Humanitäre Hilfe so riskant wie nie / Vor allem lokale Helfer*innen betroffen / Finanzierung sinkt weiter
Welttag der humanitären Hilfe: „Der Preis fürs Leben retten darf nicht das eigene Leben sein“
Der Welttag der humanitären Hilfe am 19. August macht auf getötete und verletzte humanitäre Helfer*innen weltweit aufmerksam. Allein im Jahr 2025 kamen 350 Helfende ums Leben - ein neuer, erschütternder Rekord. „Hilfe zu erhalten, ist das Recht von Menschen in Not. Hilfe zu leisten, ist das Mandat von Hilfsorganisationen. Kriegsparteien, die Helfende angreifen, treten das Völkerrecht mit Füßen! Der Preis fürs Leben retten darf nicht das eigene Leben sein“, warnt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe.
Laut Daten der Aid Worker Security Database (AWSD) stieg die Zahl getöteter humanitärer Helfer*innen im Jahr 2025 auf mindestens 350 registrierte Fälle weltweit. In fast allen Fällen waren lokale einheimische Fachkräfte getötet worden. Rund die Hälfte sind im Gazastreifen und dem Westjordanland umgekommen. Zudem gab es weltweit mindestens 322 verletzte sowie 235 entführte humanitäre Mitarbeitende, die besonders häufig im Südsudan oder der Demokratischen Republik Kongo verschleppt worden sind.
„In den vergangenen zwei Jahren verloren unsere Partnerorganisationen in Gaza fünf Mitarbeitende. Und bis heute wissen wir nicht genau, wie viele Freiwillige der Emergency Response Rooms (ERR) im Sudan bei der Einnahme der Stadt El-Faschir im Oktober 2025 ums Leben gekommen sind“, sagt Martin Keßler. Der Gedenktag dürfe deshalb nicht nur ein Tag des Mitgefühls sein, sondern ein Anlass, um die Menschen, die vor Ort tagtäglich in Konflikten helfen, besser zu schützen „Solidarität ist keine Aufgabe, die man abgibt, sondern gemeinsame Verantwortung der internationalen Gemeinschaft.“ Dazu gehöre eine verlässliche Finanzierung der humanitären Hilfe. Doch das Gegenteil ist der Fall: Jeder dritte Euro für humanitäre Hilfe ist in den vergangenen zwei Jahren gestrichen worden, weshalb Hilfsprogramme reduziert wurden.
Im Sudan, in dem seit 2023 Krieg herrscht, haben sich lokale Nachbarschaftsinitiativen zu den ERR verbunden und helfen mit mehr als 26.000 Freiwilligen landesweit. In vielen umkämpften Regionen nehmen sie dabei ein hohes Risiko auf sich. „Ich bleibe hier und werde weitermachen, denn es ist keine Arbeit für mich, sondern ein Lebensinhalt, den ich mit Tausenden teile“, sagt Duaa Tariq von den ERR, die in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum spezielle Räume für Frauen und Mütter unterstützt, und ergänzt: „Wir machen den Ort für uns und unsere Kinder wieder lebenswert.“ Die Diakonie Katastrophenhilfe fördert die ERR seit 2024 finanziell, mittlerweile auch mit Unterstützung des Auswärtigen Amts. Im laufenden Jahr sind laut AWSD bisher mindestens elf humanitäre Helfer*innen im Sudan getötet und acht verletzt worden.
Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas international machen in ihrer gemeinsamen Sommeraktion „Die größte Katastrophe ist das Vergessen“ auf die Lage im Sudan aufmerksam. Mehr Infos und Material dazu finden Sie hier: https://www.vergessene-katastrophen.de/
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Tommy Ramm
Pressesprecher Diakonie Katastrophenhilfe
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