Marino Jansen, Regionalvertreter der Diakonie Katastrophenhilfe in Kolumbien, erklärt im Interview, wie die Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben in Venezuela anlaufen.
Marino, wie ist die aktuelle Situation nach dem Erdbeben am Mittwochabend?
Die Zahl der Toten ist nach 24 Stunden auf mehr als 200 gestiegen, es gibt Tausende Verletzte. Und die Zahlen steigen weiter. Die Befürchtung ist, dass die Schäden des Erdbebens immens sind, aber noch sind die Informationen sehr vage. Das Erdbeben hatte sich ja um 18h abends Ortszeit ereignet.
Was genau sind die nächsten Schritte?
Während es Nacht war in Venezuela, gab es bisher wenig Updates und es fehlen Informationen aus vielen betroffenen Gebieten. Wir sammeln alle relevanten Informationen, die uns einen Überblick verschaffen, um Hilfe gezielt vorzubereiten. Wir haben bereits ein Team zur Erkundung vor Ort zusammengestellt aus Mitarbeitenden der Diakonie Katastrophenhilfe, die bereits vor Ort waren, einer Kollegin, die sich aus Bogotá auf den Weg gemacht hat, und unseren venezolanischen Partnern. Sie begutachten in den kommenden Tagen die betroffenen Gegenden, um festzustellen, was es jetzt am dringendsten dort braucht.
Wie setzt sich das Team zusammen und was sind mögliche Hilfsmaßnahmen?
Das zusammengestellte Team besteht aus Spezialisten, darunter einem Ingenieur für Wassersysteme, und wir ziehen auch Spezialisten für mentale Gesundheit hinzu. Denn es gibt viele Nachbeben und aus Erfahrung wissen wir, dass Betroffene für Tage, Wochen oder gar Monate nicht mehr ihre Häuser betreten, aus Angst, dass sie einstürzen könnten. Psychologische Hilfe ist an dieser Stelle sehr wichtig und kommt oft zu kurz.