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Die humanitäre Krise in Somalia gehört zu den so genannten stillen Katastrophen. Abgesehen von Berichten über die Piraterie vor der somalischen Küste findet das Land kaum Beachtung in der Medienöffentlichkeit. Doch das Leid und der Bedarf an humanitärer Hilfe sind enorm: Bürgerkrieg seit 20 Jahren, Dürre, Anarchie, Gewalt, Flucht und Vertreibung.
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1960 erreichte die Republik Somalia, ein Zusammenschluss der ehemaligen britischen und italienischen Kolonien, ihre Unabhängigkeit. Als sich 1969 General Siad Barre an die Macht putschte, verwandelte er das Land in einen sozialistischen Staat. Dürre und der Krieg gegen Äthiopien um die Provinz Ogaden stürzten das Land in eine schwere Wirtschaftskrise. 1988 brach der Bürgerkrieg dann offen aus.
Drei Jahre später besiegten und vertrieben bewaffnete Oppositions-gruppen Siad Barre. Kurz darauf erklärte die nordwestliche Provinz Somaliland und 1998 die nordöstliche Provinz Puntland ihre Unabhängigkeit. Bislang werden beide von keiner Regierung der Welt als Staat anerkannt.
Keine funktionierende Zentralregierung
Seit der Vertreibung von Diktator Siad Barre 1991 gibt es in Somalia keine funktionierende Zentralregierung mehr. Chronische Konflikte und Staats-zerfall prägen das Land. Kirchen, Bibliotheken und Geschäfte sind zerstört, die meisten Fabriken geschlossen. Schulen, Krankenhäuser, die Wasser- und Stromverbindung sowie das Telefonnetz werden privatwirtschaftlich betrieben. Allein in Mogadischu mit knapp einer Million Einwohnern sind neun von zehn Menschen bitterarm. Weite Teile des Landes werden immer wieder von Dürren und Überflutungen heimgesucht.
Im Sommer 2006 hatte der "Rat Islamischer Gerichte" die herrschenden Warlords aus der Hauptstadt Mogadischu vertrieben und kontrollierte zwischenzeitlich außer der Provinzstadt Baidoa sowie den beiden Provinzen Somaliland und Puntland ganz Somalia. Die somalische Übergangsregierung, die 2004 mit Hilfe der Vereinten Nationen aus der Taufe gehoben wurde, genießt in der Bevölkerung kaum Rückhalt.
Am 6. Dezember 2006 hatte der Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen entschieden, eine regionale Eingreiftruppe zur Unterstützung der Regierung nach Somalia zu senden. Demonstrationen und Kriegsdrohungen der Islamisten waren die Folge.
1,1 Millionen Flüchtlinge
Insbesondere in den letzten drei Jahren hat die Gewalt in Somalia wieder zugenommen. Islamische Milizen und Vertreter der somalischen Übergangsregierung unterstützt von Truppen der Afrikanischen Union liefern sich immer wieder heftige Gefechte. Nach der Wahl des neuen somalischen Präsidenten Sharif Sheik Ahmed keimte Anfang 2009 Hoffnung auf eine friedlichere Zukunft auf. Doch die radikalen islamischen Al-Shabab Milizen und andere islamistische Rebellen kündigten an, weiterzukämpfen, bis alle ausländischen Truppen aus Somalia abgezogen sind und die Scharia (islamisches Recht) wieder gilt. Inzwischen sind mehr als 1,1 Millionen Menschen im Land vertrieben worden. Die Hälfte der gesamten Bevölkerung ist auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
Neben der Ernährungssicherung bleibt es das große Ziel der Hilfsorganisationen, mit Friedensverhandlungen einerseits die Konflikte der verfeindeten Clans zu entschärfen, andererseits Clan-übergreifende gemeinsame Anliegen herauszuarbeiten, um so auf eine zukünftige Zusammenarbeit und letztendlich auf den Frieden für Somalia und seine Bevölkerung hinzuwirken.
11. September 2001
In die Schlagzeilen geriet das ostafrikanische Land zudem nach dem 11. September 2001 als mutmaßlicher Hort von Terroristen. Anfang November 2001 setzten die USA die Barakat-Gruppe, den größten Arbeitgeber des Landes, auf die Liste der Finanziers des internationalen Terrorismus und sperrten deren Konten in den USA. Barakat wickelt einen Großteil der Überweisungen von Auslands-Somaliern in die Heimat ab – 80 Prozent der Bevölkerung ist auf dieses Geld dringend angewiesen.
zuletzt aktualisiert: 18.03.2010
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