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Die Jugendlichen in Caquéta wünschen sich ein friedliches Zusammenleben. Foto: Federico Rios
Auch ganz normal zur Schule zu gehen, ist vielen Jugendlichen wichtig. Foto: Federico Rios
Die Rap-Gruppe C-17 setzt sich mit ihren Texten für den Frieden ein. Foto: Federico Rios
Die Diakonie Katastrophenhilfe bietet spezielle Programme für Kinder und Jugendliche an, um sie vor Gewalt zu schützen. Foto: Federico Rios
In Friedenskursen lernen die Jugendlichen auch den Umgang mit der Kamera. Foto: Federico Rios
In den Kursen wird auch das Selbstbewusstsein und der soziale Umgang miteinander gefördert. Foto: Federico Rios
Kolumbien

Für ein menschenwürdiges Leben

Die Hoffnung auf Frieden war groß: Nach 50 Jahren Bürgerkrieg, Gewalt und Vertreibung unterzeichnete die kolumbianische Regierung im Dezember 2016 ein Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia). Ein halbes Jahrhundert der Gewalt kostete mehr als 220.000 Menschen das Leben und führte zu mehr als 7 Millionen Vertriebenen im eigenen Land – so viel wie in keinem anderen Land der Welt. Fernab der Weltöffentlichkeit ist ihre humanitäre Situation in vielen Teilen des Landes immer noch verheerend: Es fehlt an Lebensgrundlagen und sicheren Unterkünften, ausreichend Nahrungsmitteln und Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und Gesundheitsversorgung. Die Diakonie Katastrophenhilfe bleibt und engagiert sich für die Menschen vor Ort.

Kein Frieden in Sicht

Zwischen Januar und August 2017 übergaben die Ex-Guerilleros mehr als 8.000 Schusswaffen an die Vereinten Nationen. Jetzt leben die etwa 7.000 ehemaligen Mitglieder in landesweit 26 Schutzzonen, wo sie auf die Eingliederung in ein normales Leben, jenseits des bewaffneten Konflikts warten.
Aus der FARC ist eine politische Gruppierung mit dem Namen Fuerza Alternativa Revolucionaria del Común entstanden. Sitze im Parlament sind ihr garantiert – gemäß dem Friedensvertrag. Auch die  Opfer des Konflikts sollen entschädigt werden.
 
Doch bisher ist kein Frieden eingekehrt. Im Gegenteil: Die Lage der Menschen in den vom Konflikt betroffenen Regionen hat sich wieder verschlechtert. In den von der FARC geräumten Gebieten haben sich neue Dynamiken um die Kontrolle der legalen und illegalen Wirtschaft gebildet. Andere nicht-staatliche bewaffnete Gruppen, sogenannte GAPD (Grupos Armados Pos Desmovilización), kämpfen gegen die staatlichen Sicherheitskräfte, kriminelle Banden betreiben Erpressung und Nötigung. Dabei gibt es alte Akteure, wie etwa die Guerilla ELN, als auch neue Akteure: So versuchen beispielsweise Drogenkartelle aus Mexiko oder Guatemala direkt im kolumbianischen Drogenanbau tätig zu werden.  
Für knapp die Hälfte aller Vertreibungen in 2017 ist die Guerilla ELN (Ejército de Liberación Nacional) verantwortlich. Sie beteiligte sich unter anderem an Kämpfen mit anderen GAPDs, führte eigene Aktionen durch und stieß immer wieder mit öffentlichen Kräften, Dissidenten der FARC und anderen bewaffneten Gruppen zusammen.

Die Lage an der Pazifikküste: Chocó, Valle del Cauca und Cauca

In vielen Teilen Kolumbiens ist es auch nach dem Friedensschluss weiterhin zu Vertreibungen gekommen, zwei Drittel davon passierten in den an die Pazifikküste grenzenden Regionen im Westen des Landes. Vor allem in den Gemeinden Buenaventura und Litoral de San Juan ist die Situation besorgniserregend: Im Vergleich zu 2016 haben die Vertreibungen nicht abgenommen, sondern sogar deutlich zugenommen – von Frieden fehlt hier noch jede Spur.

Kämpfe zwischen der ELN und neuen bewaffne-ten Gruppen gelten als Gewaltursache. Das Gebiet im Süden des Chocó und das angrenzende Valle del Cauca sind abgelegen und schwer zugänglich. Die Menschen dort sind bitterarm: sie können kaum ihre Grundbedürfnisse decken und haben weder Mittel noch Möglichkeiten der Gewalt zu entkommen.

