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Hilfe inmitten von Dürre und Krieg 

Somalia

Am größten ist die Not nach wie vor in Somalia. Nur dank massiver internationaler Hilfe konnten in den vergangenen Monaten Hunderttausende Menschen vor dem Hungertod bewahrt werden. Vor kurzem haben die Vereinten Nationen sogar den Notstand in drei von sechs Regionen aufgehoben. Für Entwarnung ist es jedoch zu früh. Denn noch immer leiden im Süden des Landes mehr als 250.000 Menschen akut Hunger. Andauernde Kämpfe und Terroranschläge erschweren jedoch die Hilfslieferungen.

Die zweite Medikamentenlieferung der Diakonie Katastrophenhilfe mit 9 Tonnen Hilfsgütern ist sicher in Somalia angekommen. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Rainer Lang, Pressesprecher (l.) und Martin Kessler, Leiter Programmabteilung der Diakonie Katastrophenhilfe, begleiteten die Lieferung des evangelischen Hilfswerks von über 900 Kisten mit lebenwichtigen medizinischen Gütern, die fürs Banadir-Hospital in Mogadischu bestimmt sind. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

In der schon 1992 im Bürgerkrieg zerstörten Kathedrale "Southern Cross" in Mogadischu leben seit Wochen Flüchtlinge der Dürrekatastrophe. Hawo Hassan (M., 6 Jahre) ist mit ihrem Bruder Osman Hassan (auf dem Rücken, 14 Monate) und ihren Eltern aus dem Süden Somalias in die umkämpfte Hauptstadt geflohen. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Rainer Lang, Pressereferent der Diakonie Katastrophenhilfe (M.), ein Übersetzer und Omar Olad Ahmed, Leiter der lokalen Hilfsorganisation DBG (r.), unterhalten sich mit einer Flüchtlingsfrau, die Zuflucht in den Ruinen der "Southern Cross"-Kathedrale gefunden hat. Foto: Christoph Püschner/ Diakonie Katastrophenhilfe

Auf der Kinderstation des Benadir-Hospitals in Mogadischu behandeln ein Arzt und eine Krankenschwester ein an Diarrhö erkranktes Flüchtlingskind. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Rainer Lang, Pressesprecher der Diakonie Katastrophenhilfe, lernt auf der Kinderstation des Banadir-Hospitals das an Durchfall erkrankte Flüchtlingskind Halimo Gedde (3 Jahre) kennen. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Mitarbeiter der lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe verteilen Hilfspakete mit Zeltplanen und Moskitonetzen an die Flüchtlinge der Dürrekatastrophe in einem der Camps in Mogadischu. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

In der noch vor Wochen umkämpften Gefechtslinie haben nach dem Rückzug der islamistischen Milizen weitere Flüchtlinge der Dürrekatastrophe ihre Notunterkünfte aufgeschlagen. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Zwei Flüchtlingsfrauen bereiten für ihre Familien im Camp eine kleine Mahlzeit. Jeder Familie erhält eine Ration Reis, Bohnen und Speiseöl. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

In den Flüchtlingscamps rund um Mogadischu erhalten viele Kinder erstmals seit langem eine richtige Mahlzeit - Reis mit Ziegenfleisch und etwas Gemüse. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Vor den Essensausgaben bilden sich lange Schlangen. Allein in Mogadischu werden täglich bis zu 85.000 Menschen mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Kinder warten auf die Essensausgabe in einem der Flüchtlingscamps in Mogadischu. Nach US-Angaben sind von Mai bis Juli in Somalia bereits rund 29.000 Kinder durch die Hungersnot gestorben. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Angesichts der dramatischen Ausmaße der verheerenden Dürre in Ostafrika hat das evangelische Hilfswerk seine Unterstützung auf 4 Millionen Euro verdoppelt. Foto: Christoph Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe stellt für zwei Hilfsflüge mit Medikamenten und Material, die für das Banadir-Hospital in Mogadischu bestimmt sind, 500.000 Euro bereit. Das Krankenhaus ist eine der wenigen noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen in Somalia. Foto: C. Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Das Banadir-Hospital erhält Standardmedikamenten und Material wie Handschuhen, Spritzen und Kanülen. Foto: C. Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Die Lieferung erfolgt über die "Mission for Essential Drugs and Supplies" (MEDS), eine kirchliche Zentralapotheke in Kenia, so dass die Medikamente schnell nach Somalia gelangen. Foto: C. Püschner / Diakonie Katastrophenhilfe

