 2015 ein Friedensabkommen zwischen der malischen Regierung und der von Touareg geführten Rebellenkoalition geschlossen wurde, fliehen weiterhin Menschen in den Niger. Durch Rivalitäten zwischen einzelnen Stämmen, mangelnde Autorität des Staates, Konflikte zwischen Hirten und Bauern sowie Erpressungen, ist die Bevölkerung weiterhin Gewalt und Unsicherheit ausgesetzt. Dadurch können die malischen Flüchtlinge nicht in ihre Heimat zurückkehren. Die meisten von ihnen leben unter schlechtesten Bedingungen in Gastgemeinden in der Region von Tillabery sowie in der nigrischen Hauptstadt Niamey. Sie haben während der Flucht ihren Besitz verloren und alle finanziellen Mittel aufgebraucht. Die ohnehin schwierige Ernährungslage im Niger trifft die Flüchtlingshaushalte besonders hart, so dass viele unter Mangelernährung leiden. Nach neuesten UN-Schätzungen sind im Niger insgesamt mehr als 2,3 Millionen Menschen 2018 auf Humanitäre Hilfe angewiesen, mehr als 380.000 Kinder leiden an Unterernährung.

Leben unter Plastikplanen

Genau hier setzt die Hilfe der Diakonie Katastrophenhilfe an: Sie konzentriert sich auf Frauen und Kinder, die von Hunger und Mangelernährung betroffen sind und in Flüchtlingsfamilien oder bei nigrischen Familien untergekommen sind. In der Landeshauptstadt Niamey leben die malischen Flüchtlingsfamilien in zeltähnlichen Behausungen, die sie notdürftig aus Zweigen, Ästen, Plastikplanen und Decken zusammengezimmert haben. Auch nigrische Familien leben hier – ehemalige Nomaden, die die Dürre in die Stadt getrieben hat. Die Siedlungen liegen verteilt in der Stadt. Hier gibt es keinen Strom, kein Wasser und keine sanitären Einrichtungen. Selbst während der Regenzeit können die Temperaturen auf über 40 Grad Celsius steigen, was das Leben unter Planen zusätzlich erschwert.

Hilfe gegen den Hunger

Dreiviertel der Haushalte werden von Frauen alleine geführt. Von der lokalen Partnerorganisation Kundji Fondo, die sich auf die Hilfe von mangelernährten Kindern spezialisiert hat, werden die Frauen und Kinder mit überlebenswichtigen Nahrungsmitteln wie Bohnen, Hirse, Pflanzenöl, Milch, Zucker und Salz versorgt. Besonders im Fokus stehen stillende Mütter: Sie erhalten zusätzliche Lebensmittelrationen, damit ihr erhöhter Bedarf gesichert ist. Mehr als 600 Kinder unter fünf Jahren können durch das Projekt vor dem Hunger bewahrt werden. „Vor allem bei Kindern unter zwei Jahren hat Mangelernährung schwere Folgen für die körperliche und geistige Entwicklung“, weiß Clémence Balladur, die die Hilfsprojekte der Diakonie Katastrophenhilfe im Niger betreut. „Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren Hunger leiden, sind später oft schlechter in der Schule, weil sie sich weniger gut konzentrieren können. So führt der Hunger nicht nur zu körperlichem Leid – er nimmt den Kindern die Chance auf eine gute Entwicklung, bevor ihr Leben überhaupt richtig angefangen hat“, so Balladur weiter.  

Im Rahmen des Projekts werden regelmäßig Frauen und Kinder auf Unterernährung untersucht. Hierfür hat der Partner Kundji Fondo Ernährungsberaterinnen eingestellt. Der Ernährungsstand der Kinder wird mit einem Bändchen am Oberarm gemessen: Grün bedeutet, dass die Kinder normal ernährt sind, Gelb heißt unterernährt und Rot akut unterernährt. Diese schweren Fälle werden direkt an ein Krankenhaus verwiesen.

Hilfe für die Kinderklinik in Kollo

Da sich die Ernährungslage im Niger zusehends verschlechtert, wird die Diakonie Katastrophenhilfe 2017 eine Klinik in Kollo, südöstlich von Niamey, unterstützen. „Es ist ein Teufelskreis“, sagt Dr. Sadou Moussa, der in der Klinik den Trakt für unterernährte Kinder leitet. „ Die Kinder werden schneller krank. Ihr Immunsystem ist durch die Unterernährung geschwächt. Durch Krankheiten wie Vireninfekte, Durchfall oder Malaria nehmen sie dann noch weiter ab“, so Moussa. Die Behandlung der Kinder auf der Station baut sowohl auf Medikamente als auch auf Ernährung auf, zum Beispiel mit Nährstoffen angereicherte Milch oder Erdnusspaste. Doch weder Medikamente noch Nahrungsmittel sind ausreichend vorhanden. Der kleine Amadou benötigt beides dringend. Er ist zwei Jahre alt, wiegt gerade einmal fünf Kilo und hat Malaria. Er ist zu schwach, um die Milch zu trinken, die ihm seine Großmutter versucht einzuflößen. Beim Besuch zwei Tage später hat er eine Nasensonde. Malariamittel hat der Arzt keins mehr. Acht Mahlzeiten benötigen die Kinder am Tag, um möglichst schnell an Gewicht zuzulegen. Der Arzt ist auf die Unterstützung von ehrenamtlichen Helferinnen angewiesen. Sie bereiten die Milch für die Mütter zu und zeigen ihnen, wie sie ihre Kinder am besten füttern können.

