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Doña Francisca hat von der Diakonie Katastrophenhilfe Pflanzen und das Know-how erhalten, um einen Kleingarten anzulegen. Andere Familien bekamen Schweine oder Hühner. Foto: Thomas Wagner 

Eier gibt es das ganze Jahr über, unabhängig vom Regen“, freut sich Maria Luisa Tucubal. Die Kleinbäuerin hat von der Diakonie Katastrophenhilfe zehn Hühner erhalten, plus praktische Empfehlungen, wie das Geflügel zu pflegen und zu impfen ist. Foto: Thomas Wagner 

Die Bewohner von La Giralda, einem typischen guatemaltekischen Bauerndorf, werden von den Experten der Diakonie Katastrophenhilfe fit gemacht in Sachen Klimawandel. Dabei lernen sie ihre bewährten Überlebensmechanismen mit neuen Techniken der Klimaanpassung zu stärken. Foto: Thomas Wagner 

Guatemala

Sturmerprobt dem Klimawandel trotzen

Voller Stolz zeigt Francisca Calel Sut auf die Bäumchen, die in Reih und Glied aus dem Boden ragen. Die Diakonie Katastrophenhilfe hatte die Setzlinge gestellt - die Bauern im Dorf La Giralda im Herzen Guatemalas pflanzten sie dann an. "Dank der Bäume geht weniger Boden verloren, wenn der nächste Sturm kommt", erklärt Doña Francisca, die ein typisch farbenfrohes Kleid des Cakchiquel trägt, das auch ein Ausdruck dafür ist, dass die Nachfahrin dieses alten Maya-Volks hoffnungsvoll in die Zukunft blickt.

Die ersten Folgen der globalen Klimawandels sind heute schon spürbar, doch treffen sie vor allem die Ärmsten der Armen besonders hart. Deren speziellen Schutz hat sich die Diakonie Katastrophenhilfe in einer gemeinsamen Initiative mit der Schwesterorganisation Brot für die Welt zum Ziel gesetzt. Über zehn Jahre hinweg machen die Experten der beiden Hilfswerke besonders betroffene Gemeinden rund um den Globus - von Äthiopien bis Bangladesch - fit für den Klimawandel. So auch die indigenen Gemeinschaften in Guatemala. Sie lernen ihre bewährten Überlebensmechanismen mit neuen Techniken der Klimaanpassung zu stärken.

Vom Regen in die Traufe

Die Natur spielt verrückt und die Bauern haben den Schaden. Davon kann Henry Sucuqui ein Lied singen. Der Landwirtschaftsexperte von ASECSA, dem lokalen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe in Guatemala, berichtet: "Früher dauerte die Trockenzeit von Dezember bis Januar, heute kann sie sich von November bis April erstrecken." Die Bauern säen aber seit Generationen Getreide wie Mais im März aus. Beginnt der Regen später, verlieren sie ihre Saat.

Und auch in die Regenzeit selbst bringt immer häufiger Probleme. "Manchmal regnet es bis zu 15 Stunden am Stück. Überschwemmungen und Erdrutsche sind die Folge", sagt Sucuqui. 2010 zerstörte der Tropensturm Agatha bis zu 90 Prozent der hiesigen Mais- und Bohnen-Ernten, die für die Maya Grundnahrungsmittel darstellen wie Brot für die Deutschen. Die Bewohner von La Giralda, einem typischen guatemaltekischen Bauerndorf, mussten ihre ohnehin schon kargen Mahlzeiten weiter einschränken.

Großer Erfolg mit Kleingärten

In La Giralda lebt auch Doña Francisca. Sie hat von der Diakonie Katastrophenhilfe Pflanzen und das Know-how erhalten, um einen Kleingarten anzulegen. Andere Familien bekamen Schweine oder Hühner. Für Francisca und ihre Familie bedeutete das eine wertvolle Ausweitung ihres Speiseplans. "Ich schnappe mir etwas Spinat, Zwiebeln, Tomaten und Koriander, und schon kann ich damit eine leckere Tortilla zubereiten", freut sich die 54-Jährige. Zwischen den Beeten hat sie kleine Holzbretter angebracht, ganz so wie es ihr die Berater von ASECSA gezeigt haben. Die sollen verhindern, dass das Regenwasser die Erde abträgt.

Neue Einkommensquellen für Bauern

Wie alle Männer im Dorf muss sich auch Xaper Tucubal, der Ehemann von Maria Luisa, auswärts als Tagelöhner verdingen, weil das eigene kleine Grundstück nicht genügend Erträge bringt. Sein Tagesverdienst von 40 Quetzales (knapp vier Euro) reiche aber nicht, um ihre fünf Kinder zu ernähren, klagt die Bäuerin.

Zehn Hühner hat sie vom evangelischen Hilfswerk erhalten, plus praktische Empfehlungen, wie das Geflügel zu pflegen und zu impfen sei. "Eier gibt es das ganze Jahr über, unabhängig vom Regen", freut sich Maria Luisa. Die überschüssige Ware verkaufen die Bauern von La Giralda untereinander oder auf dem Markt - ein wertvoller Zuschuss für die Familienkasse.

Erster Einsatz des Notfallkomitees

Zur Vorbereitung auf künftige Naturkatastrophen gründeten 30 indigene Familien im Dorf mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe ein Notfallkomitee. Das erlebte seine Feuertaufe am 7. November 2012, als ein Erdbeben in ganz Guatemala 53 Tote forderte. Auch in La Giralda wackelte der Boden. "Wir sind sofort von Haus zu Haus gelaufen, und haben geschaut, ob jemand betroffen war", erzählt Franciscas Ehemann, Emilio Bulux Canastuj. Glücklicherweise gab es aber keine Opfer.

Nächstes Leuchtturm-Projekt hat bereits begonnen

Die vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte Initiative ist Ende Januar 2013 ausgelaufen. Der "Leuchtturm-Prozess" geht aber weiter. Bereits im November hat ein neues Projekt mit ASECSA begonnen.

"Wir wollen nun die Risikoanalysen in den Gemeinden vertiefen und auf deren Grundlage praktische Maßnahmen planen, die die direkten Auswirkungen der Naturereignisse auf die Bevölkerung vermindern oder deren Anfälligkeit verringert", erklärt Daniela Simm, die Verantwortliche für Lateinamerika bei der Diakonie Katastrophenhilfe. "Durch eine Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft und der strategischen Verankerung dieses Themas bei unserer Partnerorganisation sollen auch andere Beteiligte für dieses Thema sensibilisiert werden."

Aktualisiert am 08.12.2015

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