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länderübergreifend

Ernährungssicherheit am Horn von Afrika

Projeknummer

K-AFK-2021-9002

Bezeichnung

Multisektorale und integrierte humanitäre Hilfe mit Schwerpunkt auf Ernährungssicherheit & Existenzsicherung für von Konflikten und Klimaschocks betroffene Gemeinden in Somalia, Südsudan und Äthiopien

Thema

Flucht und Vertreibung

Träger

DKH

Kontinent

Afrika

Land

länderübergreifend

Gesamtlaufzeit

01.05.2021 - 31.12.2023

Budget

15.500.000 Euro

Drittmittelgeber

Auswärtiges Amt (AA)

Logo Auswärtiges Amt

Einleitung:
Das Projekt adressiert notleidende Menschen in Ostafrika, die von bewaffneten Konflikten betroffen sind und gleichzeitig immer stärker unter den Folgen der Klimakrise, explodierender Lebensmittel- und Energiepreise sowie den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie leiden. Konflikte und Gewalt sowie durch den Klimawandel verursachte Krisen und Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürre und Schwärme von Wüstenheuschrecken resultieren in Vertreibungen und erhöhen den humanitären Bedarf im Großraum Horn von Afrika. Anfang 2022 hat das VN Welternährungsprogramm Alarm geschlagen: Drei Jahre hintereinander ist der Regen ausgeblieben. Eine vierte ausbleibende Regenzeit im Horn von Afrika wäre ein neuer Negativrekord.

Hintergrund Somalia:
Somalia steht weiterhin an vorderster Front des Klimawandels und ist das am stärksten von der Dürre betroffenen Land am Horn von Afrika. Somalia war schon immer gebeutelt von Klimaextremen, immer häufiger und in kürzeren Abständen kommt es zu katastrophalen Wetterereignissen, die die Lebensgrundlagen der Menschen zerstören. Die Nahrungssituation in Somalia hat sich besonders in den letzten Jahren verschlechtert. Seit 1990 hat das Land 12 Überschwemmungen und 19 Dürren erlebt. Das sind dreimal mehr als im gleichen Zeitraum zwischen 1970 und 1990. Diese extremen Wetterverhältnisse werden weiter überlagert durch die Folgen des seit fast 30 Jahren andauernden Bürgerkrieges in unterschiedlichen Teilen des Landes, der Corona-Pandemie sowie der weltweit explodierenden Preise für Energie und Lebensmittel. Laut einer Prognose der VN vom April 2022 sind mehr als 1,7 Millionen Menschen mangel- und unterernährt, 80.000 Menschen droht akut bereits der Hungertod. Diese Werte sind höher als in der vergangenen schweren Hungersnot von 2016/2017 und der historischen Dürre von 1981. Ein kritischer Wassermangel hat Familien gezwungen, abzuwandern. In einigen der am schlimmsten betroffenen Gebiete sind die Wasserpreise um bis zu 160% gestiegen. Einige Gemeinden sind gezwungen kontaminiertes Wasser zu verwenden, was das Risiko für Krankheiten wie Cholera gerade für Kinder erhöht. Bereits jetzt sind mehr als 600.000 Somalier neu intern vertrieben. Rund 1,4 Millionen Kinder im schulpflichtigen Alter sind von der aktuellen Dürre betroffen, von denen 420.000 (45% Mädchen) Gefahr laufen, die Schule abzubrechen.

Hilfsmaßnahmen Somalia:

