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Juri ist zehn Jahre alt. Ihr Bein wurde 2013 in einem Vorort von Damaskus bei einem Granatenangriff schwer verletzt. Ihre Schwester kam dabei ums Leben. Foto: Isabelle Uhe 

Bisher konnte Juri keine richtigen Schuhe tragen. Heute bekam sie orthopädische Schuhe von der holländischen Physiotherapeutin Femmy Kragt. Foto: Isabelle Uhe 

In diesem Container im Zaatari-Camp findet der Unterricht und die Therapiesitzungen statt. Foto: Isabelle Uhe 

Die dreijährige Nisan hat eine gekrümmte Beinstellung. Wahrscheinlich wurde diese psychosomatisch durch die Lebensumstände im Camp verursacht. Isabelle Uhe 

Durch das Engagement der Physiotherapeutin Femmy Kracht erhält sie einmal die Woche Physiotherapie im Zentrum von HLID. Foto: Isabelle Uhe 

Unterricht in Zeichensprache beim Holy Land Institute for the Deaf. Der Unterricht wird oftmals von Freiwilligen erteilt. Isabelle Uhe 

Menschen mit Behinderungen sind auf der Flucht doppelt belastet

Zweifach betroffen

Die zehnjährige Juri überlebte einen Raketenangriff, bei dem ihre Schwester ums Leben kam. Die Explosion zertrümmerte ihren rechten Unterschenkel. Die jordanische Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe, Holy Land Institute for the Deaf, ermöglicht Behinderten ein menschenwürdiges Leben.

Juris Bein wird jetzt mit einem Gerüst zusammengehalten, dessen Stäbe den Knochen stabilisieren, sodass er wieder zusammen wachsen kann. Von HLID bekam sie nun orthopädische Schuhe, die ihr mehr Halt und Sicherheit beim Laufen geben. Auch Juri kann nun einmal pro Woche eine Physiotherapiestunde besuchen, um das Auftreten neu zu erlernen und die Muskulatur zu stärken.

Gemeinsam mit ihrer Mutter wiederholt sie in ihrem vorübergehenden Zuhause die erlernten Übungen. „Juri ist sehr tapfer. Sie hat viel Schlimmes erlebt. Die Wunden des Erlebten werden langsamer heilen als ihr Bein. Doch die neuen Schuhe geben ihrem Körper schon einmal den erforderlichen Halt, um erste Schritte in Richtung Genesung zu gehen“, stellt Femmy Kragt fest, während sie dem jungen Mädchen die neuen Schuhe zubindet.

Nur gesundheitliche Grundversorgung ist gesichert

In den jordanischen Flüchtlingscamps kümmert sich das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR um die Gesundheitsversorgung, die sogar kostenlos ist. Diese betrifft aber nur den allgemeinen Bedarf, ist jedoch nicht auf die Probleme von  Menschen mit Behinderungen eingestellt. Das Holy Land Institute for the Deaf (HLID) konzentriert sich im Lager Za’tari vor allem auf gehörlose, schwerhörige, taubstumme und blinde Menschen. Schätzungen zufolge leben hier etwa 8.000 Flüchtlinge mit Behinderungen, etwa ein Viertel dieser Menschen benötigt Hilfsmittel (zum Beispiel: Geh- und Sehhilfen oder Hörgeräte), Physiotherapie oder psychosoziale Hilfe.

Lange Wartelisten, hohe Nachfrage

Von Montag bis Freitag finden auf dem Gelände der Organisation im nördlichen Teil des Lagers die Kurse in den für Za’tari typischen Containern statt. „Unsere Wartelisten sind lang“, berichtet Bothaina Khreisat, Projektkoordinatorin der jordanischen Hilfsorganisation, und zieht ein Schreibheft aus der Schublade hervor. „Dies sind die Namen allein der Menschen hier im Camp, die einen Hörtest mit uns gemacht haben und Hörgeräte benötigen.“ Die Liste endet bei der Zahl 235. Seit Oktober 2014 konnte die Organisation bereits 50 Flüchtlinge mit Hörgeräten versorgen. „Wir kümmern uns vorrangig um Kinder unter 18. Sie sind die Wichtigsten. Auch alten Menschen, die bereits Hörgeräte besitzen, helfen wir, indem wir Ihnen neue Batterien für ihre Geräte geben oder diese warten lassen.“

Wege aus der Stille

„Viele Hörprobleme sind auf die lauten Explosionen von Bomben und Raketen zurückzuführen“, berichtet Bothana Khreisat weiter. „Doch zu uns kommen auch Kinder, die von Geburt an taub sind.“ Wie zum Beispiel die dreijährige Lamia. Sie bekam bereits in Syrien ein Hörgerät. Bei HLID erhält sie nun vier Mal pro Woche Sprachtherapie. Ihre Mutter erzählt stolz: „Lamia lernt gerade das Alphabet. Sie kann bereits Mama und Merhaba (Hallo, Anm. d. Red.) sagen.“ Lamia und ihre Familie leben seit zweieinhalb Jahren im Camp. „Ich gehe auch alle zwei Wochen zu einer Frauengruppe hier bei HLID“, fährt die vierfache Mutter fort. „Dort kann ich mich mit anderen Frauen über Fragen bezüglich der Behinderungen unserer Kinder austauschen. Das ist eine große Hilfe für mich. Denn es ist manchmal sehr schwer für Menschen mit Behinderungen, da sie oft nicht ernst genommen werden. Und gerade Kinder leiden besonders darunter.“

Hilfe nach traumatischen Erfahrungen

HLID bietet in Zusammenarbeit mit der Diakonie Katastrophenhilfe außerdem Therapiesitzungen für Menschen mit psychischen Problemen an, auch hier insbesondere für Kinder, die während des Krieges Schlimmes erleben mussten und in vielen Fällen eine schwierige Flucht hinter sich haben.

„Die Kurse und Therapien werden von 11 Freiwilligen durchgeführt. Das Team bilden 10 Frauen aus Syrien sowie Femmy aus den Niederlanden und ein Jordanier. Die Syrerinnen haben Krieg und Flucht selbst erlebt; das erleichtert in den Therapiesitzungen den Zugang zu den Kindern natürlich sehr. Der Bedarf im Camp übersteigt jedoch unsere Kapazitäten. Wir sind eine der wenigen spezialisierten Organisationen in diesem Bereich hier im Camp“, so die Projektkoordinatorin Bouthaina Khreisat.

Die traumatisierende Flucht kann ihrerseits wieder körperliche Auswirkungen haben. Die dreijährige Nisan leidet unter eine Fehlstellung der Beine. Nun erhält sie wöchentliche Physiotherapiestunden von der niederländischen Physiotherapeut in Femmy Kragt, die ein halbes Jahr lang als Freiwillige bei der Organisation arbeitet. „Nisan ist im Krieg geboren und hier im Camp aufgewachsen. Die Fehlstellung hat vermutlich psychosomatische Ursachen und kann auf die schwierige Lebenssituation hier im Lager zurückgeführt werden. Das Zusammenleben auf engstem Raum, nur wenige Möglichkeiten zu spielen und generell wenig Aufmerksamkeit belastet viele Kinder im Camp. Auch Gewalterfahrungen sind keine Seltenheit. Mit Nisan versuche ich nun, ihr Körperbewusstsein zu stärken und damit eine Verschlimmerung der Fehlstellung ihrer Beine zu verhindern.“

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