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Mit Windgeschwindigkeiten von über 240 Stundenkilometern zog Zyklon Sidr am 15. und 16. November 2007 über Bangladesch und schlug eine 70 Kilometer breite Schneise durch das Land. Besonders betroffen ist die Küste im Süden. Peter Rottach, Koordinator des Projektes „Katastrophenhilfe und Klimawandel“ bei der Diakonie Katastrophenhilfe, war während der Katastrophe in der Region und berichtet im Interview über die derzeitige Lage und Hilfsmaßnahmen.
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Herr Rottach, Sie kommen gerade aus dem Krisengebiet zurück. Was sind die letzten Informationen zur Lage vor Ort?
Die Zahl der Todesopfer steigt immer noch an. Daran wir sich auch die nächsten Tage und Wochen nichts ändern. Vor allem auf einigen, dem Mangrovengürtel vorgelagerten Inseln werden Tausende nicht registrierter Arbeiter in der Fischindustrie vermutet, die dem Wirbelsturm zum Opfer gefallen sein könnten. Unsere Partner in den betreffenden Gebieten gehen von mindestens 5000 Toten aus, die den offiziellen Statistiken hinzugerechnet werden müssen. Auch treten nun epidemieartig Durchfallerkrankungen auf, die besonders Kinder heimsuchen.
Die Erkrankungen sind auf die Einnahme verseuchten Trinkwassers zurückzuführen. Grund dafür ist, dass in den betroffenen Gebieten ebenerdige Frischwasserteiche häufig die einzige Trinkwasserquelle darstellen und diese Teiche größtenteils durch das Salzwasser der Flutwelle, durch Pflanzenreste und Tierkadaver, unbrauchbar geworden sind. Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente sowie warme Decken und Kleider für die nahenden Wintermonate sind momentan die wichtigste Unterstützung der betroffenen Menschen.
Was machen die Partner der DKH?
Unsere Partner waren in den am schlimmsten betroffenen Gebieten mit die ersten, die Nahrungsmittel und Wasser verteilten. Das liegt zum einen daran, dass sie seit Jahren in der Krisenregion aktiv sind und dadurch über eine sehr gute Infrastruktur verfügen. Zum anderen konnte die DKH bereits wenige Stunden nach der Katastrophe die ersten Hilfsgelder bereit stellen. Mittlerweile werden ca 35.000 Familien mit Wasser, Reis, Pflanzenöl, Salz, Hülsenfrüchten und Kartoffeln versorgt. Nun richtet sich der Blick auf den mittel- und längerfristigen Bedarf an Wiederaufbauhilfe. Hier muß es darum gehen, die Frischwasserteiche wieder nutzbar zu machen und die überfluteten Ackerflächen neu zu bestellen.
Auch ist Hilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Häuser vonnöten. Dabei können unsere Partner auf die Erfahrung aus früheren DKH-Förderungen zurückgreifen, bei denen flut- und sturmsichere Bauformen Verbreitung fanden. Im Hinblick auf den Klimawandel wie auch auf ein steigendes Überschwemmungsrisiko im Unterlauf der wichtigsten Flüsse sind die Erhöhung und Befestigung vieler Deiche unerläßlich.
Wie können wir helfen?
Sämtliche Güter, die im Rahmen der akuten Nothilfe verteilt werden, können in Bangladesch selbst beschafft werden. Problematisch ist der Transport in die z.T. sehr abgelegenen Gebiete, die oft nur über Boote mit geringer Ladekapazität erreichbar sind, was die Transportkosten in die Höhe treibt. Dafür sind Geldspenden ebenso unerläßlich wie für den längerfristigen Wiederaufbau. Hier geht es auch um Zeichen der Solidarität und Anteilnahme am Schicksal von Menschen, die unverschuldet immer wieder von schlimmen Naturkatastrophen heimgesucht werden und deren Alltag in dem bettelarmen Land keinerlei Hoffnung auf eine Besserung ihrer Lage bietet. Im Gegenteil steht nach Aussagen von Klimaforschern zu befürchten, dass die Zahl schwerer Wirbelstürme in der Region in Zukunft noch erheblich zunehmen wird.
zuletzt aktualisiert: 30.11.2007
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