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Lernen für die Unabhängigkeit 

Südsudan

Eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung im größtenteils christlichen und von Naturreligionen geprägten Südsudan sprach sich beim Referendum im Januar 2011 für eine Loslösung vom muslimischen Norden aus. Doch der Neubeginn wird schwierig. Denn nach dem langen Bürgerkrieg gibt es im südlichen Teil des Landes – einer Region, die fast zweimal so groß wie Deutschland ist – keine solide Infrastruktur, es fehlt an Lehrern und Ärzten. Um einen der rückständigsten Staaten der Erde in absehbarer Zeit zumindest auf durchschnittliches afrikanisches Niveau zu bringen, ist langfristige Unterstützung nötig – so wie sie die Diakonie Katastrophenhilfe schon seit 1998 leistet. Das evangelische Hilfswerk hilft beim Brunnenbau, verteilt Saatgut und bildet Hebammen aus.

Nach Ende des Bürgerkriegs kommen in den letzten Jahren viele Rückkehrer in den Südsudan, die sich ein neues Leben aufbauen müssen. Alle Fotos: Jörg Böthling

Ein Wagen steht für das Team der Krankenstation immer bereit, um Patienten auch aus entfernten Orten Tag und Nacht abholen zu können.

Neben der zentralen Gesundheitsstation in Rumbeck gibt es wie hier in Aangrial mehrere kleinere Stationen in entlegenen Dörfern, die teilweise nicht das ganze Jahr über direkt erreichbar sind.

Die Gesundheitsstation betreut Menschen aus der ganzen Region. Hier werden Patienten mit Malaria aber auch Schusswaffenverletzungen aufgenommen. Der Schwerpunkt liegt in der Prävention von Krankheiten und der Betreuung von Schwangeren und den neugeborenen Babys.

Nancy von der Diakonie Katastrophenhilfe macht mit den Kollegen in Cuibet die Visite.

Vorsorge bei Schwangeren ist eine wichtige Vorraussetzung, um Risiken bei der Geburt einzuschätzen.

Doch auch auf eine gute die Versorgung während und nach der Geburt wird geachtet.

Blutabnahme zur Untersuchung auf Malaria. Das eigene Labor der Gesundheitsstation ermöglicht es die Bluttests auszuwerten.

Die Mitarbeiter der Diakonie Katastrophenhilfe führen regelmäßig Impfkampagnen insbesondere bei Säuglingen durch.

Dass es wirklich jemals zu einer Abstimmung über die Unabhängigkeit des Süd-Sudans kommt, hatten viele Menschen nicht für möglich gehalten. Das Referendum war im Friedensvertrag von 2005 in Khartum nach einem mehr als 20 Jahre währenden Bürgerkrieg vereinbart worden. Mindestens zwei Millionen Menschen waren bei dem Krieg ums Leben gekommen. Entgegen aller Befürchtungen verlief das Referendum selbst – von einigen gewalttätigen Ausbrüchen im Bundesstaat Jonglei abgesehen – relativ friedlich und brachte ein deutliches Ergebnis: Rund 99 Prozent der Menschen im Süd-Sudan stimmten für die Ablösung vom Norden.

Heimkehrer verschärfen die Probleme

Wenige Tage nach dem Referendum flammten bereits wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen aus dem Norden und Rebellen im Süden auf. Ohne internationale Unterstützung und Aufbauhilfe wird es der Süd-Sudan enorm schwer haben, sich wirtschaftlich und politisch zu entwickeln, zumal der jahrzehntelange Konflikt tiefe Spuren hinterließ: Straßen, Krankenhäuser und Kommunikationsverbindungen sind zerstört oder verfallen. Probleme bereiten zudem die heimkehrenden Vertriebenen und Flüchtlinge. Schätzungen zufolge waren während der Kriegsjahre 3,5 Millionen Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht, weitere 570.000 im benachbarten Kenia und Uganda. Zwar sind die Rückkehrer für den Aufbau des neuen Staates notwendig, da Fachkräfte fehlen, doch verschärfen sie den Mangel, weil Trinkwasser und Nahrungsmittel schon für die lokale Bevölkerung nicht reichen, wie ein Blick in den verarmten Landkreis Ikotos im Süd-Sudan zeigt.

Neue Brunnen für den Ort und Seifen für die Familien

Dort sind nach UN-Angaben etwa 45.700 Flüchtlinge zurückgekehrt. Die gerade mal 88 funktionierenden Tiefbrunnen reichen nicht aus, um die auf 122.000 Menschen gewachsene Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Konflikte um den Zugang zu den Wasserstellen prägen den Alltag, zumal die Viehhalter sie als Tiertränke nutzen. Ein vom Bundesentwicklungshilfeministerium (BMZ) gefördertes Projekt, das die Diakonie Katastrophenhilfe begleitet, sieht den Bau von fünf neuen mit Handpumpen betriebenen Tiefbrunnen vor, die für jeweils 300 Menschen Wasser liefern. Zehn Freiwillige aus den begünstigten Dörfern werden von den deutschen Helfern zu Handpumpenmechanikern ausgebildet und übernehmen Wartung und Reparatur der Anlagen.

