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Interview 

„Ein Desaster für Bangladesch“

Der Klimawandel wird weltweite Auswirkungen haben. Es gibt jedoch Länder, deren Einwohner besonders stark unter den Folgen leiden werden. Bangladesch ist eines davon. Häufigere und extremere Überschwemmungen, Stürme und Dürren werden die über 141 Millionen Einwohner massiv treffen. Gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe versucht das Klimabündnis „Network on Climate Change, Bangladesh“ (NCC,B) mit einem Projekt im Süden Bangladeschs, die Schäden durch den Klimawandel so gering wie möglich zu halten. Ferdausur Rahman ist der Leiter des Bündnisses und berichtet über die aktuelle und künftige Situation in der Projektregion.

Ferdausur Rahman ist der Leiter des Bündnisses „Network on Climate Change, Bangladesh“
Ferdausur Rahman ist der Leiter des Bündnisses „Network on Climate Change, Bangladesh“

Wann wird der Klimawandel den Süden Bangladeschs erreichen?

Er ist bereits da. Schon heute spüren wir deutlich, wie sich das Klima gegenüber den vergangenen Jahren verändert hat. In der Regenzeit, dem Monsun, ist der Niederschlag viel stärker als früher. Gleichzeitig steigen die Temperaturen in den Trockenzeiten auf immer höhere Rekordmarken. Die Extreme nehmen zu. In den Sundarbarns, der Projektregion, leben viele Menschen von und mit den Flüssen. Sie trifft der Klimawandel zuerst: Das Land, auf dem sie bisher leben, wird durch den Anstieg des Meeresspiegels überschwemmt, die Zahl an Wirbelstürmen nimmt zu, das vordringende Salzwasser zerstört die Anbauflächen und verdrängt die Süßwasserfische, von denen sie sich ernähren.

Wie sieht das Projekt von NCC,B aus?

Das Projekt erstreckt sich über verschiedene Distrikte in den Sundarbarns und erreicht etwa 6.000 Familien, also ungefähr 30.000 Menschen. Dazu gehört ein Windschutzprogramm mit Baumpflanzungen rund um die Wohnhäuser. Bei Stürmen bremsen die Kokosnusspalmen und Guaven den Wind ab. Weiter werden die Fundamente der Häuser gegen Überschwemmungen befestigt und die Dächer gegen Stürme gesichert.

Zur Sicherung des Trinkwassers vor Verschmutzung oder Versalzung nach Stürmen werden Süßwasserteiche ausgehoben, bei denen hohe Erdwälle das Meerwasser abblocken. Und letztlich errichten wir sturmsichere Saatgutspeicher auf Dorf- oder Gemeindeebene. Um die Pflege und Ausgabe des dort gelagerten Saatguts kümmern sich übrigens Schulkinder im Alter von 16 bis 17 Jahren. So lernen sie früh Verantwortung zu übernehmen und auch einiges über den Klimawandel und mögliche Schutzmaßnahmen.

Was passiert mit Bangladesch, wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht?

Nach den Prognosen der Regierung werden wir dann in 30 Jahren etwa 15 Millionen Flüchtlinge allein aus dem Süden Bangladeschs haben. Bloß, wo sollen sie hin? In anderen Regionen unseres Landes wird der Klimawandel ähnliche Schäden anrichten oder große Dürregebiete verursachen. Bereits heute ist Bangladesch mit 1.000 Einwohnern pro Quadratkilometer eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt. Es gibt bisher keine Pläne, was dann getan wird. Das würde ein Desaster für Bangladesch.

zuletzt geändert: 13.07.2007

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