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Home > Hilfe weltweitÜbersicht aller ProjekteSyrien / IrakGrenzenlose NotInterview: "Vielerorts kehrt das Leben zurück"
Trümmer soweit das Auge reicht: Der Homser Stadtteil Al-Hamdaniyah wurde während der Kämpfe weitgehend zerstört.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Diese Häuser müssen wohl abgerissen werden. An eine Rückkehr der Bewohner ist hier noch nicht zu denken. Foto: Vera-Magdalena Voss
Vater Alexi von GOPA (l.) und Michael Frischmuth, Kontinentalleiter Asien der Diakonie Katastrophenhilfe, betrachten das Ausmaß der Zerstörung. Foto: Vera-Magdalena Voss
Anderenorts sieht es schon besser aus: Diese Straße ist vom gröbsten Schutt befreit. Mit Unterstützung der Diakonie Katastrophenhilfe sollen hier zukünftig wieder Wohnungen und Geschäfte instandgesetzt werden.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Im Viertel Al-Hamdaniyah ist der Aufbauwille spürbar. Die Rückkehrer versuchen vielerorts, es sich wieder etwas wohnlicher zu machen. Foto: Vera-Magdalena Voss
Langsam zieht wieder Leben in das Viertel ein: Jemand hat neue Fenster eingebaut und heißt Besucher willkommen.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Einige Anwohner haben sich schon in ihre alten Wohnungen zurück gewagt. Die Diakonie Katastrophenhilfe möchte dabei helfen, noch mehr Häuser wieder bewohnbar zu machen.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Die traditionsreiche Homser al-Ghassania-Schule wurde im Krieg schwer beschädigt. Inzwischen wurde sie teilweise instandgesetzt.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Hier kann nun wieder unterrichtet werden. Michael Frischmuth von der Diakonie Katastrophenhilfe und Vater Alexi besuchen eine Schulklasse.  Foto: Vera-Magdalena Voss
Krieg in Syrien

„Vielerorts kehrt das Leben zurück“

In der syrischen Stadt Homs kehren die ersten Bewohner wieder in ihre zestörten Häuser zurück. Unsere Mitarbeiterin Vera-Magdalena Voss war vor Ort und machte sich gemeinsam mit Vertretern unserer Partnerorganisation GOPA ein Bild von der Zerstörung. Die 33-jährige koordiniert vom Hauptsitz Berlin aus die Syrienhilfe. Ein Gespräch über die Situation im Land, die Zuversicht der Rückkehrenden und geplante Hilfsprojekte.

Seit 2012 hilft die Diakonie Katastrophenhilfe Frauen, Männern und Kindern, die vor dem Krieg in Syrien in andere Teile des Landes oder ins Ausland geflüchtet sind. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt dabei nicht mehr nur Geflüchtete in der Türkei, in Jordanien, im Libanon und im Irak mit Lebensmitteln, Kleidung oder Decken. Im siebten Jahr des Kriegs steht für sie auch der Wiederaufbau in einigen Regionen des vielerorts zerstörten Landes im Fokus.

Frau Voss, Sie waren Mitte Juli in Syrien. Was hat sich seit Ihrem März-Besuch verändert?

Ein Unterschied ist schwer auszumachen – es herrscht ja noch immer Krieg in Syrien. Anders war, dass wir erstmals auch die Stadt verlassen konnten. Homs wird seit Mai nicht mehr umkämpft. Hier ist jetzt erstmals der Wille zum Wiederaufbau spürbar.

Woran machen Sie das fest?

Nach Homs kehrt das Leben zurück. Menschen beziehen ihre alte Wohnung, wenn sie noch steht – immerhin ist jedes vierte Haus im Land unbewohnbar. Wir haben Familien gesehen, die ihre Häuser reparierten, Bodenfließen neu auslegten, Blumen in Trögen pflanzten. Auf einer von Einschusslöchern durchsiebten Häuserwand stand das Graffiti mit dem Schriftzug „Welcome“. Auch Schulen öffnen – ein wichtiger Anreiz, dass sich wieder Menschen in der Altstadt von Homs niederlassen. Ein Gemeinschaftszentrum unseres Partners war liebevoll gestaltet, auch sein Garten, obwohl drum herum so viele Gebäude zerstört und viele Straßenzüge wegen der Schuttberge noch nicht zugänglich sind. All das sind Signale und psychologische Anreize für Menschen, in ihre Städte zurückzukehren und ihr Leben neu aufzubauen. 

