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Eine Woche nachdem der Wirbelsturm Sidr den Süden von Bangladesch heimgesucht hat, ist die Versorgungslage immer noch katastrophal. Vor allem in den entlegenden Dörfern trifft die Hilfe erst allmählich ein. Zum ersten Mal erhalten die Überlebenden von Bogi heute das Nothilfepaket der Diakonie Katastrophenhilfe.
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Die Menschen warten schon lange. Sie stehen in der glühenden Sonne, hinter einer Absperrung aus zusammen gebundenen Ästen, Baumstämmen und Brettern. Einige der Wartenden haben sich auf den Boden gehockt und starren apathisch vor sich hin. Als das klapperige Holzboot mit den Nothilfepaketen auf das schlammige Ufer fährt, gerät die Menge in Bewegung. Die Menschen haben seit Tagen kaum etwas gegessen. „Geht zurück und bleibt ruhig, sonst können wir nicht mit der Verteilung beginnen“, ruft ein Helfer von Prodipan, der lokalen Partnerorganisation der Diakonie Katastrophenhilfe.
Der Zyklon hat nicht nur alle Häuser in dem kleinen Dorf zerstört, sondern auch die Vorräte der meisten Be-wohner vernichtet. Eine Flutwelle von über fünf Metern riss Häuser, Menschen und Tiere mit sich. In den Ästen der umgestürzten Bäume hängen Hemden, Hosen und Kleider, die aus Hütten geweht oder von Körpern gerissen wurden. Von den eintausend Einwohnern Bogis kamen mehr als zweihundert in den Fluten um.
„Als wir das erste Mal hier ankamen, bot sich uns eine fürchterliches Bild“, berichtet Ameer Ashraf, Teamleiter von Prodipan. „Die Menschen liefen völlig verwirrt und traumatisiert umher, suchten ihre Angehörigen oder wühlten in den Trümmern nach etwas zu essen.“ Auch eine gute Woche nach der Katastrophe sind die Überlebenden von Bogi noch geschockt. Männer mit leerem Blick zeigen mit stummen Gesten, wie viele Angehörige sie verloren haben. Rastlos streifen sie umher, manche verfallen in einen tranceartigen Singsang. Als jedoch das Boot ankommt, krempeln sie ihre Lungis hoch, waten durch das Wasser und schultern die Säcke mit den Lebensmitteln, um sie zu einem großen Stoß hinter der Absperrung auf zu schichten.
Am Nachmittag haben alle Haushalte in Bogi ein Paket mit Reis, Linsen und Salz erhalten. Die Menschen heben die Pakete auf den Kopf und waten durch den tiefen Schlamm und die überfluteten Felder zu ihren Notbehausungen, die sie aus Blech, Brettern, Plastikplanen, Bastmatten oder Decken gebaut haben. Dort bereiten sie über dem Holzfeuer ihrer provisorischen Kochstellen die erste warme Mahlzeit seit einer Woche zu. „Der Zyklon hat uns alles genommen, aber jetzt haben wir zumindest wieder etwas zu essen“, sagt ein alter Mann ohne Zähne und drückt uns die Hand. (Foto: Jörg Böthling)
Es wird lange dauern, bis die Schäden der Katastrophe behoben sein werden. Der Wirbelsturm hat ganze Familien ausgelöscht, hat Waisen und Witwen hinterlassen. Sturm und Salzwasser haben einen großen Teil der Reisfelder und Shrimpfarmen vernichtet. Fast alle Fischerboote sind zerstört, Kühe, Schafe, Ziegen und Hühner ertrunken. Häuser und Deiche müssen wieder aufgebaut werden. Vor allem aber muss die Versorgung mit Trinkwasser anlaufen. Die Dorfteiche, aus denen die Bewohner dieser Region meist ihr Trinkwasser schöpfen, sind versalzen und von Kadavern und Trümmern verunreinigt. Die ersten Babys und kleinen Kinder sind bereits an Durchfall gestorben.
Die Menschen im Südwesten von Bangladesch werden noch lange auf Hilfe angewiesen sein.
Klaus Sieg
zuletzt aktualisiert: 13.12.2007
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