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Überlebende Flutopfer kämpfen mit Alpträumen 

Sri Lanka steht unter Schock

Die 17 Jahre alte Lilly Theresa spricht seit der Flutkatastrophe kaum ein Wort. Sie hat vier Brüder und zwei Schwestern verloren. Der methodistische Pastor Terrance Sylvester, Koordinator für den nationalen Christenrat in Trincomalee im schwer betroffenen Nordosten Sri Lankas, kümmert sich um das Mädchen. 24 Mitglieder seiner Gemeinde seien gestorben, mehr als die Hälfte davon Kinder, sagt er. Ein halbes Dutzend nahe der Stadt gelegene Dörfer an der Küste wurden durch den Tsunami vollständig ausradiert.

Verzweifelt: Fast vier Wochen nach der Katastrophe stehen die Menschen in Sri Lanka noch immer unter Schock.
Verzweifelt: Fast vier Wochen nach der Katastrophe stehen die Menschen in Sri Lanka noch immer unter Schock.
Foto: Paul Jeffrey

Fast vier Wochen nach der Flutkatastrophe steht Sri Lanka noch völlig unter Schock. Der nationale Christenrat, Partner der Diakonie Katastrophenhilfe, versorgt die Überlebenden in Notunterkünften mit Hilfsgütern, ein mobiles Ärzte-Team kümmert sich um die medizinische Versorgung. Einen Schwerpunkt sehen die Kirchen unter dem Dach des NCC im seelsorgerlichen und psychologischen Beistand für die Überlebenden.„Wir müssen die Menschen trösten und ihnen beistehen“,  sagt der Generalsekretär des Nationalen Christenrates von Sri Lanka, Jayasiri Peiris. „Es ist so wichtig, ihnen zuzuhören“.

Das gilt auch für Padmal Widanagamange, der an der Ostküste Sri Lankas ein Zugunglück überlebt hat. Als die gewaltige Flutwelle heran rollte, hielt der Zug an. Padmal sah aus dem Fenster und sah ein Kleinkind und eine Frau auf den Zug zutreiben. Der ausgebildete Rettungsschwimmer konnte beide retten. Eine zweite Welle fegte sein Abteil von den Gleisen.

Als er auftauchte, trieb er im Wasser zwischen Trümmern und Bäumen und lief Gefahr, zwischen ihnen zerquetscht zu werden. Er tauchte wieder unter, um sich in Sicherheit zu bringen. „Danach war das Wasser ganz klar“, erzählt er. „Gemeinsam mit einem Schaffner konnte ich 25 Menschen aus dem Zug holen“. Doch seine Schwester, sein Onkel und seine Tante konnte er nicht retten. Später fand er die Toten.

Von der Erinnerung an diesen Alptraum kann sich Padmal Widanagamange nicht lösen. Wenn er spricht, irrt sein Blick durch den Raum. Er ist nicht fähig, jemanden anzusehen, wirkt wie betäubt. Auch die Arbeit bietet keine Ablenkung: Die Fabrik in der Nähe von Sri Lankas Hauptstadt Colombo, in der er beschäftigt war, ist durch die Flut zerstört worden. Jetzt sucht der 26-jährige Buddhist Trost bei seinem Nachbarn, einem methodistischen Pastor.

Der Kirchenrat hat eigens eine Abteilung eingerichtet, die sich der medizinischen und psychosozialen Hilfe widmen soll. Angesichts der Vielzahl der Traumatisierten eine große Aufgabe: „Diese Herausforderung können wir nur in ökumenischer Gemeinschaft annehmen“, unterstreicht Jayasiri Peiris.

zuletzt aktualisiert: 20. Januar 2005

> Online spenden: Katastrophenhilfe weltweit

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