Die Region Chocó gehört wie Valle del Cauca und Cauca zu den ärmsten des Landes. Die Bevölkerung setzt sich aus Afrokolumbianern, indigenen Minderheiten und Mestizen zusammen. Die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen den bewaffneten Akteuren schränken die Gemeinden bei der Ausübung ihres Erwerbslebens wie beispielsweise dem Fischfang oder dem Landbau ein. Die Bewegungsfreiheit wird zusätzlich durch Landminen eingeschränkt, die immer wieder Zivilisten das Leben kosten. Kinder und Jugendliche laufen zudem Gefahr, von den bewaffneten Gruppen rekrutiert zu werden, während Frauen vor allem Opfer von sexueller Gewalt werden. All das hat großen Einfluss auf die Zivilbevölkerung – aus Angst vor Übergriffen bleibt vielen nur die Flucht in andere Gebiete.

Die humanitäre Situation im Chocó ist so schlecht, dass von mehr Frieden und Demokratie nicht die Rede sein kann. Trotzdem haben sowohl die Vereinten Nationen als auch internationale Organisationen aufgrund des Friedensschlusses damit begonnen, sich aus dem Gebiet zurückziehen. Die Diakonie Katastrophenhilfe wird jedoch weiterhin in Kolumbien vor Ort bleiben, um dem immensen humanitären Bedarf zu begegnen.

Hilfe für Konfliktopfer

Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet schon seit vielen Jahren mit der Partnerorganisation Fundación Tierra de Paz (TdP) zusammen und führt Projekte zur Friedenserziehung, zum Schutz und zur Stärkung der Gemeinden durch. Diese richten sich besonders an Frauen, Kinder und junge Erwachsene. Insgesamt werden in allen Projekten in Kolumbien, an denen die Diakonie Katastrophenhilfe beteiligt ist, mehr als 18.000 Personen unterstützt. Dazu gehören beispielsweise psychosoziale Begleitung, Weiterbildungen zur Aufklärung über Opferrechte oder die Bereitstellung von Startkapital für familiäre einkommensschaffende Maßnahmen. Kinder und Jugendliche werden zum Verbleib im Bildungssystem unterstützt und in Schulen wird ein Programm zum friedlichen Zusammenleben durchgeführt. Gemeinsam mit zuvor ausgewählten und geschulten Vertrauenspersonen der Gemeinden werden Strategien und Maßnahmen zur Risikobekämpfung ausgearbeitet, die mit Schülern, Eltern, Familienangehörigen und Gemeindemitgliedern durchgeführt werden. Im Rahmen eines Projektes werden zudem konkret aus Venezuela kommende Kinder, Jugendliche und Frauen in den Grenzgebieten von Puerto Carreño Dep. Vichada und Inírida (Dep. Guainía) betreut.

Familien und soziale Gefüge stärken

Ein aktuelles Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe, das bis mindestens Ende 2019 läuft und auch das Bundesministerium in großem Umfang fördert, hat zum Ziel, das Zusammenleben der seit Jahrzehnten vom Konflikt betroffenen Familien, Gemeinden und Ethnien in Kolumbien zu fördern. So soll der Dialog der Menschen untereinander und mit staatlichen Institutionen intensiviert werden. Gleichzeitig zielt die Arbeit der Diakonie darauf ab, ehemaligen Kämpfern eine Integration in ein stabiles soziales Umfeld zu ermöglichen.

So hilft Ihre Spende

  • Mit 80 Euro kann eine Familie mit dringend benötigten Nahrungsmitteln versorgt werden.
  • 90 Euro reichen aus, um zehn Kinder unter fünf Jahren einen Monat lang mit zusätzlicher Milch zu versorgen.
  • 110 Euro sind ein wertvoller Beitrag, um den Opfern des Konfliktes mit psychologischer Beratung zur Seite zu stehen.

Infografik Kolumbien Inlandsvertriebene und Flüchtlinge

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Kolumbiens Krieg
Ein Dossier von Caritas International und Diakonie Katastrophenhilfe in Zusammenarbeit mit der Redaktion von Weltsichten.
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Mit 80 Euro kann eine Familie mit dringend benötigten Nahrungsmitteln versorgt werden.

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Tel.: +49 (0)30 65211-4711
E-Mail: service@diakonie-katastrophenhilfe.de

Die Diakonie Katastrophenhilfe...

...leistet seit 60 Jahren weltweit dort Hilfe, wo die Not am größten ist. Sie unterstützt Menschen, die Opfer von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung geworden sind und diese Notlage nicht aus eigener Kraft bewältigen können. Sie hilft unabhängig von Religion, Hautfarbe und Nationalität.

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