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Unsere Geschichte

Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung – seit 60 Jahren ist die Diakonie Katastrophenhilfe weltweit im Einsatz, wo die Not der Menschen am größten ist. Die humanitäre Hilfsorganisation, die zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung gehört, hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Akteure der Not- und Katastrophenhilfe in Deutschland entwickelt.

Die Anfänge

Brandenburger Tor schwarz-weiß

Am Anfang stand die Katastrophe

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat ihre Wurzeln im evangelischen Hilfswerk. Das Hilfswerk wurde 1945 in Treysa gegründet, um die Nachkriegsnot in Deutschland zu lindern. Später ging es im Diakonischen Werk auf. Heute ist die Diakonie Katastrophenhilfe Teil des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e.V. mit Sitz in Berlin. Bevor das Hilfswerk begann außerhalb der eigenen Landesgrenzen zu helfen, hatte es selbst umfangreiche Spenden aus dem Ausland empfangen. Aus dieser Erfahrung erwuchs der Wunsch etwas zurückzugeben.

1950er

Gründungsjahr

1954 gründete Herbert Krimm die Ökumenische Diakonie als eigene Abteilung. Danach wurde die Not- und Katastrophenhilfe unter ihrem Koordinator Ludwig Geißel zu einer festen Institution des 1957 aus Hilfswerk und Innerer Mission hervorgegangenen Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche Deutschland mit Sitz in Stuttgart.

Hunderttausende flüchten aus Ungarn

Das Hilfswerk gründete die Diakonie Katastrophenhilfe. Weltweite Not- und Katastrophenhilfe wurde damit als diakonische Aufgabe definiert. Mit der Niederschlagung des Ungarnaufstandes durch die sowjetische Armee wurden im November 1956 Hunderttausende in die Flucht getrieben, vorwiegend nach Österreich. Ludwig Geißel, späterer Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, organisierte schnelle und effektive Hilfe aus Deutschland.

1960er

Ein Ruf nach mehr Gerechtigkeit

Zu seinem zehnjährigen Jubiläum appellierte das Hilfswerk an die deutschen Christen, neben den ungelösten sozialen Problemen im eigenen Land auch die Not in anderen Teilen der Welt, in Palästina, Asien und Afrika, wahrzunehmen. Dieser Aufruf, in die Welt zu schauen und die Not anderer zu lindern, ist bis heute Auftrag der Diakonie Katastrophenhilfe.

Erste Hilfsgüter aus der Luft

Das erste von Diakonie und Caritas gekaufte Flugzeug mit Hilfsgütern hob ab, mit Kurs auf Port Harcourt in Nigeria. Damit begann eines der aufwändigsten Projekte der Diakonie: die Luftbrücke nach Biafra. Ludwig Geißel, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe, vereinte mit der von ihm mitinitiierten Aktion „Joint Church Aid“ kirchliche Hilfsorganisationen aus aller Welt. Dieser Zusammenschluss wurde zum Vorbild für humanitäre Bündnisse wie der späteren ACT Alliance, in der heute über 140 kirchliche Hilfswerke aus aller Welt ihre Ressourcen bündeln.

Spenden für Nord- und Südvietnam

Diakonie und Caritas riefen erstmals gemeinsam zu Spenden auf – für Süd- und Nordvietnam. In beiden Teilen des Landes war die medizinische Infrastruktur zerstört und mehrere Millionen Menschen auf der Flucht. Die Hilfsorganisationen gerieten damit zwischen die Fronten des „Kalten Krieges“: Ihnen wurde vorgeworfen, Kommunisten zu unterstützen. Das Diakonische Werk konterte: „Diakonie kennt keine ideologischen Grenzen!“

1970er

Hilfe für geflüchtete Palestinenser

Im Sechstagekrieg hatte Israel die Westbank und den Gazastreifen besetzt. Hunderttausende Palästinenser flüchteten. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützte die Arbeit des Palästinenserhilfswerkes der UNO (UNRWA). In Zusammenarbeit mit dem Mittelöstlichen Kirchenrat und internationalen Organisationen steht die Diakonie Katastrophenhilfe palästinensischen Flüchtlingen seit 1948 zur Seite und hilft auch in den israelisch besetzten Gebieten.

