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Kolumbien ist das drittgrößte Land des lateinamerikanischen Kontinents und bietet mit seinen reichen Ressourcen, Regenwaldzonen und der grandiosen Andenregion dem Besucher einen atemberaubenden Anblick. Die Schattenseiten von Kolumbien sind jedoch: Bedrohung, Vertreibung aus verschiedenen Regionen, Verfolgung, Mord. Seit über 40 Jahren herrscht Bürgerkrieg zwischen mehreren bewaffneten Akteuren in Kolumbien, mehr als drei Millionen der Einwohner befinden sich auf der Flucht innerhalb ihrer eigenen Landesgrenzen.
Wenn man in Alto de Cazucá, einem der Armenviertel Bogotás, eine langgezogene Reihe von Jugendlichen laufen sieht, weiß man: Das sind die Schüler der „Corporación Infancia y Desarrollo“ (CID), ein von der Diakonie Katastrophenhilfe und dem Büro für humanitäre Hilfe der Europäischen Union (ECHO) finanziertes Schulprojekt.
In der Schlange zu laufen ist eine der Vorsichtsmassnahmen der CID, um die jugendlichen Flüchtlinge vor Unannehmlichkeiten in dem gefährlichem Stadtviertel zu bewahren: Keiner geht verloren, sie sind weithin sichtbar, man erkennt sie als Schüler. Und die Gefahr ist hoch, in Alto de Cazucá zu verschwinden: Fast jeden Tag taucht ein Jugendlicher einfach „nicht mehr auf“. Sie kommen vom Einkaufen nicht mehr zurück oder abends nicht mehr heim. Die Körper findet man dann erst ein paar Tage später in einer der Seitenstrassen.
Soziale Säuberung
Das UN-Menschenrechtsbüro in Kolumbien spricht von der sogenannten „limpieza social“, der sozialen Säuberung, der sie zum Opfer fallen. Doch auch ohne diese Bedrohung ist der Alltag der Jugendlichen schwierig genug: Sie wurden aus den heißen Küstenregionen vertrieben in eine kalte Millionenstadt auf 2.600 Meter Höhe, mit grausamen Erinnerungen im Gepäck und nichts in der Tasche. Dort erwartet sie ein Leben am Existenzminimum, Gewalt, Hunger, bewaffnete Auseinandersetzungen; erneut befinden sie sich im Zentrum der Humanitären Krise.
So steht für junge Flüchtlinge nach ihrer Ankunft in Alto de Cazucá nicht der Schulbesuch im Vordergrund, sondern das Überleben. Geld ist keines da, die schulischen Ausbildungsplätze sind rar; das Schulsystem kann die riesige Menge an Flüchtlingen gar nicht auffangen. Kurze Zeit später sind viele der Jugendlichen jedoch zu alt, um erneut in das reguläre Schulsystem einzusteigen; dann wartet nur noch die Rekrutierung der illegalen Streitkräfte oder Prostitution oder Kinderarbeit auf sie. Im allerbesten Falle enden sie in der Arbeitslosigkeit.
zuletzt aktualisiert: 16.02.2007