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Der Zyklon hat alles zerstört in dem Dorf Southkali im äußersten Süden von Bangladesch. Er hat mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 Stundenkilometern die nur aus Lehm, Holz, Palmblättern oder Wellblech gebauten Hütten dem Erdboden gleichgemacht. Überall liegen umgestürzte Bäume herum, in deren Ästen Fischernetze, Hosen, Kleider und Decken hängen. Alles ist mit einer grauen Schicht aus getrocknetem Schlamm überzogen.
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„Nie hätte ich solche Wassermassen für möglich gehalten.“ Hosnera steht unter einer Palme, unsicher sucht sie Halt an den langen Blättern. Neben ihr liegen zersplitterte Bretter und einige Fetzen Wellblech auf dem Boden. Viel mehr hat der Wirbelsturm Sidr von dem Haus der Familie nicht übrig gelassen.
„Um sieben Uhr abends begann es immer schlimmer zu stürmen“, erzählt Hosnera und zieht wieder an den Palmenblättern. „Doch wir wollten das Haus nicht verlassen, weil wir Angst um unsere Sachen hatten.“ Eine Entscheidung, die sie und ihr Mann Abu Zafor ihr Leben lang bereuen werden. Der Wirbelsturm brachte eine Flut mit sich, die fünf Meter höher als die normale Tide war. Die Wassermassen überschwemmten die viel zu niedrigen Deiche, rissen hausgroße Löcher hinein und fluteten in das Dorf. Die Familie hockte sich zunächst auf die dünnen Dachbalken ihrer Hütte. Doch der Wind riss das Dach weg und das Wasser stieg immer höher. „Plötzlich war es überall und spülte uns alle weg.“
Schmerzliche Verluste
Abu Zafor blickt verzweifelt aus seine geröteten Augen. Sein kleiner Sohn konnte sich an einer Palme festhalten. Doch die beiden Töchter verschwanden in den Fluten. Am nächsten Tag fanden sie die Leichen in einem Reisfeld am Rande des Dorfes. Tränen laufen über Abu Zafurs rissige Wangen. Er zeigt das mit Pailletten bestickte Kleid der kleinen Morian. Seine starrt Frau apathisch auf den Boden.
Dass der Zyklon und die Flut auch die gesamten Vorräte der Familie vernichtet hat, erwähnen die beiden mit keinem Wort. Zwei Tage nach der Katastrophe brachten die Mitarbeiter von Prodipan, dem lokalen Partner der Diakonie Katastrophenhilfe, die ersten Pakete mit Keksen und Puffreis in das Dorf. Heute verteilen sie zum ersten Mal Reis, Linsen und Salz. Das wird den Schmerz der Familie kaum lindern, ihr aber vielleicht ein wenig dabei helfen können, ins Leben zurück zu finden.
Klaus Sieg
zuletzt aktualisiert: 07.12.2007
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