Die Diakonie Katastrophenhilfe setzte im Jahr 2009 die meisten ihrer Mittel für die Opfer humanitärer Katastrophen in Afrika ein, gefolgt von Asien und Lateinamerika.
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Überlebenshilfe bei akuten Katastrophen in Afrika
Somalia war das Land in Afrika, auf das die Diakonie Katastrophenhilfe den Schwerpunkt legte – entsprechend dem Ausmaß der dortigen humanitären Krise. 2,7 Millionen Euro wurden dort für akute Überlebenshilfe und – wo immer möglich – für Ansätze entwicklungsorientierter Nothilfe eingesetzt. Während sich die westliche Berichterstattung auf das Phänomen der Piraterie vor den Küsten Somalias konzentrierte, litt die Bevölkerung in unvorstellbarer Weise unter Dürre und Krieg. Die Hoffnungen auf einen internen Friedensprozess, die mit dem Abzug der äthiopischen Truppen Anfang 2009 verbunden worden waren, erfüllten sich nicht. Erneut eskalierten Gewaltkonflikte, deren Hauptopfer Zivilisten waren.
Unsicherheit und Gewalt erschwerten auch die Umsetzung der Hilfsmaßnahmen. Laut UN-OCHA, dem Büro der Vereinten Nationen zur Koordination humanitärer Hilfe, war 2009 jedes fünfte Kind in Somalia akut unterernährt. Die Diakonie Katastrophenhilfe leistete mit Unterstützung des internationalen Netzwerkes ACT International (seit 1.1.2010 ACT Alliance), des Auswärtigen Amts und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Nahrungsmittelhilfe, verteilte Trinkwasser und verbesserte die sanitäre Situation für zehntausende Binnenflüchtlinge in den Lagern um die Hauptstadt Mogadischu.
In der Demokratischen Republik Kongo dauerte die gravierende humanitäre Krise im Osten des Landes auch 2009 an. Die Lage in den Provinzen Nord-Kivu, Süd-Kivu und Orientale war unverändert schlecht. Zwischen allen Konfliktparteien kam es immer wieder zu Kampfhandlungen. Nach wie vor ist die Zivilbevölkerung schwersten Menschenrechtsverletzungen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts ausgesetzt, die selten juristisch verfolgt werden. Die anhaltenden Kämpfe, aber auch die willkürlichen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung, hatten und haben eine massenhafte Flucht und Vertreibung im Osten des Landes zur Folge. Allein in der Provinz Nord- Kivu waren Ende August 2009 über eine Million Menschen auf der Flucht.
Die Diakonie Katastrophenhilfe setzte 3,2 Millionen Euro in Hilfsmaßnahmen ein. Mit Unterstützung der EU-Nothilfeabteilung ECHO konnte in einem einzigen Projekt rund 60.000 Binnenvertriebenen und den sie aufnehmenden Familien im Nord-Kivu ein neuer Start ermöglicht werden. Landwirtschaftliche Werkzeugsets und Saatgut wurden verteilt und verschüttetes landwirtschaftliches Wissen in Schulungen und Beratungen aufgefrischt.
Hilfe für Opfer sexueller Gewalt im Kongo
Ein Programmschwerpunkt der Diakonie Katastrophenhilfe in der Demokratischen Republik Kongo ist die Hilfe für Vergewaltigungsopfer. Vor allem Frauen und Mädchen werden immer wieder Opfer sexueller Gewalt durch Angehörige der verschiedenen kämpfenden Gruppen, die Vergewaltigungen gezielt als Kriegswaffe einsetzen. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt Aktivitäten, die den Überlebenden helfen, die vielfältigen Folgen zu bewältigen. So stehen Kampagnen und Aufklärungsarbeit der Bevölkerung über dieses Thema im Mittelpunkt der Arbeit der lokalen Partnerorganisation. Da das Personal in den ländlichen Gesundheitseinrichtungen oft nicht weiß, wie es mit den Betroffenen umgehen und sie angemessen behandeln soll, werden in einem neuen Projekt Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter und Pflegekräfte von zehn ländlichen Kliniken weitergebildet. Die Kliniken erhalten außerdem Medikamente und medizinisches Verbrauchsmaterial, um die Basisgesundheitsversorgung zu verbessern.