  • Verbesserung des Zugangs zu Wasser für über 3.400 Mädchen, Jungen, Frauen und Männer in den Binnenvertriebenen-Camps und Nachbargemeinden.
  • Schulung von 8 Lehrern und 340 Interessensvertretern zu Kinderschutzbeauftragten.
  • Durchführung von Sensibilisierungs- und Dialogveranstaltungen zu Kindesschutz für Schüler, Lehrer und Bildungs-Komittees der Gemeinden.
  • Bildung von Gesundheitsclubs in Schulen.
  • Vermittlung der Wichtigkeit von Schulbildung für Mädchen an Eltern und die breitere Gemeinschaft.
  • Wiederherstellung von 10 sicheren, geschützten und inklusiven Klassenzimmern, Ausstattung mit kindgerechten Möbeln (je 20 Doppeltische und 40 Stühle) und die Bereitstellung von Lehr- und Lernmaterialien für 800 Schüler*innen und 28 Lehrende.
  • Während der Schulzeit erhalten 840 Mädchen und Jungen kostenlos Frühstück und Mittagessen und Schulgutscheine, um die Schulgebühren zu bezahlen.
  • Bereitstellung von Hygienekits für Schulmädchen und Herstellung von Handwaschseife durch Cash for Work Maßnahmen für 480 Personen.
  • Vorbereitung von landwirtschaftliche Flächen durch Cash for Work sowie die Bereitstellung von Wasserpumpen.
  • Verteilung von lokal bevorzugten und angepasstem Gemüse- und Pflanzensaatgut sowie von Werkzeugen an 1.500 Familien (rund 9000 Personen).
  • Bargeldtransfers für 3.395 Haushalte für Arbeitsaktivitäten wie etwa Instandsetzung von Entwässerungssystemen, Sanierung und Bau von Zuleitungskanälen, Schleusentoren und Flussdurchlässen in den Regionen Beletweyne und Jowhar.
  • Nachhaltige Rehabilitierung bzw. Bau von kommunaler Wasserinfrastruktur, wie z.B. Flachbrunnen und Bohrlöcher, durch Cash for Work.
  • Ausstattung von Schulen mit Wassertanks in Mogadishu, die an die kommunalen Wasserleitungen angeschlossen sind.
  • Bereitstellung von Wassergutscheinen für 4.883 Familien mit insgesamt knapp 5.000 Tieren.
  • Einsatz von 2 Notfall- Trinkwasseraufbereitungsanlagen.
  • Sensibilisierung zu COVID-19 durch Präventionsmaterialien.

Durch die Maßnahmen in Somalia profitieren insgesamt 351.494 Personen in den Regionen Banadir, Hiraan, Bay, Galgudug und Mudug.

Hintergrund Südsudan:
Das extreme Ausmaß an Ernährungsunsicherheit und Unterernährung, von dem zwei Drittel der Bevölkerung des Landes betroffen sind, macht den Südsudan zu einer der schlimmsten Notsituationen im Bereich der humanitären Bedürfnisse in der Welt.  Ähnlich wie Somalia und Äthiopien überlagern sich die Folgen von jahrelangem Bürgerkrieg, immer drastischeren Wetterextremen und die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu einer noch nie dagewesenen Hungerkrise. Der Bürgerkrieg und die schweren Überschwemmungen der letzten Jahre, gefolgt von Dürre, haben Millionen dazu gezwungen, in andere Regionen zu ziehen. Schätzungsweise 8,3 Millionen Menschen, einschließlich der Flüchtlinge, werden auf dem Höhepunkt der Magersaison 2022 (Mai-Juli) von schwerer Ernährungsunsicherheit betroffen sein. Dies ist der höchste Stand im Land seit seiner Unabhängigkeit. Dies entspricht einem Anstieg um 7 Prozent gegenüber den 7,7 Millionen Menschen im Jahr 2021. Besonders besorgniserregend ist die Situation in den isolierten und von Kämpfen geschüttelten Provinzen wie z.B. Jonglei und Upper Nile. Im Jahr 2022 werden 13 Landkreise von extremer Ernährungsunsicherheit betroffen sein, gegenüber 6 im Jahr 2021. Darüber hinaus werden 2022 schätzungsweise 2 Millionen Menschen, darunter 1,3 Millionen Kinder unter 5 Jahren und 676.000 schwangere und stillende Frauen, akut unterernährt sein.

Hilfsmaßnahmen Südsudan:

  • Cash for Work Maßnahmen für 5.480 Personen: die Begünstigten rehabilitieren die lokale Infrastruktur wie etwa Straßen, Schulen oder Brunnen und erzielen dadurch ein zusätzliches Einkommen.
  • Verbesserung der Ernährungssicherheit durch bedingungslose Bargeldtransfers für 35.112 Personen.
  • Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion für 5.900 Haushalte (35.400 Personen) durch Verteilung von Gemüse- und Pflanzensaatgut sowie Werkzeuge, weitere 3.542 Haushalte (21.258 Personen) erhalten Fischerei-Kits, außerdem erhalten 1080 Personen Ziegen.
  • Zur Minderung des Katastrophenrisikos werden 18 „Flut-Task-Forces“ eingerichtet und in der Katastrophenvorsorge geschult. Diese erarbeiten 36 Aktionspläne, die durch Cash for Work für 22.200 Personen umgesetzt werden. Durch das Cash for Work werden zentrale Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge und Fluthilfe umgesetzt. Dazu gehören beispielsweise der Bau neuer Deiche sowie die Instandsetzung und Reparatur bereits vorhandener Deiche.

Durch die Maßnahmen im Südsudan profitieren insgesamt 280.586 Personen in den Bundesstaaten Upper Nile, East Equatoria und Jonglei.