Lange Schlangen bilden sich überall, wo Lebensmittel ausgegeben werden – wie hier südlich von Mogadischu. Foto: REUTERS/ Feisal Omar, courtesy Trust.org – Alertnet

Interne Flüchtlinge in Somalia kommen in Mogadishu an. Foto: REUTERS/ Feisal Omar, courtesy Trust.org – Alertnet

Viele Flüchtlinge leben schon länger um Mogadishu in Notunterkünften, wo DBG die Menschen mit Wasser und Nahrungsmitteln versorgt.

DBG baut Brunnen in den Lagern um Mogadishu für eine ausreichende Versorgung mit sauberem Wasser.

Frauen warten auf die Verteilung von Hilfsgütern. Foto: REUTERS/ Feisal Omar, courtesy Trust.org – Alertnet

Kleine Kinder sind besonders anfällig. Eine Frau wartet auf medizinische Behandlung. Foto: REUTERS/ Omar Faruk, courtesy Trust.org – Alertnet

DBG bringt mit Tankwagen sauberes Trinkwasser für Menschen in den Flüchtlingslagern.

Verteilung von Planen, Kanistern und Lebensmitteln.

Die Nahrungsknappheit in Somalia wird nach Expertenmeinung noch bis weit ins nächste Jahr andauern. Vor allem die Flüchtlinge im so genannten Afgoye-Korridor und in der Hauptstadt Mogadischu sowie die verarmte Landbevölkerung im Süden sind deshalb weiter dringend auf Hilfe angewiesen, zumal der Militäreinsatz gegen die Shabaab-Milizen die Lage noch unsicherer macht.

Krank auf der Flucht

Dürre und Krieg haben allein von September bis November 2011 mehr als 81.000 aus ihrer Heimat vertrieben. Viele hausen in notdürftig aus Stöcken, Karton und Lumpen gebauten Hütten. Wer nicht das Glück hat, eine wasserfeste Plastikplane zu erhalten, hat es in der Regenzeit noch schwerer. Viele Flüchtlinge sind erkältet, leiden an Lungenentzündungen, Malaria oder Durchfall als Folge von verschmutztem Wasser.

Neutrale Helfer in der Gefahrenzone

Die Hilfslieferungen werden durch die andauernden Kämpfe und Terroranschläge erwschwert. Ende November verhängten die somalischen Rebellen zudem eine Sperre für 16 internationale Organisationen. Die somalischen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe sind nicht davon betroffen und können ihre Arbeit fortsetzen. Ihre strikte Neutralität und langjährige Präsenz sichert ihnen die Akzeptanz und den Respekt aller Konfliktparteien.

Hoffen auf eine politische Lösung

Dennoch begleiten Unsicherheit und Gefahr die Helfer auf Schritt und Tritt. Mit einer gewaltigen Kraftanstrengung ist es dem somalischen Team trotz aller Erschwernisse gelungen, in den letzten Monaten mehr als 100.000 Menschen in Banadir, Galguduud und Lower Shabelle mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern zu versorgen. „Eine nachhaltige Besserung der Situation ist aber nur möglich, wenn es langfristig eine politische Lösung für Somalia gibt“, betont Kai Henning, Somaliaexperte der Diakonie Katastrophenhilfe.

