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Birma 

Den Überlebenden ist nichts geblieben

Die schrecklichen Eindrücke können sie nicht verdrängen. „Wir sind alle sehr traurig“, sagt der junge Mann. Erst kurz bevor der verheerende Wirbelsturm „Nargis“ das Irrawaddy-Delta an der Südküste von Birma (Myanmar) verwüstet und mehr als 130.000 Menschen in den Tod gerissen hat, ist der Mitarbeiter einer lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe vom Studium im Ausland zurückgekehrt. Die  unzähligen Toten und die Trauer der Überlebenden lassen ihn nicht los.

Mitarbeiter von Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe beladen seit Tagen Autos mit Hilfsgütern. Die Hilfe läuft Tag und Nacht.
Mitarbeiter von Partnerorganisationen der Diakonie Katastrophenhilfe beladen seit Tagen Autos mit Hilfsgütern. Die Hilfe läuft Tag und Nacht.

Aber viel Zeit darüber nachzudenken, hat er nicht. Er ist fast Tag und Nacht damit beschäftigt, Hilfsgüter zu organisieren. Das heißt Reis, Wasser oder Plastikplanen auf dem Markt einkaufen und auf Transporter oder Boote verladen. Die Bedingungen, unter denen er arbeitet sind sehr schwierig. Bislang hatten nur lokale Organisationen Zugang zum Delta. Viele hoffen nun, dass sich die Lage im Anschluss an die internationale Geberkonferenz, die am 25. Mai in Rangun zusammentraf, ändert. 

Jedes Mal, wenn die Helfer aus dem Delta zurückkommen, bringen sie weitere traurige Nachrichten mit. Oft sind ganze Dörfer ausgelöscht worden. So sind zum Beispiel in dem von einer Organisation betreuten Gebiet mit 44 Dörfern 26 völlig verschwunden. Von deren Bewohnern sind zum Teil mehr als die Hälfte tot oder verschwunden. „Von knapp 7.000 Bewohnern sind fast 1.300 tot“, zieht ein Helfer die traurige Bilanz.

Ihnen wurde alles genommen

Den überlebenden Bauern ist nichts geblieben: alle Häuser sind zerstört, das Vieh ist tot, das Saatgut vernichtet, berichten die besorgten Helfer. Deshalb haben sie gleich nach der Katastrophe für die enorme Summe von 500 Dollar Boote gemietet und dafür ihre Ersparnisse geopfert. Als erstes haben sie Frauen und Kinder in Lager gebracht, später weitere Opfer. In entlegenen Dörfern haben die Menschen die vergangenen drei Wochen oft nur überlebt, weil sie sich von Kokosnüssen ernähren konnten.

Inzwischen haben Tausende von Menschen in Übergangslagern, Klöstern, Kirchen und Schulen Schutz gesucht. Noch niemand weiß, wo die Opfer unterkommen sollen, wenn die Schulferien am 2. Juni zu Ende gehen. Die Geschichten der Überlebenden sind tragisch und herzzerreißend. Ein Mann erzählt, dass er sich acht Stunden lang mit seinem Sohn an einen Baum klammerte. Er musste dabei mit ansehen, wie seine Frau und seine Tochter weggespült wurden. Er kommt nicht darüber hinweg, dass er sie nicht beerdigen kann. Viele wurden in Massengräbern beigesetzt.

Helfer berichten, dass in den am schwersten betroffenen Gebieten immer noch nicht alle Leichen geborgen werden konnten. Junge Leute helfen jetzt als Freiwillige beim Bergen der Toten. „Diejenigen, die überlebt haben, weinen um ihre toten Angehörigen“, sagt einer der Helfer.

Gefahr von Magen-Darm-Erkrankungen wächst

Und die Gefahr für die Überlebenden steigt von Tag zu Tag, wenn sie nicht die notwendige Hilfe erhalten, warnen die Helfer. So verursacht verseuchtes Trinkwasser besonders für Kinder und alte Menschen gefährliche Magen-Darm-Erkrankungen. So haben Helfer von Partnern im weltweiten kirchlichen Hilfsnetzwerk ACT (Kirchen helfen gemeinsam), in dem sich die Diakonie Katastrophenhilfe ebenfalls engagiert, von ihrem jüngsten Besuch in einem Dorf berichtet, dass die Hilfe für ein vierjähriges Kind und einen 70 Jahre alten Mann zu spät gekommen ist.

Dennoch sind sie froh, dass sie jeden Tag mit ihrer Arbeit mehr Menschen erreichen können. Auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung ist enorm. Jeder der kann, sucht nach Wegen, um die Überlebenden mit Lebensmitteln zu versorgen. Die lokalen Organisationen wollen aber mit einer geordneten und systematischen Versorgung den Opfern die Möglichkeit geben, wieder in ihre Dörfer zurückzukehren oder dort zu bleiben, damit sie vor dem kommenden Monsun ihre Reisfelder wieder bestellen können. „Dafür bleiben uns höchstens 50 Tage Zeit“, sagt ein Mitarbeiter.

zuletzt aktualisiert: 26.05.2008

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