Nach Vereinbarung über mögliches Kriegsende in Nahost darf Situation in Gaza nicht vernachlässigt werden
Gaza: Stockender Friedensplan verlängert Leid der Bevölkerung
Der Iran und die USA haben eine Absichtserklärung für ein Kriegsende unterschrieben und direkte Verhandlungen begonnen. Auch der Krieg zwischen der israelischen Armee und Hisbollah im Libanon soll damit enden. Währenddessen ist die angespannte humanitäre Lage in Gaza in den Hintergrund gerückt. Dabei kommt es nahezu täglich zu Angriffen mit zivilen Opfern. Hinzu kommen Krankheiten und Nahrungsmittelknappheit, von der die Mehrheit der Zivilbevölkerung betroffen ist. „Das Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung wächst. Die Lage in Gaza darf nicht zum Nebenschauplatz werden, wenn einenachhaltige Friedenslösung für die gesamte Region gefunden werden soll“, warnt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe.
Am 9. Oktober 2025 wurde ein Friedensplan für Gaza vereinbart, der unter anderem die Versorgung der Zivilbevölkerung spürbar verbessern sollte. Doch auch acht Monate danach leben nach Angaben internationaler Hilfsorganisationenweiterhin rund eine Million Menschen – die Hälfte der Bevölkerung Gazas - in Zelten. Tausende harren im Freien oder in überfüllten Notunterkünften aus. Ein Grund: Es gelangen zu wenige Hilfsgüter und Material in den Gazastreifen, um Schäden zu reparieren. „Die kommenden Sommer-Monate werden für die Menschen zur Qual, wenn sie in überhitzten Zelten schlafen müssen. Viele können ihre beschädigten Behausungen nicht reparieren, weil Planen, Seile oder Sperrholz fehlen“, sagt Martin Keßler.
Etwa 80 Prozent der Notunterkünfte im Gazastreifen sind von schwerem Nagetierbefall betroffen. Ratten verunreinigen die knappen Lebensmittelvorräte, nagen Zelte durch und verbreiten Infektionen und parasitäre Krankheiten. Rund 76 Prozent aller Wohnungen und Häuser in Gaza sind laut einer von Weltbank, UN und Europäischer Union beauftragten Erhebung beschädigt oder zerstört. Trotz des Abkommens und einer Waffenruhe kommt es in Gaza immer wieder zu Kämpfen und Angriffen. Laut UN-Angaben wurden zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 mehr als 980 Menschen getötet, rund 3.100 wurden verletzt.
„Wir versuchen Kindern, deren Trauma kein Ende nimmt, psychologische Unterstützung zukommen zu lassen. Wir müssen mit ansehen, wie die Zukunft einer ganzen Generation ohne Bildung in Gefahr ist“, berichtet Hadil, Projektkoordinatorin von der Partnerorganisation PAEEP. „Der Zusammenbruch der lokalen Märkte hat Familien in einen verzweifelten, täglichen Kampf um sauberes Wasser und Grundnahrungsmittel getrieben. Kliniken haben keine Medikamente. Wir setzen dieser Not unter schwierigen Bedingungen jeden Tag etwas entgegen.“
Seit Beginn des Irankriegs Ende Februar waren zeitweise nur zwei Grenzübergänge nach Gaza für Hilfsgüter und Waren geöffnet, um die rund 2,1 Millionen Menschen zu versorgen. Durch das geringe Angebot stiegen die Preise. „Unsere Partner konnten zeitweise keine öffentlichen Küchen mehr unterstützen und kaum Mahlzeiten verteilen, weil keine Produkte mehr verfügbar waren. Eine kontinuierliche Versorgung, die jedem Menschen in Not zusteht, ist so unmöglich“, sagt Martin Keßler.
Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt über Partnerorganisationen in den palästinensischen Gebieten, einschließlich Gaza, die Gesundheitsversorgung, stellt geschützte Räume für Mütter und Kinder zur Verfügung und versorgt Familien mit Nahrungsmitteln und Hygieneprodukten. Außerdem wird der Aufbau von Hausgärten gefördert, um den Anbau von Gemüse in Gaza für die Eigenversorgung zu fördern.
Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden:
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