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Der schwere Weg aus den Trümmern

Haiti – ein Jahr nach der Katastrophe

Berlin, 14.12.2010Caritas international, das Deutsche Rote Kreuz, die Diakonie Katastrophenhilfe, und UNICEF Deutschland rufen dazu auf, in Haiti den Übergang von der humanitären Hilfe für die Erdbebenopfer zum langfristigen Wiederaufbau zu forcieren. Dazu gehört vor allem der Aufbau von verlässlichen Institutionen im Bereich Gesundheit, Bildung, Ernährung und Kinderschutz.

Trotz zahlreicher Erfolge im vergangenen Jahr sind insbesondere die ärmsten Familien und ihre Kinder von Krankheiten und neuen Naturkatastrophen bedroht. Unzureichende staatliche Strukturen und politische Instabilität erschweren den Wiederaufbau. Die im Aktionsbündnis Katastrophenhilfe zusammengeschlossenen Organisationen unterstreichen in ihrer Zwischenbilanz, dass die rasche internationale Hilfe nach dem Beben vielen Menschen das Leben gerettet und die Not in den zerstörten Orten gelindert hat. So wurden in den vergangenen elf Monaten Hunderttausende Menschen mit Wasser, Nahrung, Zelten oder medizinischer Hilfe versorgt und wichtige Grundlagen für den Neuanfang geschaffen.

Gleichzeitig haben aber die Zerstörungen die schon lange schwelenden Probleme in einem der ärmsten Länder der Welt noch weiter verschärft. Die dramatische Ausbreitung der Cholera in den vergangenen Wochen, der schon rund 2.200 Menschen zum Opfer gefallen sind, zeigt die völlige Überforderung des Staates weit über die Obdachlosenlager in den Erdbebengebieten hinaus.
„Die Haitianer können sich aus dieser Spirale von Armut, Gewalt und Krankheit nicht aus eigener Kraft befreien. Wenn Behörden versagen, müssen wir umso mehr versuchen, gemeinsam mit dem Haitianischen Roten Kreuz die Abwehrkräfte der Menschen selbst zu stärken“, sagte Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes.

„In Haiti kann es keine Entwicklung zum Besseren geben, wenn nicht die betroffene Bevölkerung selbst zum Motor der Veränderung wird. Dazu gehört, dass wir all unsere Hilfen mit den Menschen planen und mit ihnen umsetzen. Alles andere würde ein Strohfeuer bleiben“, erklärte Prälat Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes.

„Wenn in Haiti in etwa die für Stuttgart 21 veranschlagte Summe ausgegeben würde, könnte man gerade einmal die durch das Erdbeben verursachten Schäden beseitigen. Aber auch dann wäre das Land noch bitter arm“, sagte Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe.

„Haiti ist heute wie ein Patient auf der Intensivstation, der gleichzeitig selber gehen soll. Jetzt muss alles daran gesetzt werden, Staat und Zivilgesellschaft in die Lage zu versetzen, die Grundversorgung der Menschen zu sichern“, sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland.

Die internationale Hilfe steht gegenwärtig gleichzeitig vor sehr unterschiedlichen, komplexen Herausforderungen:
• Es müssen Wohnmöglichkeiten geschaffen und die Grundversorgung in den Gemeinden sichergestellt werden, um die Rückkehr der 1,3 Millionen Obdachlosen zu ermöglichen.
• Gleichzeitig muss die Versorgung der Menschen in den Notlagern weitergehen, damit sich die humanitären Bedingungen nicht noch verschlechtern.
• Die Gemeinden müssen auf weitere Naturkatastrophen vorbereitet und der Katastrophenschutz gestärkt werden.
• Öffentliche Institutionen wie Schulen, Krankenhäuser, Kinderschutzeinrichtungen aber auch Verwaltungen müssen gestärkt werden.
• Der Kampf gegen die Cholera muss weiter verstärkt werden.

Schwerpunkte der Organisationen des Aktionsbündnisses:
Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe, und UNICEF leisten zusammen mit ihren Partnern umfassende Not- und Wiederaufbauhilfe in Haiti.

Caritas international, das Hilfswerk der Deutschen Caritas, konnte gemeinsam mit den Partnern aus dem weltweiten Caritas-Netzwerk 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln und 100.000 Menschen mit Zelten und anderen Notunterkünften versorgen. Über die lokalen kirchlichen Strukturen erreicht Caritas international insbesondere diejenigen, die sich nicht selbst helfen können: Alte, kranke und behinderte Menschen sowie Kinder. Neben dem langfristigen Wiederaufbau steht aktuell die Bekämpfung der Cholera im Mittelpunkt.

Das Deutsche Rote Kreuz hat in seinem mobilen Krankenhaus über 70.000 Patienten behandelt. Heute betreibt es eine Cholerastation für bis zu 250 Patienten am Tag. 1.000 stabile Unterkünfte wurden gebaut, 2.000 weitere folgen. Für die Rotkreuzbewegung ist der Haitieinsatz die größte Hilfsaktion, die es je für ein einzelnes Land gegeben hat. Neben dem DRK sind 20 weitere nationale Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaften im Einsatz.

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat bisher in Jacmel und Bainet, rund 450 permanente Häuser gebaut. 800 weitere Häuser sind geplant. Auch im Westen des Landes entstehen 150 Häuser. Im Südosten wurden drei Schulen wieder aufgebaut. Gegenwärtig werden vier Gesundheitsstationen und ein Krankenhaus wieder hergestellt. Mit seinen Partnern unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe den Kampf gegen die Cholera-Epidemie sowie Maßnahmen zur Ernährungssicherung und Katastrophenvorsorge (Infos hier).

UNICEF koordiniert die humanitäre Hilfe in den Bereichen Wasserversorgung, Kinderernährung, Bildung und Kinderschutz. Im Kampf gegen die Cholera unterstützt UNICEF derzeit 40 Gesundheitsstationen und 74 Partnerorganisationen mit Materialien zur Wasserreinigung, Medikamenten, Zelten und Seife sowie landesweite Aufklärungskampagnen. 16 Übergangsschulen wurden fertig gestellt, weitere 85 sind in Bau. 720.000 Kinder erhielten Schulmaterial.

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