Die wirtschaftliche Selbstversorgung marginalisierter Frauen (Überlebende sexueller Gewalt, Witwen, jugendliche Mütter) ist Ziel eines weiteren Projektes. In Gruppen lernen die Betroffenen, Seife, Palmöl oder Backwaren herzustellen, die sie anschließend auf den lokalen Märkten verkaufen können. Ihr Wissen geben sie inzwischen auch an andere interessierte Frauen weiter. Auch in diesem Projekt finden Sensibilisierungsveranstaltungen zu den Themen HIV/AIDS und sexuelle Gewalt für die allgemeine Bevölkerung statt.
Naturkatastrophen in Lateinamerika und Asien
In Lateinamerika und der Karibik blieben im Jahr 2009 Kolumbien und Haiti die Länder mit den schwersten humanitären Katastrophen. Schon lange vor dem verheerenden Erdbeben vom Januar 2010 hatte die Diakonie Katastrophenhilfe in Haiti humanitäre Hilfe geleistet, Hurrikan-Opfer versorgt und Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge ergriffen. Von 562 Häusern, die nach Hurrikans sturmsicher wiederaufgebaut wurden, hielten fast 90 % auch bei dem Erdbeben stand – in einer Region, die schwer betroffen war. Ein Schutzraum, der 2009 eröffnet worden war, bietet jetzt zahlreichen Erdbebenopfern ein festes Dach über dem Kopf, bis ihre Häuser mit Hilfe der Diakonie Katastrophenhilfe wieder aufgebaut sind.
In Birma setzte die Diakonie Katastrophenhilfe weitere 900.000 Euro für den Wiederaufbau nach dem Tropensturm Nargis (Mai 2008) ein. Auf den Philippinen erhielten Opfer der schweren Stürme Parma und Ketsana (Herbst 2009) akute Überlebenshilfe im Umfang von einer Million Euro.
Netzwerkarbeit
Seit 1995 ist die Diakonie Katastrophenhilfe aktives Mitglied des internationalen kirchlichen humanitären Hilfe-Netzwerks ACT International. In den vergangenen Jahren war der Vorstand der Diakonie Katastrophenhilfe führend in die Planung und Vorbereitung der Fusion von ACT International mit ACT Development, dem internationalen Entwicklungszusammenarbeitsnetzwerk der Kirchen, eingebunden. Zum Jahreswechsel 2010 nahm die ACT Alliance ihre Arbeit auf. Ziel der Fusion war es unter anderem, den Übergang von Nothilfe, über Rehabilitation zu Entwicklungshilfe besser gestalten zu können.
Mitarbeitende der Diakonie Katastrophenhilfe brachten auch 2009 ihre Erfahrungen in mehrere Arbeitsgruppen des Netzwerks ein. Im Rahmen der Arbeitsgruppe Klimawandel unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe federführend den Austausch zwischen Süd und Nord und lässt die Erfahrungen ihrer Partner vor Ort in hochrangige Gremien wie dem Inter-Agency Standing Committee (IASC) der Vereinten Nationen einfließen. Des Weiteren ist die Diakonie Katastrophenhilfe in den Überarbeitungsprozess der „Sphere Standards“ einbezogen. Dabei handelt es sich um grundlegende Standards für professionelle humanitäre Hilfe, die von acht großen internationalen humanitären Organisationen und Netzwerken erarbeitet wurden und 2010 um wichtige Themen wie etwa Katastrophenvorsorge erweitert werden.
Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel
Direktorin Diakonie Katastrophenhilfe
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