Naika floh aus einem von Banden beherrschten Viertel in Port‑au‑Prince, nachdem ihre Eltern getötet und sie misshandelt wurden. Helferinnen der Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe OFAVA nahmen sie im Frauenhaus auf.
Naika lebte mit ihrem Vater und ihrer Mutter in einem Stadtteil der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince, der heute vollständig von bewaffneten Banden kontrolliert wird. Diese brachten zuerst Naikas Eltern um und vergewaltigten sie anschließend. „Ich habe an jenem Abend die Menschen verloren, die mir am meisten am Herzen lagen. Ich war ganz allein und wusste nicht, was ich tun, wen ich anrufen oder wohin ich gehen sollte. Ich hatte Angst, ich war völlig verloren“, erzählt die junge Frau.
Naika floh anschließend aus ihrem Zuhause und fand zunächst Zuflucht in einer informellen Siedlung. Die Menschen dort wohnten verarmt und unter unwürdigen Umständen, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Insbesondere Frauen sind unter diesen prekären Bedingungen in der ständigen Gefahr, körperliche oder sexuelle Gewalt zu erleben. Naika konnte nicht mehr schlafen und verlor ihren Appetit.
In der Siedlung traf Naika Frauen, die im Auftrag der Partnerorganisation OFAVA (Óganizasyon Fanm Vanyan an Aksyon) und mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe zu Frauenrechten und geschlechterspezifischer Gewalt aufklärten. Diese Frauen sind geschult, Betroffene geschlechterspezifischer Gewalt zu erkennen, behutsam Vertrauen zu ihnen aufzubauen und ihnen Hilfe anzubieten. Im Frauenhaus von OFAVA bekam Naika ein sicheres Dach über dem Kopf. Ärzte versorgten sie in dem Zentrum und Psychologinnen halfen ihr, ihr Trauma zu verarbeiten. Nach und nach öffnete sich die junge Frau, sie konnte wieder schlafen und essen und dank regelmäßiger ärztlicher Nachsorge stabilisierte sich ihr Gesundheitszustand.
Naika besucht jetzt wieder eine Schule und lässt sich am Wochenende zur Nageldesignerin ausbilden. Ihr Traum ist, Krankenschwester zu werden. Derweil versucht das Team von OFAVA, Familienangehörige von Naika ausfindig zu machen, die ihr langfristig helfen könnten, diesen Traum zu verwirklichen.
(Zu Naikas Schutz zeigen wir ihr Gesicht nicht, der Name wurde geändert)