Mihigo Jean klärt die Menschen in Nord-Kivu auf, Ebola zu erkennen, Behandlungen anzunehmen und einander zu unterstützen. Sein Werkzeug: Ein Megafon.
Gesundheitsbehörden und Helfer informieren die Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo regelmäßig und umfassend zur Eindämmung von Ebola. Die medizinischen Maßnahmen können aber nur wirken, wenn die Menschen den Gesundheitshelfenden vertrauen und mit ihnen zusammenarbeiten. Denn Misstrauen und Gerüchte sind in der Region verbreitet. Deshalb gehen Teams unserer Partneroganisation „Netzwerk der kongolesischen Jugendverbände in Nord-Kivu“ (Réseau des Associations Congolaises des Jeunes Nord-Kivu, RACOJ) in die Gemeinden und sprechen offen über die Krankheit, beantworten Fragen und widerlegen Falschinformationen. Ziel ist, dass sich Kranke nicht verstecken oder isolieren, sondern sich behandeln lassen.
Jeden Morgen verlässt Mihigo Jean sein Zuhause mit einem Megafon über der Schulter. An Straßenkreuzungen, vor Geschäften, in der Nähe von Motorradhaltestellen versammeln sich Menschen, sobald er auftaucht. Meistens dauert es nur wenige Minuten, bis aus einer einfachen Menschenansammlung eine Aufklärungsveranstaltung wird.
„Es gab eine Zeit, in der ich fast nichts über die Ebola-Viruserkrankung wusste“, erzählt Mihigo Jean lächelnd. Durch die Mitarbeit bei RACOJ und durch Schulungen kann er inzwischen auf eine Weise über Übertragungswege, Warnzeichen und Schutz vor der Krankheit erzählen, die jede und jeder versteht. „Ich bin nur eine einzelne Person“, sagt er. „Dennoch kann ich an einem Tag bis zu tausend Menschen sensibilisieren. Und selbst wenn ich nur fünfhundert treffe, werden diese fünfhundert ihrerseits zu Botschaftern. Sie kehren nach Hause zurück, sprechen mit ihren Familien und Nachbarn. Die Botschaft verbreitet sich weiter.“
Denn Wissen ist wichtig, damit sich die Krankheit nicht weiter ausbreitet. Wenn Menschen sterben und bestattet werden, kooperieren Mitarbeitende der Gesundheitsdienste mit lokalen Führungspersonen zusammen. Sie zeigen sichere Bestattungsrituale, die lokale Gebräuche so respektieren, dass niemand durch den Kontakt mit Verstorbenen infiziert wird. Wenn Menschen die Symptome einer Ebola-Infektion kennen, melden sich Betroffene früher in Behandlungszentren und Ärzt*innen und Pflegepersonal können frühzeitig behandeln und verhindern dadurch, dass sich das Virus in Familien und Dörfern weiterverbreitet. Helfende sprechen bei ihrer Aufklärungsarbeit Ängste rund um Impfungen und Therapien offen an, erläutern Wirkungen und Risiken verständlich und erreichen so höhere Impfquoten. Indem Gemeinden besser informiert werden, hören sie auf, Überlebende auszugrenzen, und unterstützen sie aktiv bei der Rückkehr ins soziale Leben.