Zurzeit fehlt es der Klinik jedoch nicht nur an Geld für Medikamente und Spezialnahrung: Auch für regelmäßige Screenings, die in den Dörfern durchgeführt werden, um Mangelernährung aufzudecken, gibt es keine Mittel mehr. Und meist muss Moussa die Kinder bereits entlassen, wenn eine erste Besserung in Sicht ist. „Das ist dann oft zu früh, denn die Mütter können Zuhause nicht dafür sorgen, dass die Kinder weiter zunehmen. Der Bedarf hier in Kollo ist enorm“, sagt der Arzt. „Das größte Problem ist das schwache Gesundheitssystem. Die Behandlung für Kinder unter fünf Jahren ist zwar kostenlos, aber es gibt nicht ausreichend Medikamente, Spezialnahrung und Personal“, berichtet Moussa.

"Ein Bett für die Kinder - das wünsche ich mir"

Die 30-jährige Fatihama, genannt Fati, wohnt mit ihrer Familie in der Zeltstadt Gamkallé in Niamey. Früher lebten sie von Viehzucht in Téra, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Niamey. Doch die schwere Dürre von 2010 ließ ihr Vieh verenden und sie flohen wie viele andere nach Niamey. Wenn sie könnte, würde Fati in ihr Dorf zurückkehren. Aber ihr Mann hat in Niamey Arbeit als Wächter gefunden – zwischen 30 und 40 Euro im Monat verdient er.

Fatihama hat vier Kinder. Ihre Zwillinge Hawa und Adama sind zwei Jahre alt und unterernährt. Der kleine Abduleih ist erst zwei Monate alt. Mit den Lebensmittelverteilungen der Diakonie Katastrophenhilfe kann sie ihren Kindern zweimal am Tag einen Maisbrei kochen. In der Zeltstadt gibt es kein Wasser. Deshalb muss Fatihama viermal am Tag den Weg zur Straße laufen, um ihren Eimer mit Wasser zu füllen. 10 Francs (XOF) muss sie pro Eimer bezahlen. Auf die Frage, ob sie sich etwas wünscht für die Zukunft, überlegt sie lange: „Ein Bett und etwas zum Anziehen für die Kinder – das wünsche ich mir“, antwortet Fati. Auf dem einzigen Bett aus Brettern und Ästen schläft ihr Mann. Sie selbst schläft mit den Kindern auf einer Matte auf dem Boden.

So hilft Ihre Spende

  • Mit 60 Euro können 200 Kinder von einer Gesundheitsberaterin auf Mangelernährung untersucht und bei Bedarf an ein örtliches Krankenhaus überwiesen werden.
  • Mit 146 Euro können Sie jeweils ein Zusatzpaket Nahrung für vier stillende Mütter finanzieren. Es reicht für einen Monat und enthält 25 Kilo Hirse, 10 Kilo weiße Bohnen, 2 Päckchen Milchpulver, 2 Liter Erdnussöl, 1 Kilo Zucker, ½ Kilo Salz und 4 Stück Seife.
  • Zwei Versorgungspakete für eine 6-köpfige Flüchtlingsfamilie kosten 210 Euro. Damit können sich die Familien zwei Monate lang ernähren. Es enthält 50 Kilo Reis, 25 Kilo Hirse, 25 Kilo weiße Bohnen, 5 Päckchen Milchpulver, 5 Liter Erdnussöl, 4 Kilo Zucker und 1 Kilo Salz.
Niger
Online spenden
Dauerhaft helfenFördermitglied werden
So hilft Ihre Spende

Mit 60 Euro können 200 Kinder von einer Gesundheitsberaterin auf Mangelernährung untersucht und bei Bedarf an ein örtliches Krankenhaus überwiesen werden.

Mit 146 Euro können Sie jeweils ein Zusatzpaket Nahrung für vier stillende Mütter finanzieren. Es reicht für einen Monat.

Zwei Nahrungsmittelpakete für zwei 6-köpfige Flüchtlingsfamilie kosten 210 Euro. Damit können sich die Familien einen Monat lang ernähren.

Sie haben Fragen?

Elisabeth Grün hilft Ihnen gerne weiter:
Tel.: +49 (0)30 65211-4711
E-Mail: service@diakonie-katastrophenhilfe.de

Die Diakonie Katastrophenhilfe...

...leistet seit 60 Jahren weltweit dort Hilfe, wo die Not am größten ist. Sie unterstützt Menschen, die Opfer von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung geworden sind und diese Notlage nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Sie hilft unabhängig von Religion, Hautfarbe und Nationalität.

Ihre Spende kommt an!

Seit 1993 bescheinigt uns das DZI-Gütesiegel jedes Jahr erneut den verantwortungsvollen und satzungsgemäßen Umgang mit Spendengeldern und angemessene Verwaltungsausgaben.

  • © 2018 Diakonie Katastrophenhilfe.
  • Tel.: 030 65211-0.
  • Kontakt.
  • Anfahrt.
  • .
Ihre Spende an die Diakonie Katastrophenhilfe können Sie von der Steuer absetzen. Das Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. ist unter der Steuernummer 27/027/37515 als gemeinnützige Organisation anerkannt und von der Körperschaftssteuer befreit.