Trinkwasser und Nahrungsmittel sind weiterhin am dringlichsten, um das Überleben der Flüchtlinge in Somalia zu sichern. Pro Kopf liegt die Mindestmenge bei 15-17 Litern Wasser am Tag, um die Grundbedürfnisse wie Trinken, Kochen, Spülen, Waschen und persönliche Hygiene zu decken. Die Diakonie Katastrophenhilfe hat deshalb verschiedene Projekte in angestoßen, die die Wasserversorgung dauerhaft verbessern sollen:

  • In einem Stadtteil von Mogadischu haben Hilfskräfte zwei Hochtanks aus Stahl aufgestellt, von denen das Wasser direkt an 25 Verteilpunkte in die Camps geleitet wird. 3.500 Familien können hier Wasser zapfen.
  • In zwei Vororten der Hauptstadt baut das evangelische Hilfswerk gemeinsam mit der Caritas zwei Tiefbrunnen, die Trinkwasser für bis zu 10.000 Menschen liefern sollen. 
  • Ein weiterer Tiefbrunnen, durch den rund 4.000 Flüchtlingsfamilien sauberes Wasser erhalten werden, entsteht mit Unterstützung des Bundesentwicklungshilfeministeriums im Dharkenley Distrikt von Mogadischu.

In der Provinz Galguduud haben die Partner in der schlimmsten Trockenphase 18.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt. Per Tanklastwagen wurden bis Oktober 300.000 Liter in das Dürregebiet transportiert.

Zur Überlebenssicherung versorgen die Hilfskräfte zudem über 100.000 Dürre- und Kriegsflüchtlinge mit dringend notwendigen Nahrungsmitteln. Bei den Verteilungen erhalten die Betroffenen Rationen mit den wichtigsten Grundnahrungsmitteln für die Ernährung einer sechsköpfigen Familie.

  • Allein von Juli bis Oktober 2011 wurden mehr als 800 Tonnen Reis, Bohnen und Speiseöl ausgeteilt.
  • In Galguduud wird die Nahrungsmittelhilfe bis Mai 2012 für weitere 12.000 Menschen fortgesetzt.

Für Familien, die bei der Flucht alles verloren haben, stellen die Helfer außerdem Pakete mit dem wichtigsten Alltagsbedarf zusammen. 3.200 Familien wurden bereits bis November mit Matten, Kanistern, Decken, Seife ausgestattet. Weitere 8.500 erhalten Familienpakete mit Kochgeschirr, Schlafmatten, Decken, Wasserkanistern und Seife, die ihnen helfen sollen, die Notsituation zu überstehen.

Auch um Unterkünfte und sanitäre Einrichtungen kümmern sich die somalischen Helfer:

  • Rechtzeitig zur Regenzeit haben sie bis November 2011 mehr als 7.700 Plastikplanen ausgegeben, um die Vertriebenen vor der Witterung zu schützen. 
  • Zum Schutz vor Malaria wurden außerdem über 6.500 Moskitonetze verteilt. 
  • Um die Hygiene in den überfüllten Lagern zu verbessern und dem Ausbruch von Krankheiten vorzubeugen, hat der Bau von Latrinen begonnen. Knapp 400 Latrinen sind bislang aufgestellt worden. 
  • Für 200 besonders bedürftige Flüchtlingsfamilien errichten die Helfer zudem Wellblechhütten, die ihnen eine stabilere Unterkunft geben.

Die Diakonie Katastrophenhilfe sichert außerdem die medizinische Versorgung der Hungerflüchtlinge in Somalia:

  • Knapp 15 Tonnen Medikamente und medizinisches Material ließ das Hilfswerk im August 2011 von Kenia aus ans Banadir-Krankenhaus in Mogadischu einfliegen. 
  • Neben Standardmedikamenten und Ausstattung wie Handschuhen, Spritzen und Kanülen enthielt die Sendung Anti-Malaria-Mittel, Vitaminpräparate, Antibiotika, orale Rehydrationslösung zur Behandlung von Durchfallkranken und Infusionsschläuche und Sonden für die künstliche Ernährung – ausreichend für die Versorgung von rund 120.000 Menschen.

Das vor allem auf die Versorgung von Kindern und Frauen spezialisierte Banadir-Krankenhaus ist eine der wenigen noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen in der kriegszerstörten Stadt. Über die angeschlossenen mobilen Gesundheitsdienste werden auch die Vertriebenen in den Flüchtlingsansammlungen außerhalb der Stadt erreicht.

zuletzt aktualisiert: 23.12.2011

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