Flutkatastrophe im Himalaja

Starker, anhaltender Regen und die Eisschmelze im Himalaja führten im Sommer 1974 zu Überschwemmungen neuen Ausmaßes. Der Unabhängigkeitskrieg Bangladeschs Anfang der 1970er Jahre hatte zuvor schon gewaltige Flüchtlingsströme in Bewegung gesetzt. Das Land wurde zu einem traurigen Lehrstück dafür, wie Machtpolitik eine durch Naturgewalten gefährdete Region zusätzlich destabilisierte. Das Diakonische Werk lieferte Lebensmittel, Medikamente und andere Hilfsgüter.

1980er

Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund

Die Diakonie Katastrophenhilfe wurde unter der neuen Leiterin Hannelore Hensle als eigenständiges Referat innerhalb der Ökumenischen Diakonie etabliert. Die Not- und Katastrophenhilfe wollte sich nicht länger auf den „Samariterdienst“ beschränken, sondern forderte eine Verbindung aus nachhaltigem Engagement, ursachenbezogenem Handeln und Präventivmaßnahmen. Langfristige Strategien der Diakonie Katastrophenhilfe wurden entwickelt, die nun jährlich in bis zu 50 Ländern half.

Hungerkatastrophe in Afrika

Eine lang anhaltende Dürreperiode bedrohte 150 Millionen Menschen in der Sahelzone mit dem Hungertod. Afrika wurde für die Diakonie Katastrophenhilfe zum Einsatzschwerpunkt. Allein in Äthiopien waren knapp 8 Millionen Menschen von Lebensmittelhilfe abhängig. In Speisungszentren für Hunderttausende wurden schwer geschädigte Kinder und Erwachsene versorgt.

1990er

Nach Ende des Kalten Krieges

Die Revolutionen in Osteuropa und der Fall der Mauer weckten Ende der 1980er-Jahre zunächst die Hoffnung auf einen globalen Frieden im Zeichen westlicher Demokratie. Doch mit dem Zerfall der sozialistischen Vielvölkerstaaten brach der alte Nationalismus wieder mit Gewalt hervor. „Ethnische Säuberungen“ – mitten in Europa wurde vergewaltigt, vertrieben und gemordet. Der Krieg auf dem Balkan setzte Europa in den 1990er Jahren auf die Agenda der humanitären Hilfsorganisationen. Erstmals gab die Diakonie Katastrophenhilfe wieder mehr Geld für Hilfsmaßnahmen in Europa aus als in Afrika.

Erste Projekte zur Katastrophenvorsorge

Nach dem „Hurrikan Mitch“ in Mittelamerika förderte die Diakonie Katastrophenhilfe erstmals Hilfsmaßnahmen, mit denen künftige Krisen besser zu bewältigen waren. Das hieß: Aktiver Landschaftsschutz, Bodenkonservierung, Hangstabilisierung und Aufforstung, Risikoanalysen und Notfallplanungen.

Nach 2000

Flut in Mitteleuropa

Eine Jahrhundertflut traf Teile Deutschlands, Tschechiens, Rumäniens und Russlands. Für die Diakonie Katastrophenhilfe bedeutete dieser Einsatz einen einmaligen Rekord: Rund 60 Millionen Euro kamen an Spenden zusammen.

Fusion der evangelischen Hilfswerke

Komplexe und langfristige Einsätze fanden weiterhin in der Sahelzone statt, während in Deutschland neue Strukturen aufgebaut wurden: Mit der Gründung des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung e.V. reagierten die evangelischen Kirchen und die Diakonie auf die Anforderungen einer globalisierten Welt. Seit 2011 leitet Martin Keßler die Diakonie Katastrophenhilfe. Seit September 2012 ist Cornelia Füllkrug-Weitzel Präsidentin von Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst und Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe im Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung e.V., dessen Vorstandsvorsitz sie im Mai 2014 übernahm.

Ausblick

Orientierung an Bedürftigkeit

Unparteilichkeit der Hilfe - sie gebührt den Menschen unabhängig von Nation, Ethnie, Religion oder politischer Zugehörigkeit. Das bedeutet für die Diakonie Katastrophenhilfe auch eine klare Positionierung gegenüber Ansprüchen und Wünschen der Politik. Unabhängige und neutrale humanitäre Hilfe in Konflikten heißt auch keine „humanitären Interventionen“ durch Militär und keine Zusammenarbeit zwischen Militär und humanitären Hilfsorganisationen.

Bilanz des Helfens

In 60 Jahren hat die Diakonie Katastrophenhilfe dort geholfen, wo die Not am größten war. Mittlerweile setzt die Diakonie Katastrophenhilfe jährlich rund 150 Projekte im Jahr mit ca. 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie lokalen Partnerorganisationen um. Der Klimawandel erhöht die Not in vielen armen Regionen des Südens.