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Interview: Ebola-Ausbruch in der DR Kongo-„Die materielle Ausstattung von Gesundheitseinrichtungen wurde verbessert, dennoch bestehen weiterhin große Herausforderungen“

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In der DR Kongo grassiert der bislang größte Ausbrauch des Ebolavirus in der Geschichte des Landes. Die Zahl der Infizierten und die Todesfälle steigen weiter. Nach einem ersten Hilfsprojekt hat die Dia-konie Katastrophenhilfe Präventionsmaßnahmen in alle laufenden Projekte vor Ort integriert und be-reitet weitere Hilfe vor. Wir sprachen mit Dr. Josué Ibulungu, dem Leiter des Projektbüros der Diakonie Katastrophenhilfe in Goma, über die aktuelle Lage.

 

Dr. Josue Ibulungu, Landesbüroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe

Hat sich das Bewusstsein der Menschen und Gemeinschaften in Bezug auf Ebola und entsprechende Schutzmaßnahmen in den letzten Monaten verändert?
Das öffentliche Bewusstsein und die Akzeptanz von Schutzmaßnahmen vor Ebola haben sich dank der Maßnahmen von Nichtregierungsorganisationen wie der Diakonie Katastrophenhilfe verbessert. In bestimmten Gebieten besteht jedoch weiterhin Widerstand. Menschen weigern sich, Proben von Verdachts- oder Kontaktfällen zur Verfügung zu stellen oder Abstriche an Toten vornehmen zu lassen. Oder sie widersetzen sich gegen die Dekontamination von Häusern, in denen infizierte Menschen gelebt haben. Ebenso wird vielfach die Teilnahme an der Kontaktnachverfolgung verwehrt und es wurden Entwendungen von Leichnamen dokumentiert, um diese selbst zu bestatten, anstatt sicherere Bestattungsmethoden zu akzeptieren. Die Zahl der Todesfälle in den Gemeinden ist folglich nach wie vor hoch.


In Gebieten mit geringen Fallzahlen betrachten Menschen das Ebolavirus nicht als Bedrohung. 
Können Sie das nachvollziehen?
Ja das stimmt – die Menschen betrachten das Ebola-Risiko nicht als Priorität, da andere dringende humanitäre Bedarfe und Sicherheitsprobleme für sie im Vordergrund stehen. Angesichts der Schwere der Viruserkrankung sowie der anhaltenden Ausbreitung ist dies jedoch ein Fehler. Daher sollten die Sensibilisierung und die Einhaltung von Präventions- und Schutzmaßnahmen gegen Ebola Priorität haben.

 

Welche Ressourcen stehen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung und wie sieht der Schutz des Personals in den am stärksten betroffenen Gebieten aus? Hat sich die Arbeitssituation für das Gesundheitspersonal in den letzten Monaten verbessert?         
Die materielle Ausstattung der Gesundheitseinrichtungen wurde verbessert, dennoch bestehen weiterhin große Herausforderungen. In der Provinz Ituri sind einige Ebola-Behandlungszentren voll ausgelastet, in einigen Gebieten gibt es jedoch gar keine Behandlungsmöglichkeiten. In Nord Kivu gibt es teilweise mehr Verdachtsfälle als Betten und die Infektionskontrollen werden nur mangelhaft umgesetzt. Das heißt, dass beispielsweise Verdachtsfälle nicht wie vorgeschrieben sofort isoliert werden oder persönliche Schutzausrüstung nicht strikt verwendet wird. Die Kontaktverfolgung bei bestätigten Fällen ist unzureichend, auch weil es dafür keine Ausstattung gibt. Hinzu kommt, dass nur rund jeder zehnte installierte Kontrollpunkt in Ituri ununterbrochen und verlässlich in Betrieb ist. Reisende sollen dort ihre Hände waschen und sich die Temperatur messen lassen. Auf diese Weise können Fälle identifiziert und das Virus eingedämmt werden. Wenn aber diese Kontrollpunkte nicht durchgängig arbeiten, entstehen Lücken. 

 

Welche Rolle spielt der bewaffnete Konflikt bei der Eindämmung von Ebola? 

Der anhaltende bewaffnete Konflikt wirkt sich weiterhin negativ auf die Kontaktverfolgung bei Ebola aus und führt zu Einschränkungen beim Zugang zur medizinischen Versorgung, die nur in gesicherten Zentren gewährleistet werden kann. Es gibt Berichte über mutmaßliche Ebola-Todesfälle, bei denen aufgrund der unsicheren Lage keine Probenentnahme möglich war und keine sicheren Bestattungen unter Einhaltung der Standards zur Ebola-Prävention und -Bekämpfung durchgeführt wurden. Die Kämpfe dauern trotz der Ausbreitung von Ebola an.

Ein weiteres Problem, das kaum Beachtung findet, sind verendete Tiere. Es gibt kaum Laborkapazitäten, um Erkrankungen oder den Tod von Tieren zu untersuchen, obwohl bekannt ist, dass sich das Virus durch Tiere auf Menschen überträgt. Dadurch kann ein tödlicher Kreislauf entstehen und neue Varianten können auftreten. Der Blick darf sich nicht nur auf die Menschen verengen, sondern der sogenannte Eine-Gesundheit-Ansatz muss gestärkt werden, um auch die Rolle von Tieren und Umwelteinflüsse bei dieser Ebola-Epidemie in Betracht zu ziehen. 

 

Was wären die wichtigsten Schritte, die die Diakonie Katastrophenhilfe und ihre Partner in den am stärksten von Ebola betroffenen Regionen derzeit unternehmen müsste? 
Die ersten und wichtigsten Maßnahmen, die bereits ergriffen wurden und die wir verstärken müssen, bestehen darin, unsere Mitarbeitenden und die unserer Partner zu schützen, während wir gleichzeitig gesunde Menschen bei der Prävention von Erkrankungen unterstützen. Unser erstes Projekt hat bereits dazu beigetragen. In den Provinzen Ituri und Nord Kivu weiten wir diese Maßnahmen in den kommenden Wochen aus und bieten Betroffenen psychosoziale Unterstützung an. Viele Menschen drohen, an den gleichzeitigen Herausforderungen aus Gewalt, Flucht, Krankheit und Verlust zu zerbrechen. Auch sexualisierte Gewalt spielt eine Rolle, von der vor allem Frauen und Mädchen betroffenen sind und geschützt werden müssen. So können wir zur Eindämmung der Epidemie beitragen und erkrankten Menschen sowie ihren Familien helfen, aus dieser äußerst schwierigen Situation herauszukommen.

 

 

 


Text: Kroll/Ramm, 7.09.2026

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