Wird die Diakonie Katastrophenhilfe diesen Wiederaufbau unterstützen?

Ja. Das ist wichtig, damit die Menschen zurückkehren können. Damit sie wieder auf die Beine kommen und auf den eigenen Beinen auch stehen können. Wir planen mehrere Projekte, vor allem für Rückkehrer und besonders hilfsbedürftige Familien. Diese Projekte werden über unsere Eigenmittel und Spenden umgesetzt.

Mit welchem Fokus?

In erster Linie wollen wir über unsere Hilfe Wohnungen wieder aufbauen. Wer ein Haus hat, muss nicht mehr in Gemeindezentren oder bei Verwandten schlafen – und wir können dann denjenigen helfen, die noch länger unsere Hilfe brauchen: Frauen, Kinder, alte Menschen. Und wir setzen auf einkommensschaffende Projekte. Das heißt: Wir werden nicht nur Wohngebäude reparieren, sondern auch Ladenflächen wiederherstellen – damit die Rückkehrenden einen Ort haben, an dem sie ihren Beruf ausüben, ein Geschäft betreiben und Geld verdienen können. Viele von ihnen sind seit Kriegsbeginn auf Hilfe angewiesen. Sie wollen raus aus dieser Bedürftigkeit. Sie wollen kein Essen mehr geliefert bekommen! Ein Mann sagte mir: „Wir wollen endlich wieder arbeiten. Bitte gebt uns keinen Fisch, sondern zeigt uns, wie wir Fische angeln können.“

Wird die Diakonie Katastrophenhilfe auch Menschen ausbilden?

Ja. In Homs haben wir beispielsweise mit Spenden die Al Ghassania School aufgebaut. Dort besuchen heute 650 Jungen und Mädchen den Unterricht. Als wir dort waren, haben sich Schülerinnen und Schüler der 9. und 12. Klasse gerade auf ihre Prüfungen vorbereitet. Diese Jungen und Mädchen werden schon mal nicht zu der verlorenen Generation gehören –  im Gegenteil, sie sagten: wir freuen uns, dass wir eine Zukunft haben! Für ältere Rückkehrer planen wir Kurse, etwa, wie man ein Geschäft eröffnet, was man dabei beachten muss. Oder wir geben Geld, etwa für Werkzeug oder Arbeitsmaterial – wenn ein Friseur Schere und Kamm hat, kann er wieder arbeiten und sein eigenes Geld verdienen. Was wir unterstützen, ist keine langjährige Berufsausbildung, eher eine Art Wiedereingliederungshilfe. Es geht darum, Menschen, die Extremes durchgemacht haben, auf ihrem Weg zurück ins normale Leben zu begleiten.

Wie schwierig und gefährlich ist es für die Diakonie Katastrophenhilfe, in Syrien zu arbeiten?

Unser Partner GOPA (Greek Orthodox Patriarchate of Antioch and All the East) ist sehr kompetent und landesweit anerkannt. GOPA kann dadurch relativ unabhängig arbeiten. Mit seinen fast 900 Mitarbeitenden im ganzen Land hat er zudem eine enorme Reichweite, auch zu schwer zugänglichen Gegenden. Aber natürlich muss sich auch unser Partner den Realitäten des Krieges unterwerfen und die Sicherheit seiner Mitarbeitenden im Blick haben. Wichtig ist uns auch, dass GOPA, obwohl in kirchlicher Trägerschaft, Familien unterschiedlichen Glaubens unterstützt. GOPA veranstaltet beispielsweise Begegnungen zwischen muslimischen und christlichen Familien. Sie verbringen mehrere Tage zusammen. Solche Treffen fördern den Frieden. Und helfen, Konflikte zu überwinden.

Was hat Sie auf Ihrer Reise am meisten beeindruckt?

Am meisten beeindruckt hat mich, zu sehen, wie Familien versuchen, wieder ein Leben aufzubauen. Es ist bewundernswert, welchen Mut und welche Zuversicht sie dafür trotz ihrer Not aufbringen. Die meisten syrischen Flüchtlinge, die ich traf und treffe, sagen: Wir wollen unbedingt in unsere Heimat zurück!

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Tel.: +49 (0)30 65211-1190
E-Mail: service@diakonie-katastrophenhilfe.de

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