| || Home > Hilfe weltweit > Projekte > Russland |
Die ungewöhnlich starke und seit drei Monaten anhaltende Hitzewelle in Russland hat mehrere Tausend Wald- und Torfbrände ausgelöst. Trotz des Einsatzes von rund 166.000 Helfern aus Russland und ganz Europa lodern weiterhin fast 600 Feuer im Land. Das Ende der Hitzewelle, mit Temperaturen von 40 Grad im Schatten, ist nicht absehbar. Inzwischen zeigt sich das immense Ausmaß der Schäden. Die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt die Menschen in Russland, die unter Hitze und Bränden leiden.
< zurück
Olga Temirbulatova sagt: "Es ist die größte Hitze seit Beginn der Wetteraufzeichnung in Russland." Sie ist Pastorin in der an der Wolga gelegenen Industriestadt Samara. Noch sei die Stadt nicht unmittelbar von den Feuern bedroht, doch die Dürre hat große Schäden verursacht: "Viele Menschen haben ihre Lebensgrundlage verloren, die Ernte vieler Bauern ist zerstört, die Höfe sind ruiniert." Insgesamt ist in Russland ein Viertel der Ernte der Dürre und den Bränden zum Opfer gefallen, gab Präsident Dmitrij Medwedew am Donnerstag bekannt – Weizen und andere Feldfrüchte auf zehn Millionen Hektar Ackerland sind verdorrt oder sogar verbrannt.
Pfarrerin Temirbulatova erklärt: "Die Katastrophe hat schon im November 2009 begonnen, denn der Frost kam viel zu früh." Die Aussaat sei erfroren, im Frühling sei neu gesät worden, aber es habe seit Mai auch keinen Tropfen Regen gegeben. Fazit: Es seien kaum Pflanzen gewachsen, Getreide, das gesprossen ist, sei inzwischen verbrannt und Obst- und andere Bäume seien vertrocknet. "Es sieht aus wie der Anfang vom Weltuntergang", sagt die 52-jährige Pfarrerin. Als Folge der Dürre müsse viel Vieh notgeschlachtet werden, die Preise für Nahrungsmittel wie Mehl und Milch seien in den Geschäften und auf den Märkten schon um 50 Prozent gestiegen.
Vor allem die Bauern in den Dürre- und Brandgebieten können die Auswirkungen kaum verkraften. Kredite, die zur Finanzierung des Saatguts aufgenommen wurden, können nicht abbezahlt werden, oft ist noch nicht einmal Geld für die nötigsten Nahrungsmittel vorhanden, und ohne ihre Bauernhöfe verlieren sie das ohnehin magere Einkommen von etwa 100 Euro im Monat. Temirbulatovas Fazit der Katastrophe: "Das Leben der Menschen liegt in Schutt und Asche."
Etwa 2.000 Wohnhäuser wurden bislang von den Waldbränden zerstört, offiziellen Angaben zufolge starben 55 Menschen durch die Feuer und ungezählte mehr durch die Hitze – "allein in Samara sind es täglich rund 70 Menschen, die wegen der Hitze sterben", berichtet die Pfarrerin.
Zusammen mit der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt die St.-Georg-Gemeinde in Samara die am stärksten von der Hitzewelle und den Bränden betroffenen Menschen im Umland der Großstadt. Die nötigsten Nahrungsmittel und Trinkwasser werden ihnen zur Verfügung gestellt und auch für die Überbrückung des Winters – für den die Menschen nun keine Vorräte anlegen können – wird gesorgt.
zuletzt aktualisiert: 13.08.2010
< zurück