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Kitgum, im April 2007. Noch vor acht Jahren ging James Odokonyero (24) selbst hier zur Schule – jetzt ist er einer von zehn Lehrern an der „Primary Demonstration School“ in Kitgum in Norduganda. Auf die sieben Jahre Primary School folgten vier Jahre Secondary School und zwei Jahre College – und nun ist James Englischlehrer mit Leidenschaft. In seine Schule gehen überwiegend Kinder, die mit ihren Eltern in die Kleinstadt Kitgum geflohen sind, als die brutalen Kämpfer der „Widerstandsarmee Gottes (Lord’s Resistance Army, LRA)“ die Dörfer der Umgebung verwüsteten.
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Die Rebellen entführten in den vergangenen Jahren etwa 20.000 Mädchen und Jungen, um sie zu Kindersoldaten zu machen. Erst seit etwa einem Jahr hat sich die LRA in den Kongo zurück gezogen und die Lage ist ruhiger geworden. Aber noch herrscht die Angst, die Rebellen könnten zurück kommen. Deshalb gibt die ugandische Regierung noch kein grünes Licht für die Rückkehr der Flüchtlinge, die, oft nur wenige Kilometer von ihren verlassenen Dörfern entfernt, in der bedrückenden Enge der Lager wohnen.
Zahl der Schülerinnen sinkt
Die Diakonie Katastrophenhilfe hat gemeinsam mit dem Lutherischen Weltbund dafür gesorgt, dass die „Demonstration School“ in Kitgum mit sanitären Einrichtungen ausgestattet ist. Finanzielle Unterstützung kam hierfür vom Auswärtigen Amt. Etwa 900 Kinder zwischen sieben und 14 Jahren besuchen Schule, in den ersten Klassen sind es etwa gleich viele Jungen und Mädchen. Das ändert sich spätestens in der sechsten und siebten Klasse. Mit 14 oder 15 Jahren werden viele Mädchen verheiratet und verlassen die Schule. „In der Secondary School gibt es kaum noch Mädchen, obwohl viele von ihnen das Zeug dazu hätten, Lehrerinnen oder Ärztinnen zu werden“, klagt James.
Aber noch immer gelten Mädchen oft als „Besitz“ der Familie. Sie bringen Reichtum ins Haus durch den Brautpreis, den ihre Ehemänner zahlen müssen, egal, ob sie ausgebildet sind oder nicht. Mindestens 20 Kühe sind für ein junges Mädchen zu entrichten – als Entschädigung an ihre Familie für die entgangene Arbeitskraft. Doch die Ausbildung von Mädchen zahlt sich langfristig viel mehr aus: Die Kinder von Frauen, die länger zur Schule gegangen sind, sind besser ernährt und gesünder.
Frauen stützen die Gesellschaft
Denn die Schülerinnen und Schüler lernen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch die Grundlagen von Hygiene und gesunder Ernährung. Das ist in der Enge der Lager besonders wichtig, denn hier breiten sich Epidemien wie Cholera und Meningitis rasend schnell aus. Und für James ist klar: „Wir müssen die Mädchen länger in den Schulen halten! Sie sind sorgen für die Gesundheit ihrer Familien. Und sie könnten wichtige Funktionen in der Gesellschaft übernehmen.“
So gibt es in Norduganda zum Beispiel kaum Lehrerinnen, Ärztinnen, Anwältinnen und Verwaltungsfachfrauen, die Frauen bei familiären und gesundheitlichen Problemen beraten könnten. Viele Familien, deren Väter im Bürgerkrieg umgekommen sind, leiden Not, weil die Mutter ohne Ausbildung ist und nur ein geringes Einkommen hat. Diakonie Katastrophenhilfe und Lutherischer Weltbund ermutigen daher Eltern, ihre Töchter einen Schulabschluss machen zu lassen und sie ihren Fähigkeiten entsprechend weiter auszubilden.
Regina Karasch (Lutherischer Weltbund)
zuletzt aktualisiert: 11.04.2007
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