Hintergrund Äthiopien:
Auch Äthiopien hat mit den Folgen von extremen Wetterereignissen, einschließlich einer großen Heuschreckenplage, Krieg und der weltweiten explodierenden Energie- und Lebensmittelpreise, auch infolge des Ukrainekrieges, zu kämpfen. Das Land sieht sich mit der schwersten Dürrekrise seit 40 Jahren konfrontiert. Laut der Vereinten Nationen sind 2022 zwischen 5.5 und 6.5 Millionen Menschen ernsthaft von Hungersnot bedroht.  Es wird geschätzt, dass über 1.5 Millionen Vieh allein in den drei Provinzen Somali, Oromia und SNNP aufgrund der dritten Dürre infolge verendet ist. Die Lage in der vom Bürgerkrieg geschüttelten Region von Tigray ist besonders besorgniserregend. Allein in Tigray stehen 400.000 Menschen am Rande einer Hungersnot. Das Verenden von Vieh wie Ziegen, Schafen und Kamelen hat vor allem Konsequenzen für Kleinkinder und Kinder unter 5 Jahren, für die Milch zentral für ein gesundes Wachstum ist. Laut UNICEF wird geschätzt, dass 1 Million Kinder unter 5 Jahren so schwer mangelernährt sind, dass ihr Leben in Gefahr ist. Die Wirtschaft des Landes liegt aufgrund des Bürgerkrieges, der Dürre aber auch der steigenden Lebens- und Energiepreise am Boden. Laut WFP ist die Zahl der Mangelernährten in Äthiopien im letzten Monat um 2.65 Millionen angestiegen (World Hunger Map, WFP). Der sogenannte Mindestausgabenkorb, mit dem die Vereinten Nationen die Kosten für den Grundbedarf eines Haushalts erheben ist um 66 Prozent gestiegen. 

Hilfsmaßnahmen Äthiopien:

  • Aufbau von Schutz- und Überwachungsmechanismen zu sexualisierter Gewalt: Dazu schulen zuvor von den Projektpartnern fortgebildete Gemeindesozialarbeiter und Multiplikatoren, 550 Gemeindemitglieder und informieren zu Präventions- und Hilfsmöglichkeiten.
  • In einem weiteren Projektgebiet wird als Schutzmaßnahme auch psychologische Erstberatung für 20.000 Vertriebene angeboten.
  • Zur Verbesserung der Ernährungssituation erhalten 5.260 Personen Nahrungsmittelverteilungen für insgesamt drei Monate.
  • Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion in einem weiteren Projektgebiet durch Schulung von 50 landwirtschaftlichen Gemeindearbeitern. Jeder Gemeindearbeiter berät anschließend lokale Bauern in den Möglichkeiten, die Ernteerträge zu steigern. Die Gemeindemitglieder profitieren davon doppelt: für ihre geleistete Arbeit an der Wasserinfrastruktur erhalten 150 Personen ein Einkommen durch Cash for Work. Gleichzeitig steigern die verbesserten Bewässerungssysteme die Nahrungsmittelproduktion.
  • 300 Frauen werden darin unterstützt, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie nehmen an einkommensschaffenden Maßnahmen teil und erlernen beispielsweise die Herstellung von Briketts aus Prosopis, einer heimischen Baumart. Mit Start-Up Hilfen können sich selbstständig machen.
  • Eine weitere Komponente verknüpft die Förderung von Jugendlichen mit den Hilfsmaßnahmen der Frauengruppen: So wird eine Maurerwerkstatt gebaut und mit Lernwerkzeugen ausgestattet. Die Werkstätten dienen als Ausbildungszentren, in den 50 Jugendliche etwa in der Herstellung von Briketts geschult werden.
  • Ergänzend leistet das Projekt auch Hygienehilfe zum Schutz vor COVID19 und verbessert durch den Bau von 20 Gemeindelatrinen mit Handwasch-Stationen die sanitäre Mindestversorgung der Menschen.
  • Die Katastrophenvorsorge auf Gemeindeebene wird verbessert. Zehn Katastrophenschutz-Komitees werden gebildet und erstellen gemeinsam mit in den lokalen Behörden Risikoanalysen sowie Vorsorge- und Reaktionspläne für Katastrophen wie Dürren und Überschwemmungen.

Das Projekt begünstigt Vertriebene aus Tigray ebenso wie Notleidende aus den aufnehmenden Gemeinden in den Regionen Afar. Insgesamt profitieren mehr als 28.500 Personen von den Aktivitäten in Äthiopien.

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