K-DEU-2026-4018
Stärkung der Krisenresilienz in diakonischen Strukturen -DWW
Katastrophenvorsorge
Diakonisches Werk der Evangelischen Kirche in Württemberg e.V.
Europa
01.04.2026 – 31.03.2028
350.000,00 Euro
Hintergrund
Seit 2013 ist Deutschland mehrfach von schweren Krisen betroffen – darunter Flutkatastrophen, die COVID-19-Pandemie, Fluchtbewegungen im Zusammenhang mit dem Krieg in Syrien, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine sowie zunehmende hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe und Desinformation. Zusätzlich nehmen klimabedingte Risiken wie Starkregen, Hochwasser und Hitzewellen weiter zu. Diese Entwicklungen zeigen deutlich, dass bestehende Strukturen im Bevölkerungsschutz an ihre Grenzen stoßen und besser vernetzt sowie widerstandsfähiger werden müssen. Der Staat reagiert bereits mit neuen Sicherheits- und Infrastrukturprogrammen, die auch die Krisenresilienz stärken sollen.
Die Diakonie Deutschland spielt als großer Wohlfahrtsverband eine zentrale Rolle im Umgang mit Krisen. Sie unterstützt insbesondere ältere Menschen, Pflegebedürftige, Menschen mit Behinderungen sowie psychisch belastete Personen – also Gruppen, die in Krisensituationen besonders gefährdet sind. Gleichzeitig zeigen sich jedoch Lücken in der Zusammenarbeit zwischen Katastrophenschutz und Wohlfahrtspflege, etwa bei Vorsorge, Kommunikation und Einbindung in kommunale Notfallstrukturen. Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf in der Pflege und sozialen Betreuung, die durch demografischen Wandel und Fachkräftemangel stark belastet sind. Viele Einrichtungen sind bislang nur unzureichend in Katastrophenschutzkonzepte eingebunden, obwohl sie im Ernstfall eine zentrale Versorgungsrolle übernehmen. Zudem sind bestimmte Gruppen wie Frauen, Kinder und Menschen mit Behinderungen in Krisen besonders vulnerabel. Häufig fehlen barrierefreie Warnsysteme, geeignete Evakuierungsstrukturen sowie ausreichende psychosoziale Unterstützung.
Hilfsmaßnahmen
Das Projekt stärkt die Krisen- und Katastrophenresilienz der Zivilgesellschaft in Württemberg durch die bessere Einbindung kirchlicher und diakonischer Akteure in den zivilgesellschaftlichen Bevölkerungsschutz. Ziel ist es, dass diakonische und kirchliche Organisationen ihre Arbeit auch in Krisen- und Katastrophensituationen koordiniert, schnell und strukturiert fortsetzen können, um vulnerable Gruppen weiterhin zu schützen und zu unterstützen.
Dafür werden Notfall- und Krisenpläne entwickelt, innerhalb der Organisationen verankert und ihre Umsetzung durch Monitoring und begleitende Evaluierungen überprüft. Auf Ebene des Landesverbands wird das bestehende Krisenteam weiter gestärkt, landesweite Notfallstrukturen aufgebaut und regelmäßige Strukturtreffen etabliert, um die Handlungsfähigkeit langfristig sicherzustellen. Gleichzeitig werden Geschäftsführende, Leitungskräfte und Mitarbeitende durch Schulungen, Trainings und praktische Übungen auf Krisensituationen vorbereitet und ihre Handlungssicherheit gestärkt.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau regionaler Resilienz-Netzwerke zwischen Kirchenbezirken, Kommunen und Katastrophenschutzstellen. Dadurch sollen Austausch, Wissenstransfer und gemeinsame Krisenstrategien nachhaltig verbessert werden. Ergänzend wird ein systematisches Betriebskontinuitätsmanagement eingeführt, damit zentrale Prozesse auch im Krisenfall aufrechterhalten werden können.
In einer ersten Projektphase werden Risiken, Gefährdungen, bestehende Ressourcen und Strukturen analysiert sowie Best-Practice-Beispiele ausgewertet. Die zweite Phase konzentriert sich auf Kompetenzaufbau und Resilienzstärkung durch Schulungen, digitale Lösungen, Materialien und praktische Übungen. Fachveranstaltungen, Publikationen und Checklisten sichern den Wissenstransfer und machen die entwickelten Ansätze langfristig nutzbar. Die Projektaktivitäten leisten damit einen Beitrag zur Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz gegenüber zukünftigen Krisen und Katastrophen.
Das Projekt ergänzt die bisherigen Phasen des Hochwasserhilfeprogramms, indem es den Fokus auf Prävention, Vorbereitung und kontinuierliche Verbesserung der Katastrophenvorsorge legt und perspektivisch eine Skalierung auf weitere Regionen ermöglicht. Es erreicht 594 Personen, darunter Leitungskräfte und Mitarbeitende der Diakonie Württemberg sowie Leitungskräfte und Mitarbeitende der Kirche und Katastrophenhilfe-Beauftragte. Indirekt profitieren 650 Personen von den Aktivitäten, darunter Senior*innen, Kinder, Menschen mit Behinderungen sowie isoliert lebende oder vorerkrankte Menschen.