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Um die Zusammenarbeit mit den lokalen Partnerorganisationen zu stärken und die Projekte noch näher zu betreuen, eröffnet die Diakonie Katastrophenhilfe im April 2010 ein Büro in Harare. Die lokalen Partner Lutheran Development Service und Christian Care, welche die Projekte vor Ort implementieren, sollen Unterstützung vor allem hinsichtlich der Verwaltung und Abrechnung erhalten. Sabine Sauer steuerte bisher die Projekte in Simbabwe vom Kenia-Büro in Nairobi aus. Sie übernimmt die Leitung des neuen Büros der Diakonie Katastrophenhilfe in Harare.
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Frau Sauer, wie ist die aktuelle Situation in Simbabwe?
Die Situation hat sich normalisiert. Seit vor etwa einem Jahr der Simbabwe-Dollar abgeschafft wurde und nur noch Fremdwährung als Zahlungsmittel akzeptiert wird, sind die Supermärkte wieder voll. Trotzdem können sich die meisten Menschen nichts leisten. Auf dem Land gibt es gar keinen Zugang zu Fremdwährungen und die anderen können von ihrem Verdienst nicht leben. Staatsangestellte erhalten etwa 150 US-Dollar im Monat. Die Folge ist, dass die Leute streiken oder einfach nicht zur Arbeit gehen – so wie die Lehrer, die immer öfter die Schule ausfallen lassen.
Zudem ist die politische Situation nach wie vor festgefahren. Bestimmte Punkte des Koalitionsvertrags werden von der ZANU-PF nicht eingehalten, was die Zusammenarbeit erschwert. Parallel wird derzeit an einer Verfassung gearbeitet, welche die Regierung legitimiert. Wenn dies geschafft ist, kann auch ein Termin für Wahlen festgelegt werden.
Hat die politische Lage einen Einfluss auf die Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe in Simbabwe?
Nach dem NGO-Bann 2008 gibt es derzeit glücklicherweise nahezu keine Einflussnahme – außer beim Thema Menschenrechte. Jede Aktion der Hilfsorganisationen muss jedoch von der Regierung abgesegnet werden. In diesem Registrierungsprozess müssen Budgets und Aktivitäten offen gelegt und vom Kabinett befürwortet werden. Und da diese wie erwähnt wegen des zu geringen Verdienstes selten zur Arbeit gehen, kann diese Registrierung sehr lang dauern.
Wie ist der aktuelle Stand bei unseren Projekten?
Im Moment laufen zwei Projekte. Das erste ist ein Projekt mit Eigenmitteln, in dem wir uns dem "Conservation Farming", nachhaltigen Anbaumethoden zur langfristigen Ernährungssicherung, widmen. In unserem zweiten, sehr großen Projekt, das vom Bundesministerium für Entwicklungshilfe finanziert wird, haben wir die Bohrung von 30 Tiefbrunnen fertiggestellt. Derzeit sind wir dabei, Kliniken zu elektrifizieren. Das geschieht teilweise durch eigene Solaranlagen oder durch einen Anschluss an bestehende Stromnetze. Im Rahmen dieses Projekts gibt es auch 13 kleinere "Food for Work"-Projekte, in denen die Begünstigten unter anderem Dämme bauen, Straßen reparieren oder Latrinen anlegen.
Stoßen Sie bei der Projektarbeit auf Schwierigkeiten?
Erschwert wird unsere Arbeit in Simbabwe dadurch, dass fast alle Güter aus Südafrika beschafft werden müssen. Die Grenzbestimmungen bereiten uns hier teilweise Schwierigkeiten. Eine zweite Herausforderung besteht bei der Beschaffung von Geldmitteln. Unsere lokalen Partner haben ihr Geld vor allem auf Offshore-Konten in Botswana und können immer nur kleinere Beträge ins Land bringen. Das verzögert natürlich vieles. Und nicht zuletzt fehlt es durch die Abwanderung und die hohe HIV-Sterberate an qualifizierten Mitarbeitern.
Was plant die Diakonie Katastrophen für die Zukunft an Aktivitäten in Simbabwe?
Unser Schwerpunkt liegt auf dem "Water and Sanitation Management", der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und den dazu gehörenden Hygieneschulungen. Dies ist auch wichtig für die Vermeidung von Epidemien wie der Cholera, die durch schmutziges Wasser übertragen wird. Ein weiteres Hauptaugenmerk liegt auf der Ernährungssicherung. Hier müssen nach wie vor Saatgut verteilt, Anbaumethoden trainiert und Gemüsegärten angelegt werden. Unser drittes Arbeitsfeld ist die Rehabilitation von medizinischen Infrastrukturen.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass das öffentliche Interesse an Simbabwe nicht erlischt. Oft verdrängen andere Katastrophen die Aufmerksamkeit an einem Krisengebiet. Doch gerade diese Aufmerksamkeit brauchen die Menschen in Simbabwe weiterhin. Europa darf die Krise in Simbabwe nicht vergessen.
Zuletzt aktualisiert: 18.03.2010
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