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Palästina: Spürbaren Folgen des Klimawandels muss mit Vorsorge und Anpassung begegnet werden

zurück Von Ahmad Safi

Obwohl Palästina im Vergleich zu anderen Ländern und Gebieten nur wenig Treibhausgase ausstößt, ist es von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Dagegen benötigen die Menschen vor Ort Unterstützung.

Blick über Gaza-Stadt.

Der Klimawandel ist zur Realität geworden und entwickelt sich schneller und heftiger als erwartet. Das zeigen uns die Ergebnisse der Klimaforschung. Die negativen Auswirkungen des Klimawandels haben Hunderte von Regierungen und Staatschefs dazu veranlasst, an der Klimakonferenz COP27 in Sharm el Sheikh teilzunehmen. Auf der jährlich stattfindenden Konferenz sollen internationale Vereinbarungen zum Klimawandel umgesetzt und weiterentwickelt werden. Dazu gehört die vor 30 Jahren verabschiedete UN-Klimarahmenkonvention, das Kyoto-Protokoll und das Pariser Klimaabkommen.

Palästinensische Gebiete: Temperaturanstieg von 3 – 4,5 °C bis 2050 erwartet

Vergleicht man Palästina mit Industrieländern wie den Vereinigten Staaten von Amerika, den europäischen Staaten, Japan oder den sehr schnell wachsenden Ländern wie China und Indien, dann stellt man fest: Palästina produziert nur minimal Treibhausgase. Dagegen leidet es jedoch unverhältnismäßig stark unter den Auswirkungen des Klimawandels: Bis 2050 wird für die palästinensischen Gebiete ein Temperaturanstieg von 3 – 4,5 °C erwartet.

Was bedeutet das? Extrem heiße Tage mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen werden vor allem im Sommer deutlich zunehmen. Hitzestress bei Kindern und älteren Menschen sind die Folge. Der zusätzliche Bedarf an Klimaanlagen wird den bereits kritischen Zustand der Stromversorgung weiter belasten und zusätzlich die Treibhausgasemissionen in einer so genannten negativen Rückkopplungsschleife erhöhen. Denn wo mehr Energie verbraucht wird, steigt zumeist der Ausstoß.  

Wasserknappheit im Gazastreifen verschärft sich

Auch die Niederschläge werden voraussichtlich erheblich zurückgehen, was die aktuelle Wasserknappheit insbesondere im Gazastreifen verschärfen wird. Hinzu kommt, dass sich die Grundwasserqualität aufgrund des zunehmenden Eindringens von Meerwasser stetig verschlechtert. Während es immer häufiger zu schwerwiegenden Dürrephasen kommt, wird sich die Wintersaison verkürzen und die Regenintensität nimmt zu. Das kann zu schwereren und häufigeren Sturzfluten führen. Andere Klimarisiken wie Stürme und Frost haben zusätzliche negative Auswirkungen auf den Agrarsektor und die Ernährungssicherheit in Palästina, insbesondere im Gazastreifen. Darüber hinaus wird erwartet, dass die Küstenerosion im Gazastreifen mit dem durch den Klimawandel verursachten Anstieg des Meeresspiegels erheblich zunehmen wird. Dadurch ist die bereits schwache Infrastruktur für Fischer oder die armen Nachbargemeinden in Al Shati und Dier el Balah Cams im Gazastreifen noch stärker gefährdet.  

Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel dringend notwendig

Um diesen einsetzenden Szenarien entgegenzuwirken und klimabedingte Schäden zu minimieren, benötigen die Palästinenser Unterstützung. Auf Stadt und Gemeindeebenen braucht es detaillierte Modellierungen, um eine Anpassung an den Klimawandel planen und umsetzen zu können. Der Agrarsektor muss durch die effiziente und gesteigerte Nutzung von Regenwasser widerstandsfähiger werden und etwa Pflanzensorten verwenden, die auch mit Salz im Boden und Wasser besser zurechtkommen. Die Aufbereitung von Abwasser wäre ebenfalls ein Beitrag zur nachhaltigeren Nutzung der knapper werdenden Wasserressourcen. Da der Gazastreifen zu einem der am dichtesten besiedelten Regionen der Welt gehört, muss das Gesundheitssystem auf langanhaltende Hitzeperioden vorbereitet werden, die Menschen und Infrastruktur zusetzen. Die Förderung erneuerbarer Energien spielt dabei eine wichtige Rolle, um den steigenden Energiebedarf decken zu können.

Viele Maßnahmen, die umsetzbar sind und umgesetzt werden müssen, wenn wir der jungen palästinensischen Generation nicht noch mehr Probleme aufbürden wollen. Der Klimawandel wurde durch mehr als 200 Jahre Treibhausgasemissionen verursacht, doch erst diese Generation leidet sichtbar unter den Auswirkungen. Wir können nicht von ihr erwarten, dass sie die Kosten für Schäden trägt, deren Ursachen vor zwei Jahrhunderten anderswo ihren Anfang nahmen. Deshalb ist dringendes Handeln notwendig und die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C im Vergleich zu den vorindustriellen Werten ein Ziel, von dem wir nicht abweichen dürfen.

Katastrophenvorsorge
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