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Interview mit Thomas Hirsch 

Gemeinsame Projekte ein "Gebot der Stunde"

Mit gemeinsamen Projekten, so genannten Leuchtturm-Projekten, wollen Diakonie Katastrophenhilfe und „Brot für die Welt“ Menschen in besonders vom Klimawandel betroffenen Regionen helfen, mit den Folgen fertig zu werden. Thomas Hirsch, der Klimaexperte von "Brot für die Welt", erläutert im Gespräch mit Beate Wörner, was es mit diesen Projekten auf sich hat.

Thomas Hirsch, Klimaexperte von
Thomas Hirsch, Klimaexperte von "Brot für die Welt"
Foto: Horst Wagner

Was hat die beiden Schwesterorganisationen zu den gemeinsamen Projekten bewogen?

Aus der Sicht vieler unserer Partner ist der Klimawandel ein riesiges Problem mit sehr vielen unterschiedlichen Facetten. Das reicht von vermehrt auftretenden Wetterkatastrophen bis hin zu langfristigen Veränderungen in der Landwirtschaft. Da liegt es nahe, die unterschiedlichen Kompetenzen von Diakonie Katastrophenhilfe und "Brot für die Welt" zu bündeln. Gemeinsam können wir Dinge stemmen, die den Betroffenen langfristig und nachhaltig helfen. Wir sind überzeugt, dass die Bündelung von Kräften und das Zusammenarbeiten gerade auch in finanziell schwierigen Zeiten das Gebot der Stunde ist. Man kann so aus begrenzten Mitteln ein Maximum für die Partner und die Betroffenen herausholen.

Wie wirken sich die unterschiedlichen Arbeitsweisen der beiden Organisationen auf diese Zusammenarbeit aus?

Die Diakonie Katastrophenhilfe finanziert nach einer Katastrophe Maßnahmen in der Regel für zwei Jahre, während "Brot für die Welt" sich grundsätzlich langfristig engagieren kann. Außerdem muss sich die Diakonie Katastrophenhilfe gegenüber Regierungen politisch neutral verhalten, um im Katastrophenfall einen guten Zugang zu den Betroffenen zu haben. Sie kann also nur sehr begrenzt auf politische Rahmenbedingungen einwirken. "Brot für die Welt" hingegen kann dies sehr wohl. Der Klimawandel und die sich daraus ergebenden Probleme haben eine stark politische Dimension und machen daher einen politischen Arm erforderlich, um gegebenenfalls Anpassungs- und Klimaschutzprogramme von Regierungen kritisch hinterfragen zu können oder zum Beispiel Klimaflüchtlinge dabei zu unterstützen, Zugang zu Hilfe zu erlangen.

Was ist das Besondere Ihrer gemeinsamen Projekte?

Das Neue an diesen Projekten ist, dass wir nicht nur schauen, was sind die Risiken, beispielsweise bei einer maximalen Flutwelle. Wir überlegen auch gleichzeitig, wie wird sich dieses Bedrohungsszenario in zehn oder zwölf Jahren darstellen und was hat es jenseits der unmittelbaren Katastrophenwirkung für längerfristige Folgen, zum Beispiel auf die Ernährungssicherheit, die Böden oder auf die Trinkwasserversorgung. Dieser ganzheitliche Ansatz entspricht den Notlagen vor Ort.

Gibt es schon konkrete Vorhaben?

Wir haben jetzt mit einem ersten Pilotprojekt am Golf von Bengalen in Bangladesch begonnen, In dieser dicht besiedelten Region leben sehr viele sehr arme Menschen. In diesem Gebiet kommt es zu einer dramatischen Überlappung verschiedener Risiken. Meeresspiegelanstieg, Zunahme tropischer Wirbelstürme, zunehmende Hochwasser, ausgelöst durch die Gletscherschmelze im Himalaja – all das trifft hier zusammen.

Sind auch in anderen Ländern oder Regionen gemeinsame Projekte geplant?

Bis Ende nächsten Jahres wollen wir in Afrika, Asien, Lateinamerika und der Pazifikregion jeweils mindestens ein bis zwei Pilotprojekte haben – neben der Katastrophenprävention wird dabei die Ernährungssicherung im Klimawandel im Mittelpunkt stehen.

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