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Medizinische Hilfe für Tsunami-Opfer in Meulaboh 

Kinderzeichnungen verraten den Schrecken

Meulaboh, im März 2005. Der Gang zwischen den Holzbaracken ist höchstens zwei Meter breit. Auf den Treppenstufen vor den Eingängen drängen sich die Kinder, Frauen balancieren Wäschekörbe und Wassereimer auf dem Kopf in die Unterkünfte. Die indonesische Regierung hat das Lager Padang Panjang in der Nähe der Stadt Meulaboh in der indonesischen Provinz Aceh erst vor kurzem für Tsunami-Opfer errichten lassen.

Sieht im Camp nach dem Rechten: Dorfchef Mjumus aus Pulo Ie
Sieht im Camp nach dem Rechten: Dorfchef Mjumus aus Pulo Ie

Knapp 4.000 Menschen leben hier auf engsten Raum, eine Familie muss sich auf zwölf Quadratmetern einrichten. Dorfchef Mjumus aus Pulo Ie ist nicht nach Padang Panjang gezogen. Er bleibt lieber in seinem Haus, das zur Hälfte von der Flut zerstört worden ist. Doch er kommt jeden Tag ins Camp, um bei den Mitgliedern seiner Dorfgemeinschaft nach dem Rechten zu sehen. "Wir brauchen unbedingt Schlafmatten und Moskitonetze", sagt er. "Die Regierung stellt nur die Baracken zur Verfügung, um alles andere müssen wir uns selbst kümmern." Immerhin gibt es Strom und Wasser und für die medizinische Betreuung ist ebenfalls gesorgt.

Gesundheitsstationen in Meulaboh

Der Partner der Diakonie Katastrophenhilfe YEU unterhält in Padang Panjang eine Gesundheitsstation. Drei Schülerinnen und Schüler der Krankenpflegeschule von Meulaboh geben Medikamente aus und behandeln die leichteren Fälle von Durchfall und Erkältungen. Zwei Mal in der Woche kommt ein Arzt zur Sprechstunde. Von zwei Uhr nachmittags bis zehn Uhr abends werden täglich etwa 60 Patienten versorgt. In der Region um Meulaboh hat YEU insgesamt drei Gesundheitsstationen eingerichtet.

Darüber hinaus arbeitet YEU in Padang Panjang mit traumatisierten Kindern. "Wir lassen die Mädchen und Jungen zeichnen, was sie während des Tsunami erlebt haben", erklärt YEU-Direktor Sigit Wijayanta. "Ein Experte für Kinderpsychiatrie analysiert die Zeichnungen und erstellt eine Diagnose. Außerdem versuchen wir, in Gesprächsrunden herauszufinden, wie es den Kindern geht. Mit Spielen, Sport, Malen und anderen Aktivitäten möchten wir ihnen bei der Verarbeitung ihrer Erlebnisse helfen."

Rückkehr in den Alltag

Die ungelenken Zeichnungen von zerstörten Häusern, umgestürzten Bäumen und toten Menschen verraten viel über die Ängste und  Alpträume der Mädchen und Jungen, mehr als sie im Gespräch ausdrücken können: "Manchmal bin ich fröhlich, manchmal bin ich traurig", sagt etwa der 14jährige Hidayatullah und zuckt mit den Schultern. Er verlor seine Mutter und seine drei Schwestern durch den Tsunami. Er selbst entkam nur knapp – er hatte versucht, die Fische aufzusammeln, die das Meer bei seinem Rückzug vor dem Tsunami am Strand zurückließ. Dann rannte er um sein Leben. Immerhin kann Hidayatullah schon wieder zur Schule gehen – und damit ein Stück weit in den gewohnten Alltag zurück kehren.

Für die Erwachsenen ist das schwieriger. Sein Land sei zwar nicht durch den Tsunami verwüstet worden, sagt Bauer Mjumus. Doch sämtliche Ackerbaugeräte wurden weggeschwemmt. "Ich brauche Saatgut und Geräte, um wieder arbeiten zu können", sagt er. "Schließlich ist das doch besser, als herumzusitzen und nichts zu tun," fügt Mjumus hinzu, blinzelt in die Sonne und zieht an seiner Zigarette.

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