Segensreicher Regen

Da die Regenzeit in Ikotos relativ lang ist, setzt das Projekt zudem verstärkt auf die Nutzung von Regenwasser, das etwa in einer Zisterne gesammelt wird. Begleitend zum Ausbau der Wasserversorgung geben zwölf  Freiwillige, die zuvor in Sachen Hygiene und Gesundheit geschult worden sind, ihr Wissen an ihre Nachbarn weiter. Dazu erhalten alle Familien Seife für den Hausgebrauch.

Bauer werden will gelernt sein

Damit die zurückkehrenden Familien eigenständig für ihre Ernährung sorgen können, verteilt die Diakonie Katastrophenhilfe an 3000 Haushalte Saatgut – zwei Kilo Mungobohnen, fünf Kilo Sorghum, fünf Kilo Erdnüsse oder Sesam. Auch Werkzeug wie Buschmesser, Sicheln und Hacken erhalten sie. Außerdem organisiert das Hilfswerk landwirtschaftliche Fortbildungen, um die Neubauern mit an die klimatischen Bedingungen des Südens angepassten Landbaumethoden vertraut zu machen. Zeigt die Familie Interesse an der Landwirtschaft, wird ihr für die nächste Saison mehr Saatgut zur Verfügung gestellt.

Ein Neustart mit neuen Schulen

Apropos lernen: Überall im Süd-Sudan machen sich die Kriegsfolgen im Bildungsbereich bemerkbar; viele Schulgebäude wurden in dieser Zeit zerstört oder zweckentfremdet. In Ikotos haben nur 14 von 52 Schulen geeignete Räume und die passende Ausstattung. Darum gehört zum BMZ-Projekt auch die Verbesserung der Schulen.  Um mehr Kindern in Ikotos den Schulbesuch zu ermöglichen, errichtet die Diakonie Katastrophenhilfe drei neue Gebäude für jeweils 100 Schulkinder und stattet die neuen Schulen mit dem notwendigen Lernmaterial und Schulmöbeln aus.

Versorgung für alle

Ebenso wie der Bildungbereich ist auch die Gesundheitsversorgung im Süd-Sudan vollkommen unzureichend – es fehlen Krankenhäuse, Ärzte und Medikamente. Eine Folge davon: Das Land hat eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten weltweit. Im süd-sudanesischen Eastern Equatoria unternimmt die Diakonie Katastrophenhilfe etwas dagegen. In den Bezirken Rumbek und Cueibet, wo das evangelische Hilfswerk bereits seit 1998 aktiv ist, erweitern die deutschen Helfer beständig die Versorgung für bis zu 600.000 Einwohner. „Wir bieten eine Basisversorgung für alle Menschen, auch schwangere Frauen kommen zur Vorsorge zu uns“, berichtet Dr. Elias Senbeto, der bis Ende 2010 das Projektbüro in Rumbek leitete. „Da wir jetzt mehr Medikamente und mehr gut ausgebildetes Personal als früher haben, können wir mehr Menschen helfen“. Mit dem Ausbau von zehn Basisgesundheitsstationen stieg die Zahl der behandelten Patienten von etwa 80.000 auf 125.000 an. Zudem hat sich auch in Sachen Aids-Aufklärung, Malaria-Vorbeugung und Mutter-Kind-Schutz vieles verbessert.

Erste Hilfe aus sudanesischer Hand

Neben der Lieferung von Medikamenten und medizinischem Verbrauchsmaterial fördert die Diakonie Katastrophenhilfe den Aufbau lokaler Gesundheitsdienste. Schließlich soll langfristig die Versorgung der Bevölkerung in sudanesische Hände übergehen. Dazu arbeitet das deutsche Hilfswerk mit „Arkangelo Ali Association“ zusammen; die lokale Partnerorganisation bringt Erfahrung im Gesundheitsbereich mit. Weil es nicht genügend medizinisches Personal gibt, sorgt die Diakonie Katastrophenhilfe auch für die Ausbildung von Fachkräften: „In den vergangenen Jahren haben wir ungefähr 30 Krankenpfleger und –schwestern sowie sieben Hebammen ausgebildet“, betont Dr. Senbeto. Dabei kooperiert das Hilfswerk seit 2009 mit einem Krankenhaus in Uganda, wo angehende Hebammen Erfahrung in der Geburtsstation sammeln können. Was sich der Doktor wünscht, ist vor allem ein richtiger Krankenwagen, um Menschen mit schweren Verletzungen in ein größeres Krankenhaus bringen zu können. Im Moment nutzen die Helfer ein normales Auto für die Krankentransporte.

zuletzt aktualisiert: 19.04.2011

> Online spenden: Südsudan

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