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Esther Ngolela Badibanga (60)

Esther lebt zusammen mit ihrem Ehemann Malumba Muntu Justin und ihren Kindern in Zapo Zapo und ist Bäuerin. Nach ihrer Rückkehr aus dem Busch hat sie zwei Vertriebene aufgenommen, die Geschwister Francois Malemba Tshionza (18) und Tantine Suila Tshionza (14). Als Unterstützung hat sie von der Diakonie Katastrophenhilfe drei Kleintiere bekommen, sie hat sich Hühner ausgesucht.

„Vor den Unruhen hatten wir ein gutes Leben. Krieg kannten wir nicht. Aber im April 2017 kamen Milizionäre ins Dorf. Wir hatten schon von den Grausamkeiten gehört, die Milizionäre und Soldaten in anderen Dörfern verübten. Jetzt waren die Milizionäre also bei uns und fingen an, meine Hühner und Ziegen zu stehlen. Da bin ich mit meiner Familie geflohen, damit sie uns nicht als nächstes angreifen."

„Meine Kaninchen habe ich mitgenommen, als ich geflohen bin. Zurückgelassen habe ich die Schafe, unsere Anziehsachen und unsere Haushaltsgegenstände. Die meisten meiner Kaninchen sind im Busch eingegangen, sie haben die Umstände dort nicht überlebt. Wir hatten größte Mühe, zu essen zu finden. Wir haben Mais von fremden Feldern geerntet, haben ihn geschält und roh aus der Hand gegessen. Und wenn wir Maniok gefunden haben, haben wir den auch gegessen, außerdem Nüsse.

Ich habe Palmblätter abgeschnitten und auf den Boden gelegt, darüber haben wir Moskitonetze aufgehängt. Da habe ich mit meinen Kindern geschlafen. Mein Mann war auch dabei, aber er war mir keine Hilfe. Er ist Alkoholiker, hat Tuberkulose und ist deshalb so schwach, dass er nur wenig tun kann. Im Busch habe ich mir vor allem um mein jüngstes Enkelkind große Sorgen gemacht. Es war noch sehr klein als wir fliehen mussten, und während der Zeit im Busch wurde es immer schwächer. Obwohl wir jetzt schon so viele Monate zurück im Dorf sind, hat es sich immer noch nicht erholt und kann nicht laufen. Dabei ist es schon ein Jahr und vier Monate alt.“

 

Tantine Suila Tshionza, 14, und Francois Malemba, 18, wurden von Esther Ngolela Badibanga und ihrer Familie aufgenommen. Sie mussten mit ansehen, wie ihr Vater ermordet wurde.
  

„Wir sind drei Monate lang in unserem Versteck geblieben. Schließlich ist der Gouverneur aus Kananga gekommen und hat verkündet, dass der Friede wieder hergestellt sei. Da sind wir in unser Dorf zurückgekehrt. Mein Haus stand noch unversehrt, weil es sehr solide ist. Bald danach habe ich zwei Vertriebene aufgenommen, der Junge ist 18, seine Schwester 14. Ich habe sie in unserer Kirche getroffen, ich bin Protestantin und Vorsitzende unserer Frauengruppe.

Die beiden, die ich aufgenommen habe, sind auch Protestanten. Ihr Vater wurde in Luebo vor ihren Augen getötet, danach sind sie geflohen. Als sie in unsere Kirche kamen und um Hilfe baten, waren sie schon seit drei Wochen auf der Flucht. Unser Pastor fragte, wer sie aufnehmen kann. Ich habe ja selbst Kinder und stellte mir vor, meine eigenen wären in einer solchen Notlage. Außerdem haben im Busch andere Vertriebene ihr Essen mit mir geteilt, als meine Familie nichts hatte. Wie könnte ich da anderen Hilfe verweigern, die in Not sind? Deshalb habe ich mich gemeldet und sie zu mir genommen. Sie leben bis heute mit uns zusammen und sind für mich wie meine eigenen Kinder.“

 

Esther hat drei Hühner von der Diakonie Katastrophenhilfe bekommen: „Mit Hühnern kann man besser fliehen als mit Kaninchen.“ Die Angst, wieder fliehen zu müssen, bleibt. 
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„Es geht uns immer noch nicht gut, wir haben nicht genug zu Essen. Der Mais ist knapp und auf dem Markt deshalb sehr teuer. Trotzdem bin ich zuversichtlich. Ich hatte noch etwas Saatgut und habe Mais, Bohnen und Maniok gepflanzt. Jetzt hoffe ich, dass die nächste Ernte gut wird. Außerdem haben drei meiner zehn Kaninchen überlebt. Und ich habe neuerdings ein Schwein. Und das kommt so: In unser kirchlichen Frauengruppe vergeben wir einander rundum Mikrokredite. Ich war an der Reihe, kurz bevor die Kämpfe begannen. Während des Krieges habe ich auf das Geld gut aufgepasst, und als ich ins Dorf zurückkam, habe ich davon das Schwein gekauft. Jetzt habe ich dank der Diakonie Katastrophenhilfe auch noch drei Hühner geschenkt bekommen. Ich hätte auch Kaninchen wählen können aber ich sage mir, dass ich mit den Hühnern besser fliehen kann als mit Kaninchen, falls es noch einmal eine Krise gibt. Zurzeit ist alles ruhig, aber wir haben immer noch Angst vor neuen Unruhen, das gebe ich zu. Schließlich kann man in die Menschen nicht hineinsehen. Trotz meiner Angst bin ich optimistisch. Ich weiß, dass ich hart werde arbeiten müssen, um mein Leben wieder aufzubauen. Aber es gibt dank des Schweins und der Hühner einen Anfang. Mein Leben wird weitergehen, und vor Arbeit habe ich keine Angst, weder auf dem Feld noch mit den Tieren.“


Das Projekt der Diakonie Katastrophenhilfe in der DR Kongo wird unterstützt vom Auswärtigen Amt.

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