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Zwei Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti kämpfen die Menschen in dem armen Karibikstaat noch immer mit den Folgen der Katastrophe. Mit ihrem umfassenden Wiederaufbauprogramm konnte die Diakonie Katastrophenhilfe inzwischen mehr als 6.000 Menschen im Südosten des Landes wieder ein neues Zuhause geben. Doch der Wiederaufbau braucht einen langen Atem. Allein rund um die Hauptstadt Port-au-Prince leben nach UN-Angaben noch immer rund eine halbe Million Menschen in Zelten oder Notunterkünften. Schwerpunkt der Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe ist die Region bei Bainet und Jacmel im Südosten, in die sonst nur wenig Hilfe gelangt. Neben dem Hausbau hilft die Diakonie Katastrophenhilfe dort, Trinkwasserversorgung und Gesundheitseinrichtungen instandzusetzen und unterstützt die ärmsten Bewohner mit landwirtschaftlichen Projekten dabei, ihre Ernährung und Existenz zu sichern.
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Bis Ende 2011 hatte die Diakonie Katastrophenhilfe mit ihren Partnern insgesamt exakt 1179 Häuser repariert oder neu gebaut. Mehr als 6000 Erdbebenopfer haben so wieder eine dauerhafte Unterkunft gefunden. Schon 2010 hatte die Diakonie Katastrophenhilfe in Jacmel die ersten 300 Wohnhäuser für etwa 1600 Menschen instandgesetzt. Ein Jahr nach dem Beben waren weitere 264 Häuser in Bainet wiederhergestellt. Bis zum Sommer sollen noch rund 400 weitere Häuser folgen. Der Bedarf ist nach wie vor riesig. Allein in Bainet leben noch etwa 2500 Erdbebengeschädigte in schwierigen Verhältnissen. Sie können sich nicht aus eigenen Kräften helfen.
Einfach, aber stabil
Die Häuser, die das Bauteam um den deutschen Architekten Jens Sohr auf dem Land errichtet, sind einfach, aber stabil. Rund 25 Quadratmeter Wohnfläche – gekocht wird vor dem Haus – bieten sie pro Familie. Die neuen Bewohner, die nach dem Beben in Zelten oder baufälligen Hütten leben mussten, sind glücklich, endlich wieder ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben. Stetig entwickelten die Bauexperten der Diakonie Katastrophenhilfe die Pläne der Häuser weiter und passten sie an aktuelle Standards für erdbeben- und hurrikanresistentes Bauen an. Festverschraubte Dächer, mit Stahlbeton verstärkte Wände und extra dicke Holzverbindungen und Nägel sorgen dafür, dass die Häuser Wirbelstürmen und Erdbeben künftig besser standhalten.
Wiederaufbau braucht Geduld
Doch der Wiederaufbau in der strukturschwachen Region ist ein logistischer Kraftakt voller Hindernisse. Es fehlt an Baumaterial und ausgebildeten Handwerkern. Lange Transportwege und fehlende Straßen sind ein weiteres Erschwernis, gerade auf dem Land, wo die Häuser weit verstreut in den Bergen liegen. Häufig müssen die Arbeiter das Material mit dem Maultier oder zu Fuß an den Bauplatz bringen. Regenfälle machen die Wege oftmals unpassierbar. Die Auswahl der Hilfsempfänger braucht ebenfalls Zeit. Schließlich stellt die Diakonie Katastrophenhilfe sicher, dass die Hilfe den bedürftigsten Familien zugutekommt. Probleme bereiten auch ungeklärte Besitzverhältnisse. Denn bauen darf nur, wer die nötigen Dokumente vorweisen kann. Besonders schwierig ist daher die Situation der Menschen, die vorher zur Miete gewohnt haben und selbst kein Grundstück besitzen.
Infrastruktur wiederherstellen: zum Beispiel Gesundheitsversorgung
Es fehlt nicht nur an Wohnraum. Das Beben vom 12. Januar 2010 hatte auch Infrastruktur wie Schulen und Gesundheitsstationen zerstört. Nachdem im ersten Jahr drei Schulen in Jacmel instandgesetzt wurden, ging es 2011 in Bainet an den Wiederaufbau von drei Gesundheitsstationen. Auf dem Land sind die Gesundheitsposten oft die erste und einzige Anlaufstelle für Kranke, Schwangere und Verletzte. Zwei Stationen haben ihren Betrieb bereits wieder aufgenommen, die dritte steht kurz vor der Fertigstellung. Als nächstes steht der Neubau eines Krankenhauses an.
Aktiv vor Katastrophen schützen
Nicht nur beim Wiederaufbau spielt Sicherheit eine zentrale Rolle. Erdbeben, Hurrikans und Überschwemmungen sind eine allgegenwärtige Gefahr in Haiti. Die Diakonie Katastrophenhilfe stärkt daher den Katastrophenschutz zu weiter. In drei besonders gefährdeten Gemeinden entstehen Schutzbauten, die den Anwohnern im Katastrophenfall Zuflucht bieten. Evakuierungsübungen, Schulungen und Notfallpläne helfen, die Menschen in den gefährdeten Gebieten besser auf Katastrophen vorzubereiten.
Gemüsegärten und Geflügel gegen den Hunger
Das Erdbeben hat zudem die ohnehin schon schwierige Versorgungslage vieler Haitianer weiter verschärft. Viele Menschen haben neben ihrem Besitz auch ihre Arbeit verloren. Gerade arme Leute können es sich nicht leisten, Gemüse, Fleisch oder Eier zu kaufen. Mangel- und Unterernährung sind die Folge. In Bainet und Jacmel helfen Gemüsegärten sowie Geflügel- und Kaninchenzucht einkommensschwachen Familien, sich besser und gesünder zu ernähren und ein kleines Einkommen zu erwirtschaften. Landwirtschaftsberater führen die beteiligten Familien in den Gemüseanbau ein und geben ihnen Saatgut. Andere Familien erhalten Hilfe beim Bau von Hühner- oder Kaninchenställen und einen Grundstock an Tieren.
Weitere Hilfe ist nötig
Bis Ende 2011 hatte die Diakonie Katastrophenhilfe mehr als 30 Projekte für die Nothilfe, den Wiederaufbau und die Katastrophenvorsorge auf den Weg gebracht. Rund 15 Millionen Euro, davon 9,3 Millionen Spendenmittel und 6 Millionen von Drittmittelgebern, wurden dafür bereitgestellt. Angesichts der schweren Zerstörungen nach dem Erdbeben wird das Land auch in den nächsten Jahren weiter starke Unterstützung und humanitäre Hilfe brauchen.
zuletzt aktualisiert: 11.01.2012
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