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Kleine Kraftwerke in Sri Lanka liefern erneuerbare Energie 

Aus Holz wird Strom

Sri Lanka, im April 2007. „Aus Holz elektrisches Licht?“ Kusumavathe (32) lacht: „Ich habe keine Ahnung wie das geht, aber es klappt!“ Schließlich hat sie es mit eigenen Augen gesehen. Im Nachbardorf Endagalayaya. Immer wenn sich Maschinist Ran Bandara (28) bei Einbruch der Dämmerung im kleinen Dorfkraftwerk gegen die schwere Eisenkurbel stemmt und mit ein paar Umdrehungen den Vergaser anwirft, vollzieht sich das für Kusumavathe Unerklärliche: eine große blaue Maschine beginnt zu dröhnen und zu vibrieren. Es stinkt nach verschwelendem Holz und kurz darauf leuchtet die Birne an der Decke.

Endlich Licht im Dunkeln: Im Dorf Kaluvella Katiya im Süden Sri Lankas wird aus Holz Strom hergestellt.
Endlich Licht im Dunkeln: Im Dorf Kaluvella Katiya im Süden Sri Lankas wird aus Holz Strom hergestellt.
Foto: Paul Hahn

Schon seit Jahren hofften die 35 Familien aus Kusumavathes Dorf Kaluvella Katiya im Süden Sri Lankas auf elektrischen Strom. Die Bewohner des Nachbarortes haben oft von den Vorteilen erzählt. Sie können nun schon um sechs Uhr zu ihren Feldern gehen und die Kühle des Morgens nutzen. Denn sie haben mit Hilfe des elektrischen Lichtes früher und schneller die Arbeiten im Haus erledigt. Zudem schreckt das Licht die wilden Elefanten davon ab, in den Lehmhütten nach Reis zu suchen und dabei alles niederzureißen.

Inzwischen hat auch für die Bewohner von Kaluvella Katiya ein neues Zeitalter begonnen. Am 26. Februar um 6.28 Uhr begann der Bau des dorfeigenen Holzvergaser-Kraftwerkes. Genau an diesem Tag und zu dieser Uhrzeit standen nach den astrologischen Berechnungen des buddhistischen Priesters Pannananda die Sterne günstig für den Baustart. Am 13. April, dem höchsten buddhistischen Feiertag Vesak, sind die Arbeiten abgeschlossen.

Elektrisches Licht für 23 Dörfer

Seit vor drei Jahren der erste Strom in Endagalayaya durch das rund fünf Kilometer lange Netz floss, ist Lalith Seneviratne nicht zur Ruhe gekommen. Der gelernte Elektroingenieur hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit der Organisation ASPIRA mit Hilfe der Holzvergaser in den 23 Dörfer der Umgebung und damit für rund 1.200 Haushalte kleine Stromnetze aus erneuerbarer Energie zu installieren.

„Den ersten Vergaser, den Ran Bandara seit 2004 Nacht für Nacht mit rund 80 Kilo Holz befeuert, haben wir aus Indien bezogen. Sein großer Nachteil: er benötigt Wasser, viel Wasser. Rund 1000 Liter pro Nacht, um den Teer zu reinigen. Damit er die Stromturbine nicht verstopft“, berichtet Lalith Seneviratne. Doch ist das Wasser in dieser tropischen Gegend zu kostbar, zudem entstehen unerwünschte Abwässer.

Holzvergaser neu erfunden

Also galt es für Lalith, zusammen mit seinem Freund David, einem pensionierten Piloten der britischen Luftwaffe und schon von Berufswegen mit Turbinen vertraut, den Holzvergaser neu zu erfinden. Auch wollten sie die Verbrennungstemperatur im Reaktor erhöhen, damit weniger Rückstände entstehen.

Nach langen Versuchsphasen stehen nun in zwei Dörfern die ersten sauberen Holzvergaser, die mit einem Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid die Stromturbine antreiben.
Auch hat sich in jedem Dorf, das elektrifiziert wird, eine Stromnutzergemeinschaft gebildet. Die Mitglieder haben festgelegt, dass jede Familie rund 600 Glyricidia-Bäumchen anpflanzen muss. Diese schnell wachsenden Bäumchen passen genau in die Strategie von Lalith, saubere und erneuerbare Energie zu erzeugen.

Sie werden in Form von 1,50 langen Holzstöcken einfach in die Erde gesteckt .Sie brauchen wenig Wasser, kaum Nährstoffe, wachsen schnell und schon nach zweieinhalb Jahren können die ersten Zweige geschnitten werden. Auf diese Weise produziert jede Familie pro Jahr rund 100 Kilogramm Holz. In jedem Dorf wohnen im Schnitt rund 50 Familien. So um die 30.000 Bäumchen wachsen künftig pro Ort, rechnet Lalith vor. Getrocknet, in kleine Stückchen geschnitten und in Säcken verpackt, dienen die Zweige als Kraftwerksfutter.

Und die Glyricidien haben einen weitere positive Effekte, so der Projektleiter: die Plantagen heben den Grundwasserspiegel und der Boden kann das Wasser besser halten. Die Blätter können als Viehfutter oder als Dünger verwendet werden.

Paul Hahn

zuletzt aktualisiert: 13.04.2007

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