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Bericht des Vorstands der Diakonie Katastrophenhilfe

Gleich vier von den Vereinten Nationen als höchst dringlich eingestufte humanitäre Krisen ("Level 3 Emergency") prägten 2014 unsere Arbeit*. Neben den anhaltenden Konflikten in Syrien und im Irak spitzte sich auch die Lage im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik zu. Mit knapp 57 Millionen Menschen stieg die Zahl der Flüchtlinge weltweit auf den höchsten Stand seit dem 2. Weltkrieg. Fast 100 Millionen Menschen benötigten humanitäre Hilfe. Zur Not in den Konfliktregionen kam die Ebola-Epidemie in Westafrika. Auf den Philippinen kämpften die Menschen indes weiter mit den Folgen des Taifuns vom Vorjahr. So musste die Diakonie Katastrophenhilfe im 60. Jahr ihres Bestehens an vielen Stellen zugleich helfen. Dank großzügiger Unterstützung unserer Spendenden und öffentlicher Mittel gelang es, 172 Projekte im Umfang von 54 Millionen Euro umzusetzen.

Syrien/Irak ― die größte humanitäre Krise der Gegenwart

Mit dem Vormarsch des Islamischen Staates im Nordirak nahm der inzwischen schon fast vier Jahre andauernde Konflikt im Nahen Osten eine neue Dimension an. Hatten islamistische Gruppen sich bisher auf das syrische Staatsgebiet beschränkt, gelang es ihnen nun, strategisch wichtige Städte und Infrastruktur im Nordirak einzunehmen. Damit einhergehend kam es zu brutalen und systematischen Angriffen auf die dort lebenden religiösen Minderheiten der Christen und Jesiden. Bis Ende 2014 wurden im Irak mehr als zwei Millionen Menschen vertrieben. Die meisten kamen in den kurdischen Gebieten im Norden unter, einer Region, die bereits über 200.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen hat. Der Krieg in Syrien hat seit 2011 mehr als 11 Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Fast vier Millionen Menschen sind in die Nachbarländer Jordanien, Türkei, Libanon und Irak geflohen. Der größte Teil der vom Konflikt Betroffenen lebt jedoch weiter in Syrien selbst. Rund 12 Millionen Menschen, darunter 7,6 Millionen intern Vertriebene, dort bedürfen humanitärer Hilfe. Politisch und militärisch ist nach wie vor keine Lösung des Konflikts in Sicht. Im Gegenteil: die anhaltenden Kämpfe in Syrien und im Irak führen weiter zu Vertreibung und wachsender Not.

Aus humanitärer Sicht bedeutet dies, sich auf steigenden Hilfebedarf einzustellen und kontinuierliche Unterstützung für die Notleidenden zu organisieren. Die Diakonie Katastrophenhilfe konzentrierte sich 2014 dabei vorrangig darauf, Flüchtlinge und Vertriebene außerhalb der offiziellen Camps zu unterstützen. Vor allem in der Türkei erfolgte die Hilfe vermehrt über Bargeld basierte Ansätze, die es den Empfängern ermöglichen, selbst zu entscheiden, was sie am nötigsten brauchen. Hinzu kamen Mietzuschüsse und die klassische Unterstützung mit Hilfsgütern sowie psychosoziale Programme. Über das kirchliche Netzwerk ACT Alliance konnte die Diakonie Katastrophenhilfe auch in Syrien Hilfe leisten, obwohl die Konfliktparteien - unter Verletzung der humanitären Prinzipien - den Zugang zu den Bedürftigen extrem schwierig und gefährlich machten.

Südsudan ― Junge Republik versinkt im Bürgerkrieg

Ende 2013 schlugen die politischen Machtkämpfe zwischen Anhängern des regierenden Präsidenten Salva Kiir und seines Rivalen Riek Machar in einen bewaffneten Konflikt um. Seither erlebt der Südsudan die schwerste Krise nach der Unabhängigkeit vor drei Jahren. Fast zwei Millionen Menschen flohen, 500.000 davon in die Nachbarländer Äthiopien, Uganda und Kenia. Die Gewalt machte auch hier vor den humanitären Akteuren nicht Halt, was die Hilfe für die Betroffenen erschwerte. Auch Partner der Diakonie Katastrophenhilfe mussten ihr Team evakuieren und ein für 2014 geplantes Katastrophenvorsorgeprojekt einstellen. Stattdessen leisteten sie kurzfristig Nothilfe für Vertriebene im Bundesstaat Jonglei. In der südlichen Region Torrit verteilte die Diakonie Katastrophenhilfe gemeinsam mit der Caritas Schweiz Hilfsgüter an Flüchtlinge.

Die Projekte im Lakes State waren nicht betroffen, da hier glücklicherweise keine Kämpfe stattfanden. So konnte ein Schulspeisungsprojekt für mangelernährte Kinder ebenso fortgesetzt und ausgebaut werden wie das langjährige Basisgesundheitsprogramm.

