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Interview 

Im vierten Jahr des Friedens

Nach 21 Jahren Bürgerkrieg schlossen die sudanesische Zentralregierung und die südsudanesische Volksbefreiungsbewegung „Sudan People’s Liberation Movement/Army“ im Januar 2005 einen Friedensvertrag. Michael Frischmuth, zuständig bei der Diakonie Katastrophenhilfe für den Sudan, berichtet im Interview über die derzeitige Lage.

Michael Frischmuth, zuständig für den Südsudan
Michael Frischmuth, zuständig für den Südsudan

Herr Frischmuth, was hat sich seit dem Friedensvertrag geändert?

Generell würde ich sagen, dass ein deutlicher Entwicklungsschub erkennbar ist. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung verbessert hat. Nach 21 Jahren Bürgerkrieg befanden sich viele Sudanesen zu Beginn des neuen Friedens in einer Art Lethargie. Zu lange mussten sie Tag für Tag ums pure Überleben kämpfen. Nun erkennen die Menschen, dass der Frieden anhält, dass sie einen Blick in die Zukunft wagen und diese auch mitgestalten können.

Was ist das Hauptanliegen der Diakonie Katastrophenhilfe?

Wir haben das Ziel, das Gesundheitswesen in zwei bis drei Jahren ganz in sudanesische Hände zu übergeben. Essentiell dafür ist die umfassende Ausbildung medizinischen Personals. Daran arbeiten wir bereits seit mehreren Jahren und nun zahlen sich diese Investitionen aus: Langsam aber sicher können wir jede Ebene, beispielsweise eines Krankenhausbetriebs, mit Sudanesen besetzen. Bis 2010 möchte die Diakonie Katastrophenhilfe dann komplett ihre operationalen Tätigkeiten einstellen und primär beratend fungieren. Daneben bleibt jedoch eine finanzielle Unterstützung notwendig, um den Neuaufbau erfolgreich voranzubringen.

Was ist in Zukunft noch geplant?

Bislang sind wir und unsere lokalen Partner vorrangig in den von uns betriebenen Gesundheitseinrichtungen  aktiv. Um aber noch mehr Menschen zu erreichen müssen wir verstärkt direkt zu den Menschen gehen, dass heisst in Zukunft werden mobile Kliniken eine große Rolle spielen, um Gesundheitsleistungen und Gesundheitsaufklärung direkt in den Dorfgemeinschaften anzubieten. So können wir die Menschen überhaupt erst von unserer guten Arbeit überzeugen. Ein Beispiel: 90 Prozent der Geburten im Südsudan finden zwar noch mit traditionellen Geburtshelferinnen „im Busch" statt, aber immer mehr Frauen vertrauen unserer Arbeit. Außerdem liegen unsere Gesundheitseinrichtungen weit über den lokalen Standards. Und wir haben es geschafft, ohne Material- und Medikamentenengpässe unsere Patienten jeder Zeit behandeln zu können.

zuletzt aktualisiert: 06.06.2008

> Online spenden: Südsudan

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