Zentralafrikanische Republik ― Flüchtlingskrise im Herzen Afrikas

Nach dem Sturz der Regierung im März 2013 kam es in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) zu anhaltender Instabilität. Im Dezember 2013 eskalierte die Situation. Landesweit lieferten sich Milizen der muslimisch geprägten Seleka und pro-christlichen Anti-Balaka bewaffnete Auseinandersetzungen, begleitet von schweren Menschenrechtsverletzungen. Ende 2014 zählten die Vereinten Nationen 440.000 intern Vertriebene. Fast ebenso viele sind in die Nachbarländer Kamerun und Tschad geflohen. Insgesamt ist rund ein Fünftel der 4,5 Millionen Einwohner der Zentralafrikanischen Republik auf der Flucht, mehr als die Hälfte braucht humanitäre Hilfe.

Die größte Herausforderung für alle in der Zentralafrikanischen Republik tätigen Organisationen ist der aufgrund der andauernden Gewalt und Gefahren eingeschränkte Zugang. Mehrfach mussten die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe ihre Arbeit einstellen oder nach Kamerun verlagern. Erfreulicherweise gelang es trotz dieser Hindernisse, mit Bundes- und Eigenmitteln umfangreiche Hilfe auf den Weg zu bringen. Bis 2017 kann die Diakonie Katastrophenhilfe in der ZAR ein Hilfsprogramm von über 5,2 Millionen Euro umsetzen. Hinzu kommen Projekte für Flüchtlinge aus der ZAR im Tschad im Umfang von 1,7 Millionen Euro.

Ukraine ― Not der Zivilbevölkerung wächst

Politische Auseinandersetzungen und separatistische Bestrebungen im Osten der Ukraine weiteten sich im Laufe des Jahres 2014 zu einem bewaffneten Konflikt aus. Mit den Kämpfen zwischen der ukrainischen Regierungsarmee und pro-russischen Separatisten nahm auch die Not der Zivilbevölkerung immer weiter zu. Mittlerweile sind mehr als 630.000 Menschen innerhalb der Ukraine auf der Flucht, 539.000 Menschen sind über die Grenze, zumeist nach Russland geflohen. Die Diakonie Katastrophenhilfe leistete über mehrere lokale Organisationen Nothilfe und psychosoziale Unterstützung für Vertriebene in der Ukraine. Am dringendsten brauchen sie Unterkunft, Nahrungsmittel und Güter des täglichen Lebens. 2015 soll die Hilfe auch auf die umkämpften Gebiete ausgeweitet werden, wo die Not dramatisch zunimmt. Eine dauerhafte Lösung des Konflikts ist trotz mehrerer Waffenstillstandsabkommen nicht in Sicht.

Philippinen ― Wiederaufbau nach Taifun Haiyan

Nach umfangreicher Nothilfe startete die Diakonie Katastrophenhilfe vier Monate nach dem verheerenden Taifun auf den Philippinen mit ihren lokalen Partnerorganisationen den Wiederaufbau. Die ersten von knapp 600 geplanten Häuser in sturmresistenter Bauweise konnten im November übergeben werden. Zugleich erhielten Bauern Saatgut, Fischer Netze und Material zur Reparatur ihrer Boote, damit sie wieder den Lebensunterhalt ihrer Familien sichern können. 2015 geht der Wiederaufbau weiter.

Westafrika ― Gemeinsamer Kampf gegen Ebola

Ende 2013 kam es zu einem Ausbruch des Ebola-Virus in Guinea, der im Frühjahr auch Sierra Leone und Liberia erreichte. Internationale Hilfe kam nur langsam und zu spät in Gang. Während sich diese vor allem auf den Ausbau der Ebola-Behandlungszentren konzentrierte, setzte die Diakonie Katastrophenhilfe von Anfang an darauf, die ohnehin geschwächten lokalen Gesundheitsstrukturen zu stärken, um neben der Versorgung der Ebola-Kranken auch die Basisgesundheitsversorgung zu sichern. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm) wurden zwei Partnerorganisationen, die in Sierra Leone und Liberia mehr als 50 Krankenhäuser und Gesundheitsstationen betreiben, mit medizinischem Material und Schutzkleidung ausgestattet und verbesserte Hygienestandards und Infektionskontrollen eingeführt. In Gemeinden und Schulen, mit Postern und Veranstaltungen informierten die Partner darüber, wie sich die Menschen vor der Krankheit schützen können. 2015 wird es vor allem darum gehen, den Menschen in den betroffenen Ländern zu helfen, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Epidemie zu bewältigen.

Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel
Präsidentin Diakonie Katastrophenhilfe

* Definition der höchsten Krisenstufe humanitärer Not ("Level 3 Emergency") laut Vereinten Nationen:

  1. the scale in terms of the potential number of people affected and the geographic size of the emergency
  2. the urgency of the crisis based on the significance of population displacement and mortality rates
  3. the complexity of the issue, including the number of countries affected and the ease humanitarian access
  4. the capacity of the national government to respond
  5. the reputational risk for OCHA and the UN in terms of media and public attention and expectation
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